Iran

Angriff im Jemen: Droht jetzt die große Eskalation?

Öltanker unter Beschuss, die Angst vor einem Flächenbrand wächst: Zündet der Iran-Konflikt jetzt – und was plant Trump?

25.07.2026, 04:20 Uhr

Lage im Roten Meer verschärft sich weiter

Der Konflikt um die Straße von Hormus greift zunehmend auch auf das Rote Meer über. Nach neuen Luftangriffen der von Saudi-Arabien geführten Militärkoalition im Jemen drohte die vom Iran unterstützte Huthi-Miliz dem Nachbarland mit Vergeltung. Angriffe auf zivile Ziele würden „nicht ungestraft bleiben“, hieß es laut der von den Huthi kontrollierten Nachrichtenagentur Saba auf Telegram. Die Botschaft der Miliz sei eindeutig: Auf Eskalation folge Eskalation.

Nach Angaben des iranischen Senders Press TV kam es in der Nacht bereits zu Gegenangriffen der Huthi in mehreren Regionen Saudi-Arabiens. Demnach wurden unter anderem Explosionen in der Hafenstadt Yanbu gemeldet, auch die Küstenstadt Dschisan soll mit Raketen beschossen worden sein. Der saudische Zivilschutz erklärte wenig später auf X, die Gefahr in Yanbu sei vorüber.

Später sagte ein Militärsprecher der Huthi zudem, Anlagen des staatlichen Ölkonzerns Saudi Aramco in Dschisan und Yanbu seien mit Dutzenden Raketen und Drohnen attackiert worden. Unabhängig überprüfen ließen sich diese Angaben zunächst nicht.

Neue Front im Nahost-Konflikt

Die jüngste Zuspitzung eröffnet eine weitere Front in dem Kriegsgeschehen im Nahen Osten, das sich seit Beginn der US-israelischen Angriffe auf den Iran Ende Februar ausgeweitet hat. Neben der Blockade der Straße von Hormus durch Teheran rückt nun auch das Rote Meer stärker in den Fokus.

Auslöser der neuen saudischen Angriffe war ein weiterer Beschuss eines unter saudischer Flagge fahrenden Schiffes im Roten Meer. Koalitionssprecher Turki al-Maliki erklärte auf X, bombardiert worden seien aus Sicht der Allianz „legitime militärische Ziele“ der Huthi in der Provinz Hudaida.

Angriffe bei Hudaida gemeldet

Huthi-nahe Medien berichteten zuvor über Luftangriffe in der Hafenstadt Hudaida. Getroffen worden seien demnach Einrichtungen der staatlichen Telekommunikationsgesellschaft sowie die Insel Kamaran. Teilweise war auch von Angriffen auf den Hafen die Rede, was Al-Maliki zurückwies.

Anwohner berichteten der Deutschen Presse-Agentur jedoch von mehreren Explosionen und Luftschlägen im Umfeld des Hafens. Demnach stiegen Flammen und dichte Rauchwolken auf. Ein Huthi-naher Fernsehsender sprach von einer „saudi-arabischen Aggression“.

Wieder Angriff auf ein Schiff im Roten Meer

Zuvor war im Roten Meer erneut ein unter saudischer Flagge fahrendes Schiff attackiert worden. Nach Angaben der staatlichen saudischen Nachrichtenagentur SPA wurde der Rumpf der „NCC Masa“ leicht beschädigt. Bereits in der Nacht zum Donnerstag war der saudische Öltanker „Encelia“ angegriffen worden. Die schiitischen Huthi bekannten sich zu zwei Attacken auf Tanker des Königreichs.

Die saudisch geführte Koalition wirft der Miliz deshalb „maritimen Terrorismus“ vor. Der Konflikt zwischen Saudi-Arabien und den Huthi hatte sich zuletzt wieder deutlich verschärft. Am Montag kündigte die Miliz eine „Blockade“ für saudische Schiffe an – rund eine Woche nach einer neuen militärischen Konfrontation mit dem Nachbarland, mit dem sie seit mehr als zehn Jahren Krieg führt. Zum jüngsten Angriff auf ein Schiff äußerten sich die Huthi zunächst nicht.

