Paketautomaten in Deutschland wachsen rasant
Wer in Deutschland ein Paket verschicken, abholen oder retournieren möchte, kann dafür immer häufiger Automaten nutzen. Nach einer Marktstudie des Logistikverbandes BPEX gab es im vergangenen Jahr bundesweit rund 23.000 Paketautomaten mit 1,9 Millionen Fächern.
Den größten Anteil hat weiterhin DHL: Der Marktführer betreibt nach eigenen Angaben aktuell etwa 18.000 Stationen – rund 3.000 mehr als zu Beginn des Jahres 2025. Bis 2030 soll die Zahl auf 30.000 steigen. Auch Amazon und weitere Unternehmen bieten Automaten zur Paketabholung an.
Auch andere Anbieter bauen ihre Netze deutlich aus. Der österreichische Betreiber Myflexbox, über dessen Anlagen Sendungen von DPD, GLS, FedEx und UPS abgewickelt werden, ist inzwischen an 1.416 Standorten in Deutschland vertreten. Vor einem Jahr waren es erst 602. Vor allem in größeren Städten wird es jedoch zunehmend schwieriger, geeignete Flächen für neue Anlagen zu finden.
Boomender Paketmarkt
Hinter dem Ausbau steht der anhaltende Boom im Onlinehandel. Weil Verbraucher immer mehr Waren im Internet bestellen, steigt die Zahl der verschickten Pakete seit Jahren. Im vergangenen Jahr legte das Sendungsvolumen in Deutschland um 2,6 Prozent auf rund 3,8 Milliarden Pakete zu. In den Corona-Jahren 2020 und 2021 waren die Zuwächse mit jeweils 12 Prozent allerdings noch deutlich stärker, danach normalisierte sich die Entwicklung.
Nachteile der Haustürzustellung
Um Sendungen nicht in jedem Fall bis an die Wohnungstür bringen zu müssen, setzen Paketdienste verstärkt auf sogenannte Out-of-Home-Lösungen. Dazu zählen Paketshops ebenso wie Automaten, an denen Sendungen abgeholt, aufgegeben oder retourniert werden können.
Für die Logistikfirmen ist die klassische Haustürzustellung teuer und zeitaufwendig. Zusteller müssen klingeln, warten und verlieren wertvolle Zeit, wenn niemand zu Hause ist. Automaten sind aus Sicht der Branche effizienter, weil viele Pakete in einem Schritt eingeliefert werden können und die Empfänger sie später selbst abholen.
Bislang ist der Anteil dieser Alternativen am gesamten Paketmarkt allerdings noch überschaubar. Laut BPEX-Studie lag der Out-of-Home-Anteil im vergangenen Jahr bei nur 14 Prozent. Innerhalb von drei Jahren ist das lediglich ein Plus von einem Prozentpunkt. Noch immer werden 86 Prozent der Pakete direkt an die Haustür geliefert. Aus Branchensicht wird das Angebot von Verbrauchern bislang also noch nicht stark genug genutzt.
Starke Expansion der Anbieter
DHL setzt vor allem auf eigene Systeme wie Packstationen und Poststationen. Letztere bieten zusätzlich Funktionen wie den Kauf von Briefmarken oder das Einwerfen von Briefen. Darüber hinaus gehört zu DHL die Tochter Deinfach, deren Automaten auch von anderen Paketdiensten gegen Gebühr genutzt werden können.
Myflexbox verfolgt dagegen ein offenes Modell ohne Bindung an einen einzelnen Paketdienst. Das Unternehmen gehört britischen Finanzinvestoren und wächst in Deutschland rasant: Vor zwei Jahren gab es hier erst 244 Standorte, inzwischen sind es fast sechsmal so viele. In Österreich betreibt Myflexbox mittlerweile rund 900 Automatenstandorte.
Ziel: näher an den Alltag der Menschen
Automaten stehen bislang vor allem in Städten, doch auch in kleineren Kommunen und ländlichen Regionen wird das Netz zunehmend ausgebaut. Nach Worten von Myflexbox-Chef Jonathan Grothaus sollen die Anlagen dort stehen, wo Menschen ohnehin täglich vorbeikommen – etwa an Supermärkten, in Wohnquartieren, an Tankstellen, Bahnhöfen, Bürostandorten oder in Einkaufszentren.
Grothaus bezeichnet die klassische Haustürzustellung als den teuersten und ineffizientesten Teil der Lieferkette. Automaten würden die Kosten pro Stopp deutlich senken. Außerdem entfielen klimaschädliche Zusatzfahrten, wenn Zusteller vergeblich klingeln und niemand anzutreffen ist.
Auch DHL rechnet damit, dass die Nachfrage nach Out-of-Home-Angeboten in den kommenden Jahren weiter zunimmt. DHL-Manager Holger Bartels verweist auf die Vorteile: Automaten seien rund um die Uhr nutzbar, gut erreichbar und einfach zu bedienen. Mit dem weiteren Ausbau werde zudem der durchschnittliche Weg zum nächsten Automaten kürzer.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber