Wirtschaft

E-Bike-Boom vorbei? Jetzt fallen die Preise

E-Bike-Eldorado Deutschland wankt: Der Boom ist vorbei – und plötzlich locken satte Rabatte. Warum Käufer jetzt profitieren.

23.06.2026, 04:00 Uhr

Deutschland bleibt Europas wichtigster E-Bike-Markt – doch das Wachstum flaut ab

Deutschland nimmt beim Verkauf von E-Bikes in Europa weiterhin eine Spitzenstellung ein. Gleichzeitig verliert der langjährige Boom an Tempo. Für Käufer hat das einen Vorteil: Die Preise sinken. Das geht aus einer Untersuchung der Unternehmensberatung EY Parthenon hervor.

Demnach wurde 2025 in keinem anderen europäischen Land so viel Geld mit elektrischen Fahrrädern umgesetzt wie in Deutschland. Hier machten E-Bikes 85 Prozent des gesamten Fahrradumsatzes aus. Zum Vergleich: In Österreich lag der Anteil bei 79 Prozent, in den Niederlanden bei 73 Prozent, in Frankreich bei 54 Prozent und in Spanien bei 35 Prozent.

Von den europaweit knapp zehn Milliarden Euro E-Bike-Umsatz entfielen mit 4,97 Milliarden Euro fast 50 Prozent auf den deutschen Markt. Auch bei den Verkaufszahlen spielen motorisierte Räder eine große Rolle: 53 Prozent aller in Deutschland verkauften Fahrräder hatten 2025 einen Elektroantrieb. Nur in Österreich war der Anteil mit 57 Prozent noch höher.

Markt zeigt erste Sättigungstendenzen

Inzwischen gibt es kaum noch Fahrradsegmente ohne elektrische Variante. Besonders stark ist die Entwicklung bei Mountainbikes, die zu mehr als 90 Prozent elektrifiziert sind. Auch E-Lastenräder sorgen weiter für Nachfrage.

Trotzdem ist das starke Wachstum der vergangenen Jahre vorerst vorbei. Laut Studie lag der Anteil der E-Bikes an den europaweit verkauften Fahrrädern bei 30 Prozent und damit auf dem Niveau des Vorjahres. Stefan Mohr, bei EY-Parthenon für das Sportgeschäft zuständig, sieht den deutschen Markt zwar noch nicht am Ende seiner Entwicklung, spricht aber von einer gewissen Reife und ersten Anzeichen einer leichten Sättigung.

Künftige Impulse dürften daher weniger allein durch Elektrifizierung entstehen. Wichtiger werden aus Sicht der Studie neue Ideen, zusätzliche Zielgruppen, veränderte Nutzungskonzepte sowie Ersatzkäufe und Serviceangebote. Unverändert bleibe jedoch, dass E-Mobilität ein zentraler Baustein der Verkehrswende ist.

Branche steht nach dem Boom unter Druck

Nach dem Ende des Corona-Hochs befindet sich die deutsche Fahrradindustrie in einer schwierigeren Phase. Zwar liegt der Umsatz weiterhin klar über dem Vorkrisenniveau, doch volle Lager und eine zurückhaltende Kauflaune infolge der Inflation belasten Hersteller und Handel.

Das wirkt sich auf die Preise aus. Im Jahr 2025 kostete ein Fahrrad in Deutschland im Durchschnitt 1.581 Euro und damit vier Prozent weniger als im Vorjahr. Ursache war laut Studie allein der Preisrückgang bei E-Bikes: Sie verbilligten sich im Schnitt ebenfalls um vier Prozent auf 2.550 Euro. Konventionelle Fahrräder blieben dagegen mit durchschnittlich 500 Euro preislich unverändert.

Die schwächere Dynamik im E-Bike-Segment trifft den deutschen Markt besonders stark. Insgesamt wurden 2025 rund 3,7 Millionen Fahrräder verkauft – ein Minus von vier Prozent. Der Gesamtumsatz sank der Analyse zufolge um knapp acht Prozent auf 5,85 Milliarden Euro. Hauptgrund war das deutlich rückläufige Geschäft mit E-Bikes. In Spanien und Österreich entwickelte sich die Branche dagegen günstiger, dort legten die Umsätze spürbar zu.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen