Apple wird ab Oktober in der EU Änderungen am App Store umsetzen. Hintergrund ist der Druck aus Brüssel. Verbraucherinnen und Verbraucher in der Europäischen Union sollen dadurch künftig mehr Möglichkeiten beim Download und bei der Bezahlung von Apps erhalten, wie aus Erklärungen des Unternehmens und der EU-Kommission hervorgeht.
Im Mittelpunkt steht, dass Entwickler von Apps für Apple-Geräte künftig freier wählen können, wie sie ihre Anwendungen anbieten und welche Zahlungswege sie nutzen. Apps sollen sich demnach nicht mehr nur über den App Store verbreiten lassen, sondern auch leichter über Webseiten oder alternative Online-Marktplätze von Drittanbietern.
Neu ist zudem, dass Entwickler ihre Kundinnen und Kunden auf solche Alternativen hinweisen dürfen. Gleichzeitig sollen sie weiterhin das Recht behalten, in ihren Apps auch Apples eigenes In-App-Zahlungssystem anzubieten. Nach Auffassung der EU-Wettbewerbshüter hatten bisherige Gebühren viele Anbieter bislang davon abgehalten, andere Vertriebswege zu nutzen.
Neue Provision für Apps aus anderen Stores
Bei einem zentralen Streitpunkt weicht Apple jedoch nur teilweise von seiner bisherigen Praxis ab. Die bisherige sogenannte Gebühr für Kerntechnologie, die nach Unternehmensangaben für besonders reichweitenstarke Apps ab der millionsten Installation fällig wurde, soll entfallen. Stattdessen will Apple künftig eine Provision von fünf Prozent auf digitale Transaktionen in Apps erheben, die außerhalb des eigenen Marktplatzes vertrieben werden.
Ursprünglich konnten iPhone-Apps nur über den Apple-eigenen Store geladen werden, und Zahlungen liefen ausschließlich über das hauseigene System. Apple hatte eine Öffnung lange auch mit Sicherheitsargumenten abgelehnt, musste sich wegen der europäischen Digitalregeln aber bewegen. Kritiker wie Spotify warfen dem Konzern dennoch vor, alternative Stores und andere Zahlungswege durch Regeln und Gebühren unattraktiv zu machen – zum Nachteil von Entwicklern und letztlich auch von Nutzern.
Gestaffelte Provisionen und feste Wahl für zwölf Monate
Entwickler sollen künftig parallel In-App-Käufe über Apple und über alternative Bezahlsysteme anbieten können. Allerdings müssen sie sich jeweils für einen Zeitraum von zwölf Monaten auf die gewählten Optionen festlegen.
Für Käufe über Apples eigenes In-App-Zahlungssystem fällt laut den neuen Bedingungen eine Provision von 26 Prozent an. In bestimmten Apple-Programmen sowie bei Abonnements, die sich nach einem Jahr automatisch verlängern, soll ein reduzierter Satz von 15 Prozent gelten.
Für Apps im Apple App Store, die alternative Zahlungsabwickler nutzen, sieht Apple eine Provision von 20 Prozent vor. Wenn eine App Nutzerinnen und Nutzer zum Abschluss eines Kaufs auf eine externe Website weiterleitet, werden 15 Prozent fällig. Bei Abonnements sinkt dieser Satz auf 10 Prozent.
Beim Kinder- und Jugendschutz will Apple zugleich an Einschränkungen festhalten. Angebote für Kinder im App Store sollen demnach keine Links zu Websites enthalten dürfen, auf denen Transaktionen abgeschlossen werden können.
EU will faire Konkurrenz auf digitalen Märkten sichern
Die Europäische Kommission teilte mit, sie werde genau prüfen, wie Apple die neuen Vorgaben tatsächlich umsetzt. Bereits im April 2025 hatte die Behörde gegen den Konzern wegen Verstößen gegen den Digital Markets Act (DMA) ein Bußgeld von 500 Millionen Euro verhängt.
Apple zählt nach den EU-Regeln zu den sogenannten Gatekeepern, also zu Unternehmen mit einer besonders starken Stellung beim Zugang zu Kundinnen und Kunden. Für solche Konzerne gelten nach dem DMA besondere Auflagen. Ziel ist es, fairen Wettbewerb im digitalen Markt zu schützen und zu verhindern, dass große Plattformen ihre dominante Position weiter absichern.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber