Chinas Konjunktur verliert im April an Tempo
Die chinesische Wirtschaft hat im April spürbar an Dynamik eingebüßt. Mehrere wichtige Indikatoren fielen schwächer aus als von Analysten erwartet, wie aus aktuellen Angaben der Statistikbehörde in Peking hervorgeht.
So erhöhten sich die Einzelhandelsumsätze gegenüber dem Vorjahresmonat lediglich um 0,2 Prozent. Im März hatte das Plus noch 1,7 Prozent betragen. Auch die Industrieproduktion schwächte sich ab: Sie wuchs im April um 4,1 Prozent, nachdem im Vormonat noch 5,7 Prozent erreicht worden waren.
Enttäuschend entwickelten sich zudem die Investitionen. Die Anlageinvestitionen lagen in den ersten vier Monaten des Jahres 1,6 Prozent unter dem Niveau des Vorjahreszeitraums. Im ersten Quartal war hier noch ein Zuwachs von 1,7 Prozent verzeichnet worden.
Nach Angaben des Statistikamts verwies Sprecher Fu Linghui auf die weiterhin vorhandene Widerstandskraft der chinesischen Wirtschaft. Gleichzeitig nannte er mehrere Belastungsfaktoren, darunter den anhaltenden geopolitischen Konflikt im Nahen Osten, stärkere Schwankungen an den internationalen Energiemärkten und Probleme in den globalen Lieferketten. Zudem gebe es zahlreiche Unsicherheiten von außen. Für Unternehmen seien die Kosten gestiegen, einige Betriebe stünden weiter unter erheblichem Druck.
Schwache Nachfrage im Inland als zentrales Problem
Zu Jahresbeginn hatte sich Chinas Wirtschaft noch robust gezeigt. Im ersten Quartal wuchs das Bruttoinlandsprodukt um 5,0 Prozent und bewegte sich damit am oberen Rand des offiziellen Jahresziels von 4,5 bis 5,0 Prozent. Auch die Ausfuhren hatten sich trotz des Kriegs mit Iran und gestiegener Energiepreise überraschend stabil entwickelt.
Aus Sicht vieler Ökonomen ist derzeit vor allem die verhaltene Binnennachfrage das größte Risiko. Sollte der Konflikt im Nahen Osten länger andauern und die Weltwirtschaft zusätzlich belasten, dürfte auch China stärker unter Druck geraten. Das Land ist in hohem Maß vom Export abhängig. Wenn die Nachfrage aus dem Ausland nachlässt, könnte eine wichtige Stütze der chinesischen Wirtschaft wegbrechen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion