Wirtschaft

Mercedes spart härter – jetzt wackelt die Sonderzahlung

Mercedes stoppt Extra-Geld für Mitarbeiter – und prüft sogar mehr Arbeit ohne mehr Lohn. Was jetzt auf die Belegschaft zukommt.

26.06.2026, 10:15 Uhr

Mercedes-Benz verschärft seinen Sparkurs

Mercedes-Benz treibt seine Sparmaßnahmen weiter voran. In einem Schreiben des Vorstands wurden die Beschäftigten in Deutschland am Freitagvormittag über neue Schritte informiert. Demnach erhalten rund 90.000 der etwa 108.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Deutschland eine tarifliche Sonderzahlung nicht wie ursprünglich im Juli, sondern erst im kommenden Jahr.

Dabei geht es um den jährlichen „Transformationsbaustein“, der 18,4 Prozent des regelmäßigen individuellen Monatsentgelts ausmacht. Wie hoch die Summe ist, die der Dax-Konzern dadurch zunächst zurückhält, nannte ein Unternehmenssprecher auf Anfrage nicht. Nach Angaben der IG Metall kann diese Sonderzahlung in wirtschaftlichen Krisenbetrieben verschoben oder ganz ausgesetzt werden.

Vorstand spricht von dramatischer Lage in Deutschland

In dem Schreiben verweist der Vorstand auf drei massive Herausforderungen. Genannt werden weltweite Einschränkungen beim Freihandel, der harte Wettbewerb auf dem chinesischen Markt und die aus Unternehmenssicht deutlich gesunkene Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland.

Mercedes argumentiert, hohe Kosten gefährdeten die Erträge trotz der laufenden Produktoffensive. Die Situation in Deutschland werde inzwischen als dramatisch eingeschätzt. Jede neue Produktvergabe und jede zusätzliche Aufgabenübertragung an deutsche Standorte verschlechtere nach Konzernsicht die relative Kostenposition.

Zugleich kündigte das Management an, Prozesse deutlich zu beschleunigen und gewachsene Strukturen zu verschlanken. Die Arbeitsstunde in Deutschland müsse günstiger werden. Deshalb will Mercedes in den kommenden Wochen und Monaten mit der Arbeitnehmervertretung darüber sprechen, ob in Zukunft für das gleiche Entgelt mehr gearbeitet werden soll. Aktuell gilt bei tarifgebundenen Autobauern wie Mercedes in der Regel die 35-Stunden-Woche.

Betriebsrat kritisiert Vorgehen und Debatte über längere Arbeitszeiten

Der Gesamtbetriebsrat reagierte kritisch auf die Entscheidung. Die Verschiebung der Sonderzahlung sei eine einseitige Maßnahme des Unternehmens. Aus Sicht der Arbeitnehmervertretung lägen die Ursachen der aktuellen Probleme nicht bei der Belegschaft, dennoch müssten die Beschäftigten erneut einen erheblichen Teil der Belastung tragen.

Auch die angestoßene Diskussion über längere Arbeitszeiten bei gleichem Lohn stößt auf Widerstand. Der Gesamtbetriebsrat hält das vor dem Hintergrund teils geringerer Auslastung an deutschen Standorten nicht für ein überzeugendes Zukunftskonzept. Wer Wettbewerbsfähigkeit vor allem über unbezahlte Mehrarbeit erreichen wolle, greife zu kurz.

Zusätzliche Brisanz erhielt die Debatte, nachdem Aufsichtsratschef Martin Brudermüller dem Handelsblatt erst vor wenigen Tagen gesagt hatte, man müsse eine Rückkehr zur 40-Stunden-Woche ernsthaft angehen. Gesetzlich vorgeschrieben ist die 35-Stunden-Woche nicht, sie ist in der deutschen Autoindustrie aber tariflicher Standard.

Gewinneinbruch erhöht den Druck

Mercedes-Benz steht bereits seit Längerem unter Druck. Im ersten Quartal dieses Jahres sank das Konzernergebnis um 17,2 Prozent. Schon 2025 war der Gewinn von 10,4 Milliarden Euro auf 5,3 Milliarden Euro eingebrochen, nachdem sich das Geschäft bereits 2024 schwächer entwickelt hatte.

Als Belastungsfaktoren nennt das Unternehmen unter anderem Zölle, negative Wechselkurseffekte und den intensiven Wettbewerb in China. Auch Umsatz und Absatz gingen zurück. Als Reaktion hatte der Autobauer vor etwas mehr als einem Jahr ein Sparprogramm gestartet, das intern unter dem Namen „Next Level Performance“ läuft.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen