Wirtschaft

Deutschland jubelt: Reallöhne steigen

Mehr Geld trotz Inflation: Für viele Beschäftigte steigt der Reallohn. Doch ein überraschender Haken aus den Krisenjahren bleibt.

27.08.2026, 08:53 Uhr

Die Reallöhne in Deutschland haben auch im zweiten Quartal 2026 erneut stärker zugelegt als die Verbraucherpreise. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts verfügten Beschäftigte über 1,5 Prozent mehr Kaufkraft als ein Jahr zuvor. Im ersten Quartal hatte das Plus noch 1,8 Prozent betragen. Einen Rückgang der Reallöhne hatte die Behörde zuletzt zu Beginn des Jahres 2023 festgestellt.

Malte Lübker vom WSI-Tarifarchiv der Hans-Böckler-Stiftung bewertete die Entwicklung grundsätzlich positiv. Wachsende Reallöhne seien nicht nur für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer wichtig, sondern auch für die Konjunktur. Zugleich verwies er darauf, dass der Vergleich mit dem Vorjahresquartal die teils massiven Kaufkraftverluste aus der Phase hoher Inflation nur unvollständig abbilde. Verglichen mit dem zweiten Quartal 2019, also der Zeit vor mehreren Krisen, lagen die Reallöhne lediglich um 0,6 Prozent höher.

Der private Konsum, der in wirtschaftlich guten Zeiten eine wichtige Stütze der Binnenkonjunktur ist, zeigt sich seit Monaten schwach. Gleichzeitig gibt es laut der jüngsten Konsumklimastudie von NIM und GfK positive Signale: Die Kauflaune in Deutschland habe sich wegen deutlich gestiegener Einkommenserwartungen verbessert.

Anstieg der Reallöhne schwächt sich ab

Von April bis Juni 2026 erhöhten sich die Nominallöhne laut Statistikamt um 4,1 Prozent, während die Verbraucherpreise um 2,5 Prozent anzogen.

Nach Einschätzung von Dominik Groll vom Kiel Institut für Weltwirtschaft dürfte die Inflation im laufenden dritten Quartal allerdings höher ausfallen als im Vorquartal, während sich der Anstieg der Nominallöhne abschwächt. Vor diesem Hintergrund dürften die Reallöhne voraussichtlich erneut langsamer wachsen.

Deutliche Unterschiede zwischen den Branchen

Besonders kräftig stiegen die Nominallöhne im zweiten Quartal in der Land- und Forstwirtschaft sowie Fischerei mit 8,9 Prozent. Es folgten die Energieversorgung mit 7,6 Prozent sowie die Finanz- und Versicherungswirtschaft mit 7,5 Prozent.

Weniger stark fiel das Plus dagegen in Kunst und Unterhaltung mit 3,4 Prozent, in Erziehung und Unterricht mit 2,4 Prozent sowie bei freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen mit 1,8 Prozent aus.

Mindestlohn stützt vor allem niedrige Einkommen

Von der Anhebung des gesetzlichen Mindestlohns auf 13,90 Euro je Stunde zu Jahresbeginn profitierten vor allem Beschäftigte mit geringem Einkommen. Das unterste Fünftel der Vollzeitbeschäftigten erzielte laut Bundesamt mit durchschnittlich 6,7 Prozent die höchsten Verdienstzuwächse. Beim obersten Einkommensfünftel lag der Anstieg der Nominallöhne dagegen bei 3,3 Prozent.

Auch Auszubildende verdienten im zweiten Quartal mit 6,0 Prozent spürbar mehr als im Vorjahreszeitraum. Geringfügig Beschäftigte kamen auf ein Plus von 4,7 Prozent.

Der gesetzliche Mindestlohn war zum 1. Januar 2026 auf 13,90 Euro brutto pro Stunde angehoben worden. Für 2027 ist eine weitere Erhöhung auf 14,60 Euro vorgesehen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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