Bab al-Mandab als zweiter neuralgischer Seeweg

Mit Angriffen auf Schiffe und der angedrohten Blockade saudischer Öllieferungen durch das Rote Meer wollen die Huthi offenbar einen zweiten strategischen Seeweg faktisch lahmlegen: die Meerenge Bab al-Mandab. Sie verbindet das Rote Meer mit dem Golf von Aden und dem Indischen Ozean und gehört neben der Straße von Hormus zu den wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt.

Während Hormus im Osten der Arabischen Halbinsel liegt und dort im Zusammenhang mit dem Iran-Krieg immer wieder Tanker und Handelsschiffe ins Visier geraten, befindet sich Bab al-Mandab im Westen der Halbinsel. Über diese Passage verläuft die Route von Asien durch den Suezkanal nach Europa. Auch als Ausweichstrecke für saudische Ölexporte hat sie zuletzt an Bedeutung gewonnen.

Sorge vor einer Ausweitung des Iran-Kriegs

Die Huthi kontrollieren vor allem den Norden des Jemen sowie weite Teile der westlichen Küste am Roten Meer. Von dort aus können sie mit Raketen, Drohnen und Marschflugkörpern Schiffe in der Meerenge Bab al-Mandab angreifen. Entsprechend wächst die Sorge, dass die Miliz bei einer weiteren Eskalation zwischen Washington und Teheran den Schiffsverkehr in Richtung Suezkanal massiv stören oder sogar zum Erliegen bringen könnte.

Anfang des Monats hatten die Huthi Saudi-Arabien beschuldigt, den Flughafen der Hauptstadt Sanaa angegriffen zu haben, um die Landung eines iranischen Flugzeugs zu verhindern. Saudi-Arabien erklärte seinerseits, die Miliz habe später das Königreich attackiert. Es waren die ersten größeren Kämpfe zwischen beiden Seiten seit Inkrafttreten der Waffenruhe im Jahr 2022.

Politische Lösung weiter nicht in Sicht

Die Huthi hatten 2014 schrittweise den Norden und weitere Regionen des Jemen unter ihre Kontrolle gebracht und das ohnehin arme Land in einen Bürgerkrieg gestürzt. Saudi-Arabien bekämpft die Miliz gemeinsam mit der international anerkannten Regierung des Jemen. Alle bisherigen Bemühungen um eine politische Lösung blieben erfolglos.

Sollte es erneut zu größeren Kämpfen zwischen Saudi-Arabien und den Huthi kommen, könnte sich der Iran-Krieg auch auf saudisches Staatsgebiet ausdehnen. Damit stiege zugleich das Risiko, dass Pakistan in den Konflikt hineingezogen wird. Das Land versucht bisher zu vermitteln, unterhält seit dem vergangenen Jahr aber auch ein Militärbündnis mit Saudi-Arabien.

Trump droht mit Vergeltung

US-Präsident Donald Trump hatte die Huthi und deren Verbündeten Iran am Donnerstag vor Konsequenzen für den Fall weiterer Angriffe auf Schiffe gewarnt. Auf Truth Social schrieb er, die USA würden Iran verantwortlich machen, weil die Huthi als dessen Stellvertreter agierten. Trump kündigte „schwere militärische Strafen gegen den Iran und natürlich auch gegen die Huthi selbst“ an.

Trump: USA weiter mit Iran im Gespräch

Einen Tag später erklärte Trump im Weißen Haus vor Journalisten, Washington sei weiterhin mit Teheran im Gespräch. Ob dies direkt oder über Vermittler geschehe, ließ er offen. Man rede mit unterschiedlichen Personen, sagte er lediglich.

Nach einem Bericht des „Wall Street Journal“ ist Trump zuletzt zunehmend skeptisch geworden, ob Gespräche mit dem Iran zu einem dauerhaften Frieden führen können. Die Zeitung zitierte einen ranghohen Regierungsvertreter mit der Einschätzung, Trump glaube, dass der Iran vor allem militärische Stärke verstehe. Aus Sicht des Präsidenten gebe es kaum bessere Optionen als die Fortsetzung der Luftangriffe.

Die USA hatten gemeinsam mit Israel Ende Februar den Krieg begonnen. Im Verlauf des Konflikts traten jedoch deutliche Spannungen zwischen den Verbündeten zutage. Für Dienstag wird Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu im Weißen Haus erwartet.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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