Wirtschaft

Schock-Bericht: VW plant 50.000 Jobs zu streichen

Schock bei VW? Laut Bericht stehen vier deutsche Werke vor dem Aus – und weltweit könnten bis zu 100.000 Jobs kippen.

26.06.2026, 10:36 Uhr

Zwei Jahre nach dem harten Tarifkonflikt steht Volkswagen laut einem Medienbericht womöglich vor einer neuen Auseinandersetzung über Einsparungen. Dem Manager Magazin zufolge will Konzernchef Oliver Blume den Sparkurs deutlich verschärfen. Bereits am 9. Juli soll sich demnach der Aufsichtsrat mit den Plänen befassen.

Weltweit könnten laut Bericht bis zu 100.000 Arbeitsplätze wegfallen – und damit etwa doppelt so viele wie bislang vorgesehen. Zudem sollen vier Standorte in Deutschland von möglichen Schließungen betroffen sein. Die Überlegungen seien Teil des neuen Strategiekonzepts „Zielbild 2030“, mit dem sich der Vorstand bereits befasst habe. Die endgültige Entscheidung liege nun beim Aufsichtsrat.

Als gefährdete Werke nennt das Magazin die VW-Standorte in Hannover, Zwickau und Emden sowie das Audi-Werk in Neckarsulm. Einen konkreten Zeitplan für mögliche Maßnahmen gebe es bislang nicht. Dem Bericht zufolge könnten die Schließungen jedoch mittelfristig umgesetzt werden.

IG Metall und VW-Betriebsrat reagierten empört und kündigten sofort Widerstand an. In einer gemeinsamen Stellungnahme von IG-Metall-Chefin Christiane Benner, Bezirksleiter Thorsten Gröger und Betriebsratschefin Daniela Cavallo heißt es, man werde solche Pläne „mit aller Macht verhindern“, sollten sie weiterverfolgt werden. Die neuen Berichte verunsicherten Belegschaft und Regionen zu Recht, erklärten sie. Angriffe auf das VW-Gesetz, die Mitbestimmung und die Standorte seien unverantwortlich.

Bei der Aufsichtsratssitzung Anfang Juli dürfte es damit zu einem heftigen Konflikt kommen. Die Arbeitnehmerseite stellt dort die Hälfte der Mitglieder, Benner ist zudem stellvertretende Vorsitzende des Gremiums. Gemeinsam mit den Vertretern des Landes Niedersachsen verfügen sie über eine Mehrheit. Niedersachsen hält 20 Prozent der Stimmrechte an VW und besitzt bei wichtigen Entscheidungen ein Vetorecht.

Auch das Land Niedersachsen stellte sich gegen mögliche Werksschließungen. Ministerpräsident Olaf Lies und seine Stellvertreterin Julia Willie Hamburg erklärten, das Land werde keiner Entwicklung zustimmen, die auf Schließungen als vermeintlich einfache Lösung setze oder die Mitbestimmung infrage stelle. Über konkrete Maßnahmen werde der Aufsichtsrat beraten und entscheiden, Niedersachsen werde dort seine Verantwortung sorgfältig wahrnehmen.

Auch aus anderen Regionen kam scharfe Kritik. Der Betriebsrat in Neckarsulm wies eine mögliche Schließung des Audi-Standorts zurück und erklärte, ein Aus des Werks stehe für die Arbeitnehmervertretung nicht zur Debatte. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer äußerte sich besorgt und sagte, ein solcher Schritt dürfe sich nicht realisieren. Sachsens Wirtschaftsminister Dirk Panter kündigte an, für das Werk in Zwickau und die dortigen Arbeitsplätze zu kämpfen. Auch aus der Bundespolitik kam Protest.

Volkswagen bestätigte auf Anfrage, dass der Konzernvorstand in den vergangenen Monaten intensiv an einem Zukunftsplan für die Neuaufstellung gearbeitet habe. Ein Sprecher erklärte, das Unternehmen solle insgesamt effizienter und schlanker aufgestellt sowie technologische Synergien konsequenter genutzt werden. Ziel sei eine „umfassende Transformation“ des gesamten Konzerns mit seinen Marken und Gesellschaften. Details zu einzelnen Maßnahmen nannte VW jedoch nicht.

Blume hatte in den vergangenen Monaten mehrfach betont, dass das bisherige Geschäftsmodell des Konzerns so nicht mehr funktioniere. Volkswagen müsse sich neu aufstellen und die Kosten weiter senken. Laut dem Bericht soll deshalb nicht nur bei Personal und Standorten gespart werden, sondern auch bei der Modellpalette: Die Zahl der Fahrzeugmodelle im Konzern solle demnach von bislang 150 auf weniger als 100 sinken. Auch ein mögliches US-Werk von Audi könnte demnach gestrichen werden. Stattdessen soll Audi bei der neuen US-Marke Scout unterkommen.

Unabhängig davon gilt an den deutschen Konzernstandorten noch bis mindestens 2030 eine Beschäftigungssicherung, die mit der IG Metall vereinbart wurde. Volkswagen hatte bereits angekündigt, bis 2030 konzernweit 50.000 Stellen in Deutschland abzubauen, darunter 35.000 bei der Kernmarke VW. In Dresden ist die Fahrzeugproduktion inzwischen ausgelaufen, für Osnabrück sucht der Konzern wegen des Endes der Cabrio-Fertigung im kommenden Jahr noch nach einer Perspektive.

Nach dem Tarifstreit von 2024 waren betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen worden. Der Stellenabbau sollte vor allem über Altersteilzeit und Abfindungsprogramme erfolgen. Nach Konzernangaben haben dafür inzwischen bereits mehr als 37.000 Beschäftigte unterschrieben.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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