Syrien öffnet IAEA Zugang zu mutmaßlichem Alt-Atomprogramm
Die syrische Führung lässt ein mutmaßlich verborgenes Atomprogramm aus der Zeit des früheren Präsidenten Baschar al-Assad nun von der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) untersuchen. Wie aus einer gemeinsamen Erklärung von Außenminister Asaad al-Schaibani und IAEA-Generaldirektor Rafael Grossi in Damaskus hervorgeht, hat Syrien die Behörde im Juli über umfangreiche Bestände an Nuklearmaterial informiert und bereits eine erste Kontrolle zugelassen.
Grossi erklärte, es gehe um mehrere Tonnen Material, das potenziell zweckentfremdet werden könne. Nach einem Bericht des US-Portals Axios soll darunter auch sogenanntes Yellowcake sein, ein schwach radioaktives Uranerz-Konzentrat, das unter anderem zur Herstellung von Reaktorbrennstoff genutzt werden kann. Die IAEA selbst nannte dazu keine Einzelheiten.
Alter Verdacht um zerstörten Reaktor
Im Jahr 2007 hatte Israel eine Anlage in Syrien bombardiert, die nach damaligem Verdacht als Kernreaktor diente. Ziel des Angriffs war es nach israelischer Darstellung, einen möglichen syrischen Weg zur Atombombe zu stoppen. Die IAEA kam 2011 in einem Untersuchungsbericht zu dem Ergebnis, dass es sich sehr wahrscheinlich um einen geheim errichteten Reaktor handelte, der Ähnlichkeiten mit einer nordkoreanischen Anlage aufwies.
Wegen der Blockade durch die Assad-Regierung und infolge des Bürgerkriegs konnte die Behörde den Verdachtsfällen lange nicht direkt vor Ort nachgehen. Erst nach dem Sturz Assads Ende 2024 wurden die Ermittlungen wieder vorangetrieben.
Während seines Besuchs in Syrien besichtigte Grossi nach offiziellen Angaben sowohl das frühere Reaktorgelände als auch einen weiteren Standort, der mit dem sichergestellten Nuklearmaterial in Verbindung stehen soll. Beide Seiten vereinbarten demnach konkrete Maßnahmen, um offene Fragen zu den früheren Aktivitäten aufzuklären.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber