BND wirbt auf der Gamescom verstärkt um IT-Nachwuchs
Der Bundesnachrichtendienst baut seinen Auftritt auf der Gamescom weiter aus, um junge Menschen für IT-Berufe und weitere Aufgabenbereiche zu interessieren. Auf dem Messestand in Köln präsentierte die Behörde eine erweiterte Version ihres Computerspiels, das Einblicke in die Welt des Auslandsnachrichtendienstes geben soll. In „BND-Legenden: Operation Blackbox“ übernehmen Spieler die Rolle der Agentin AJ, die in virtuellen Szenarien geheime Einsätze absolviert.
Das Spiel war bereits im vergangenen Jahr auf der Gamescom gezeigt worden und wurde Ende 2025 auf der Plattform Steam veröffentlicht. Inzwischen gibt es mit „Data Extraction“ ein zusätzliches Level. Darin hat AJ sensible Daten erbeutet und muss diese aus feindlichem Gebiet herausschaffen. Gefordert sind dabei schnelle Reaktionen, Konzentration und das Erkennen von Mustern – wer nachlässt, verliert die Mission.
Neben dem Spiel können Besucher am Stand auch in kurzen Herausforderungen ihre Fähigkeiten im Hacking und Coding testen. Gleichzeitig besteht die Möglichkeit, direkt mit Mitarbeitenden des BND zu sprechen. Unter ihnen sind auch Vertreter aus dem Personalbereich. Geheimagenten aus laufenden Auslandseinsätzen wird man dort allerdings kaum antreffen.
Warum der BND auf eine Spielemesse setzt
Eine Sprecherin des Dienstes erklärte, man sei mit der Resonanz auf das Spiel zufrieden. Besonders positiv werde aufgenommen, dass sich der BND nicht nur als Behörde präsentiere, sondern den Messebesuchern auch ein interaktives Angebot mitbringe.

Aus Sicht des Nachrichtendienstes passt das Publikum der Gamescom gut zum eigenen Anforderungsprofil. Gamer seien häufig technikbegeistert, versetzten sich gern in andere Rollen und nähmen Herausforderungen in Form von Missionen an – Eigenschaften, die aus Sicht des BND auch zur Arbeit des Dienstes passten.
Wie viele andere Behörden sucht auch der BND Nachwuchskräfte und will insbesondere junge Menschen für seine Aufgaben gewinnen. Vor allem im IT-Bereich rechnet die Behörde mit wachsendem Bedarf, etwa bei Softwareentwicklung und Anwendungen rund um Künstliche Intelligenz. Nach eigenen Angaben beschäftigt der BND etwa 6.800 Menschen. Hauptsitze sind Berlin sowie ein weiterer großer Standort in Pullach bei München.
Reform soll dem Dienst neue Möglichkeiten geben
Nach Angaben der Sprecherin würden neue Bewerber in eine Behörde einsteigen, die sich gerade verändert. Hintergrund ist die jüngst angestoßene Reform des BND-Gesetzes. Diese soll dem Dienst zusätzliche Befugnisse bei der Abwehr von Terrorismus sowie bei der Aufklärung ausländischer Geheimdienstaktivitäten verschaffen. Erstmals soll der BND dabei auch aktiv eingreifen dürfen, etwa im Fall staatlich gesteuerter Hackerangriffe.
Welchen konkreten Beitrag das Spiel bislang zur Personalgewinnung geleistet hat, bleibt jedoch offen. Der BND erhebt nach eigenen Angaben nicht, welche privaten Hobbys Beschäftigte haben oder ob ihr Interesse durch das Spiel entstanden ist. Möglich sei aber eine indirekte Wirkung: Besucher sprechen über den Auftritt auf der Gamescom, wodurch der BND auch bei Menschen ins Gespräch kommt, die gar nicht selbst auf der Messe waren.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber