DIW: Ölversorgung in Deutschland und Europa bleibt trotz Preissprung stabil
Trotz des deutlichen Anstiegs der Ölpreise infolge der jüngsten Zuspitzung im Krieg mit Iran geht das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) derzeit nicht von Engpässen bei der Versorgung in Deutschland und Europa aus. Nach Angaben der DIW-Ökonomin Franziska Holz ist die Belieferung mit Rohöl sowie Mineralölprodukten wie Benzin und Diesel weiterhin gesichert. Problematischer sei derzeit allerdings die Versorgung mit Kerosin.
Holz betonte, dass Deutschland und die europäischen Staaten ihr Öl aus einer Vielzahl unterschiedlicher Herkunftsländer beziehen. Deshalb sei ein umfassender Ausfall von Lieferungen momentan nicht zu erwarten.
Mit Blick auf den anhaltenden Konflikt im Persischen Golf und rund um die Straße von Hormus rechnet die Expertin jedoch vorerst nicht mit sinkenden Ölpreisen. Zwar hätten Importe von Rohöl, Benzin und Diesel aus dieser Region für Europa schon vor den aktuellen Lieferunterbrechungen nur eine vergleichsweise geringe Bedeutung gehabt. Wegen der weltweiten Verflechtung des Ölmarktes wirkten sich die hohen Preise aber dennoch auch in Deutschland aus.
Nach Einschätzung des DIW stehen dem globalen Ölmarkt derzeit insgesamt fast 20 Prozent weniger Mengen zur Verfügung als noch vor Kriegsbeginn. Vor diesem Hintergrund sei es wichtig, auch in Deutschland und Europa Kraftstoffe wie Benzin und Diesel einzusparen.
Brent-Öl zuletzt deutlich teurer
Der Preis für Brent-Rohöl, die in Europa wichtige Referenzsorte, war am Donnerstag auf 100 US-Dollar pro Barrel mit 159 Litern gestiegen. Am Freitag notierte Nordseeöl mit 100,33 Dollar je Barrel weiterhin über dieser Marke.
Neue Spannungen waren zu Monatsbeginn aufgekommen, nachdem iranische Streitkräfte Handelsschiffe in der Straße von Hormus unter Beschuss genommen hatten. Die USA reagierten darauf inzwischen bereits in der 13. Nacht in Folge mit Gegenangriffen. Seitdem hat sich der Brent-Preis um mehr als 40 Prozent erhöht. Zuvor war er nach einer Waffenruhe zwischen den USA und Iran zwischenzeitlich vom Jahreshoch von knapp 130 Dollar auf etwa 70 Dollar gefallen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber