Wirtschaft

Ifo warnt: Billiges CO2 stoppt Klimainvestitionen

Warum Firmen beim Klimaschutz plötzlich investieren – oder komplett bremsen: Eine Ifo-Studie liefert verblüffende Antworten.

18.08.2026, 13:22 Uhr

Ifo-Umfrage: Höherer und stabiler CO2-Preis würde Investitionen in klimafreundliche Technik fördern

Deutsche Industrieunternehmen wären laut einer Umfrage des Ifo-Instituts eher bereit, in klimafreundliche Technologien zu investieren, wenn der CO2-Preis höher und vor allem besser kalkulierbar wäre. Nach Angaben des Ifo hängt für viele Betriebe die Wirtschaftlichkeit neuer, emissionsärmerer Anlagen maßgeblich von verlässlichen Preisannahmen ab.

Im Durchschnitt beginnen Unternehmen demnach erst dann mit entsprechenden Investitionen, wenn der CO2-Preis dauerhaft über 90 Euro je Tonne liegt. Bei starken Schwankungen sehen viele Firmen hingegen von Investitionen ab.

Die Studie, für die 830 Industrieunternehmen befragt wurden, zeigt außerdem: Bei einem CO2-Preis von rund 50 Euro werden Klimaschutzprojekte im Mittel eher abgelehnt. Steigt der erwartete Preis dagegen auf 175 Euro, fällt die Entscheidung deutlich zugunsten klimafreundlicher Investitionen aus. Nach Einschätzung der Ifo-Forscher bewegt sich das aktuelle Preisniveau im europäischen Emissionshandel mit etwa 70 bis 90 Euro bereits in einem Bereich, in dem erste Unternehmen aktiv werden – viele dürften aber noch zögern.

Schwankende Preise bremsen Investitionen

Neben der Höhe des CO2-Preises ist laut Ifo vor allem dessen Verlässlichkeit entscheidend. Rechnen Unternehmen mit größeren Preissprüngen, verschieben sie Investitionen selbst dann, wenn der durchschnittliche CO2-Preis hoch ist. Stabile politische Rahmenbedingungen gelten daher als wichtiger Faktor für mehr Klimaschutzinvestitionen in der Industrie.

Streit um den EU-Emissionshandel

Der europäische Emissionshandel, das wichtigste Klimaschutzinstrument der EU, ist derzeit Gegenstand intensiver Diskussionen. Unternehmen müssen dabei Zertifikate für den Ausstoß von Treibhausgasen wie CO2 vorweisen. Während etwa Teile der Chemieindustrie auf Erleichterungen drängen, warnen einige Stahlhersteller – darunter Salzgitter – vor einem Rückschritt, nachdem sie bereits mit der Umstellung ihrer Produktion begonnen haben.

Die EU-Kommission hatte im Juli vorgeschlagen, den Emissionshandel abzuschwächen. Geplant ist, dass die Zahl der verfügbaren Verschmutzungsrechte langsamer sinkt. Außerdem sollen in bestimmten Bereichen mehr kostenlose Zertifikate vergeben werden.

Reiche fordert Entlastung für Unternehmen

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) setzt sich für Entlastungen der Wirtschaft ein. Ihrer Ansicht nach müsse die Reform des EU-Emissionshandels so gestaltet werden, dass industrielle Produktion und energieintensive Unternehmen langfristig am Standort Deutschland gehalten werden können.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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