Paramount stoppt Warner-Übernahme vorerst nach Klagen
Paramount hat den geplanten Kauf von Warner Bros. Discovery zunächst auf Eis gelegt. Auslöser sind wettbewerbsrechtliche Klagen aus zwölf US-Bundesstaaten sowie von der Gewerkschaft der Drehbuchautorinnen und -autoren. Nach Gerichtsunterlagen soll der mehr als 100 Milliarden Dollar schwere Deal erst nach einer gerichtlichen Entscheidung über die Klagen oder spätestens zum 1. Juni 2027 weiterverfolgt werden.
Der Fall sorgt auch politisch für Aufmerksamkeit. Kritiker von US-Präsident Donald Trump befürchten, dass der zu Warner gehörende Nachrichtensender CNN unter einem Paramount-Dach an journalistischer Unabhängigkeit einbüßen könnte.
Eine Richterin hatte die Transaktion zunächst bis Mitte August ausgesetzt, um über den Antrag der demokratisch regierten Bundesstaaten und der Autorengewerkschaft auf eine einstweilige Verfügung zu beraten. Dabei ließ sie erkennen, dass sie die wettbewerbsrechtlichen Einwände nicht auf die leichte Schulter nimmt. Durch die jetzige Aussetzung ist der Eilantrag vorerst überholt. Die getrennt eingereichten Klagen wurden inzwischen in einem gemeinsamen Verfahren gebündelt.
Ab Oktober drohen hohe Zusatzkosten
Für Paramount könnte die Verzögerung teuer werden. Um die Zustimmung der Warner-Aktionäre zu sichern, hatte das Unternehmen zusätzliche Zahlungen zugesagt: für jedes Quartal nach dem 30. September bis zum Abschluss der Übernahme. Das dürfte Paramount rund 650 Millionen Dollar je Quartal kosten.
Besonders pikant ist, dass Paramount den Deal ursprünglich auch damit beworben hatte, wettbewerbsrechtlich deutlich weniger problematisch zu sein als ein Kauf durch den Streaminganbieter Netflix, der am Ende leer ausging. Als Zieltermin für den Vollzug hatten Warner und Paramount den 4. Juni des kommenden Jahres festgelegt. Sollte die Übernahme endgültig scheitern, ist eine Vertragsstrafe von sieben Milliarden Dollar vereinbart.
Trump-nahes Lager setzte sich gegen Netflix durch
Hinter Paramount steht die Familie des Software-Milliardärs Larry Ellison, der als Trump-Unterstützer gilt. Warner hatte zunächst im vergangenen Jahr den Verkauf seines Streaming- und Studiobereichs an Netflix beschlossen. Paramount legte jedoch nach und bot mehr — diesmal für den gesamten Konzern Warner Bros. Discovery, einschließlich Fernsehsendern wie CNN. Das Volumen des Geschäfts liegt nun bei rund 111 Milliarden Dollar, umgerechnet derzeit etwa 98 Milliarden Euro.
Trump-Kritiker verweisen darauf, dass CBS, das zu Paramount gehört, nach der Übernahme durch die Ellison-Familie einen regierungsfreundlicheren Kurs eingeschlagen habe. Trump selbst hatte mehrfach betont, dass ihm bei einem Warner-Deal besonders wichtig sei, dass auch CNN den Eigentümer wechselt. Bei CNN kommen regelmäßig Gegner seiner Politik zu Wort, zudem werden Aussagen des Präsidenten oft einem Faktencheck unterzogen.
Bundesstaaten warnen vor Marktmacht im Kinogeschäft
In ihren Klagen konzentrieren sich die Bundesstaaten nicht auf CNN, sondern auf mögliche Wettbewerbsnachteile. Sie argumentieren unter anderem, dass ein Zusammenschluss den Markt für erfolgreiche Kinofilme verzerren und damit Kinos unter Druck setzen könnte. Nach Einschätzung der Richterin konnten die Kläger zumindest plausibel machen, dass Paramount und Warner gemeinsam in diesem Bereich über einen erheblichen Marktanteil verfügen würden.
Entscheidend wird nun sein, ob sich die Bundesstaaten mit ihrer speziellen Marktdefinition durchsetzen können. Im Mittelpunkt steht dabei das Segment erwartbarer Blockbuster mit Einspielergebnissen von mehr als 100 Millionen Dollar. Genau solche Filme seien für viele Kinos essenziell, um wirtschaftlich überleben zu können, so die Kläger. Wenn ein einzelner Konzern dort zu viel Kontrolle gewinne, schade das nicht nur den Lichtspielhäusern, sondern letztlich auch dem Publikum. Paramount weist diese Abgrenzung als realitätsfern zurück.
Zustimmung aus Washington und Brüssel
Die US-Regierung hatte die milliardenschwere Übernahme bereits ohne Auflagen freigegeben. Das Justizministerium kam zu dem Schluss, dass der Zusammenschluss weder den Wettbewerb noch die Verbraucher in den USA beeinträchtige — weder im Fernseh- und Streamingmarkt noch bei der Filmproduktion.
Auch die EU-Kommission genehmigte die Transaktion, knüpfte ihr Okay jedoch an eine Bedingung: Paramount muss sich aus dem gemeinsamen Vertrieb von Kinofilmen in Europa mit Universal Pictures zurückziehen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber