Hitze und Trockenheit setzen Bayerns Landwirtschaft stark unter Druck
Die anhaltend hohen Temperaturen bringen Bayerns Bauernhöfe derzeit in Bedrängnis. Sowohl Pflanzen als auch Nutztiere leiden unter der Hitze. Besonders betroffen sind laut Peter Doleschel von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft klassische Kulturen wie Getreide, Raps, Feldgemüse sowie Gras und Klee. Die Lage sei momentan ausgesprochen angespannt.
Folgen für Pflanzenbestände
Treffen große Hitze und Wassermangel zusammen, gerät das Wachstum vieler Pflanzen ins Stocken. Der Grund: Unter Trockenstress können sie kaum noch ausreichend Nährstoffe aus dem Boden aufnehmen.
Auch bei Schädlingen und Krankheiten verschiebt die Wetterlage das Risiko. Blattläuse kommen mit der starken Wärme schlechter zurecht, Spinnmilben hingegen profitieren davon. Vor allem empfindliche Sonderkulturen wie Wein und Hopfen seien gefährdet. Zwar benötigen viele Pilzkrankheiten Feuchtigkeit, doch es gibt auch Erreger, die unter heißen Bedingungen begünstigt werden und aus dem Boden heraus Pflanzen befallen. Als Beispiel nennen Fachleute die Welkekrankheit beim Hopfen.
Welche Gegenmaßnahmen möglich sind
Im Getreideanbau ist künstliche Bewässerung nur eingeschränkt umsetzbar. Dafür müssen nicht nur technische Anlagen vorhanden sein, auch rechtliche Vorgaben spielen eine Rolle. Eine wirksame und zugleich sparsame Kühlung der Pflanzen gelingt nach Einschätzung der Landesanstalt vor allem mit präzisen Beregnungssystemen. Diese Technik ist jedoch kostspielig und wird deshalb meist nur im Gemüsebau eingesetzt.

Langfristig sieht die Landwirtschaft vor allem Anpassungen bei der Anbauplanung als wichtigen Weg. Dazu gehört etwa, robustere Sorten zu wählen und die Fruchtfolge stärker an die zunehmenden Klimarisiken anzupassen. Kulturen wie Mais oder Hirse gelten dabei als vergleichsweise widerstandsfähig gegenüber Hitze und Trockenheit.
Unsichere Aussichten für die Ernte
Nach Angaben des Bayerischen Bauernverbands sorgt die Wärme dafür, dass das Getreide schneller abreift. Bei der Wintergerste hat die Ernte bereits begonnen, und auch andere Kulturen entwickeln sich unter den hohen Temperaturen zügig in Richtung Reife.
Welche Folgen das am Ende für die Erträge haben wird, ist derzeit aber noch offen. Neben dem Getreide leiden auch Kartoffeln und Zuckerrüben deutlich unter der Witterung. Hinzu kommt, dass die Wasserreserven im Boden vielerorts nahezu aufgebraucht sind. Selbst in den kühleren Abendstunden können sich die Bestände daher kaum erholen.
Auch Tiere stehen unter Hitzestress
Nicht nur die Felder, auch die Tiere auf den Höfen sind durch die Hitze belastet. Wie stark, hängt von der jeweiligen Tierart ab. Bei Kühen helfen Schatten, Ventilatoren oder spezielle Duschen, um die Temperaturbelastung zu mindern. In Schweineställen kommen unter anderem Lüftungssysteme sowie Wasser- oder Duschvorrichtungen zum Einsatz.
Die Landesanstalt hat sich in den vergangenen Jahren intensiv mit Hitzestress bei Rindern beschäftigt. Dabei zeigte sich, dass sich Milchkühe bei Temperaturen zwischen vier und 16 Grad am wohlsten fühlen. In diesem Bereich müssen sie ihre Körpertemperatur kaum regulieren.
Brandgefahr bei der Ernte steigt
In Trockenphasen wächst im Sommer zudem das Risiko für Brände bei der Feldarbeit. Immer wieder geraten etwa Ballenpressen oder Mähdrescher in Brand, wodurch schnell auch Wiesen und Felder Feuer fangen können.
Auslöser können beispielsweise Funken durch Steine, beschädigte Kugellager, überhitzte Keilriemen oder heiße Maschinenteile sein. Lagern sich dort Staub, Spreu oder fein gehäckseltes Stroh ab, kann sich das Material entzünden. Darauf weist die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau hin.
Sie empfiehlt deshalb, Erntemaschinen täglich an besonders kritischen Stellen gründlich zu säubern. Falls es dennoch brennt, soll zunächst ein Feuerlöscher eingesetzt werden, der an den Maschinen vorgeschrieben ist. Zusätzlich können mit Wasser gefüllte Güllefässer am Feldrand oder einsatzbereit auf dem Hof im Notfall schnelle Hilfe leisten.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber