O2 Telefónica baut in Deutschland Stellen ab
O2 Telefónica plant in Deutschland einen deutlichen Personalabbau. Wie das Unternehmen in München mitteilte, soll die Zahl der Vollzeitstellen bis Ende dieses Jahres um bis zu 1.100 sinken. Damit würde etwa jede sechste Stelle wegfallen. Zum Jahresbeginn beziehungsweise im Januar hatte die Deutschland-Tochter des spanischen Telefónica-Konzerns 6.820 Vollzeitkräfte beschäftigt.
Für die Beschäftigten sollen Abfindungen und weitere Angebote bereitstehen, um einen freiwilligen Austritt zu ermöglichen.
Weniger eigene O2-Shops
Auch im Filialnetz sind Einschnitte vorgesehen. Von derzeit rund 800 O2-Shops sollen bis zum Jahresende 60 wegfallen. Betroffen sind ausschließlich unternehmenseigene Standorte, nicht jedoch Geschäfte von Franchise-Partnern.
Für den Umbau kalkuliert der Konzern mit Kosten von rund 265 Millionen Euro. Dafür werden entsprechende Rückstellungen gebildet.
Konzern setzt auf Vereinfachung und KI
Deutschlandchef Santiago Argelich Hesse erklärte, mit dem Programm wolle das Unternehmen seine Wettbewerbsfähigkeit und die langfristige Zukunft absichern. Geplant seien eine schlankere Organisation, die Bündelung von Aufgaben sowie ein stärkerer Einsatz von Künstlicher Intelligenz in zentralen Prozessen.
Weitere Sparrunde bis 2028 geplant
Die Einsparungen sollen im kommenden Jahr fortgesetzt werden. Nach Angaben des Unternehmens soll die Organisation bis 2028 schrittweise und bedarfsgerecht weiter verschlankt werden. Im Mittelpunkt der zweiten Phase stehen vor allem Callcenter und der Vertrieb. Dafür sollen zusätzlich Rückstellungen von bis zu 155 Millionen Euro gebildet werden.
Wenn beide Sparprogramme umgesetzt sind, will O2 Telefónica seine jährlichen Kosten ab 2028 um rund 185 Millionen Euro senken.
Verlust von 1&1 als Großkunde belastet das Geschäft
Hintergrund der Maßnahmen ist unter anderem der Verlust des wichtigsten Firmenkunden. 1&1 hatte über Jahre das O2-Mobilfunknetz genutzt und dafür Entgelte gezahlt. Inzwischen ist das Unternehmen mit seinen rund 12 Millionen Mobilfunkkundinnen und -kunden zu Vodafone gewechselt. Für O2 bedeutet das deutlich geringere Einnahmen.
Der langjährige Vorstandschef Markus Haas war Ende vergangenen Jahres ausgeschieden. Seit Anfang 2026 führt der Deutsch-Spanier Santiago Argelich Hesse das Unternehmen und soll den Konzern wieder auf Kurs bringen.
Beim Netzausbau hat O2 aufgeholt
Nach Zahlen der Bundesnetzagentur deckte O2 Telefónica im Dezember 88,6 Prozent der Fläche Deutschlands mit 4G und 76,2 Prozent mit 5G ab. Damit ist der Abstand zur Deutschen Telekom kleiner geworden.
Die Telekom kam demnach auf 92,5 Prozent Flächenabdeckung bei 4G und 87,9 Prozent bei 5G. Vodafone erreichte 91,7 Prozent mit 4G und 75,7 Prozent mit 5G.
Das Kerngeschäft von O2 Telefónica bleibt der Mobilfunk. Zwar bietet das Unternehmen auch Festnetz-Internetverträge an, nutzt dafür aber die Netzinfrastruktur anderer Anbieter. Dieses Segment spielt für O2 eher eine untergeordnete Rolle.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber