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ESC nächstes Jahr: Das ändert jetzt alles

„Bangaranga!“ Nach Wien 2026 könnte der ESC 2027 plötzlich in Sofia landen – und vieles daran ist jetzt schon brisant.

18.05.2026, 06:55 Uhr

Nach Bulgariens erstem Triumph beim Eurovision Song Contest und dem erneut enttäuschenden Abschneiden Deutschlands richtet sich der Blick bereits auf den 71. ESC im Jahr 2027. Einige Entwicklungen und offene Fragen lassen sich schon jetzt benennen.

Wie reagiert Bulgarien auf den überraschenden Sieg?

Für Bulgarien ist der Erfolg ein historischer Moment: Das Land hat den ESC zum ersten Mal gewonnen. Dabei gehört es erst seit rund zwei Jahrzehnten zu den regelmäßigen Teilnehmern und schied oft schon vor dem Finale aus. Zwischen 2023 und 2025 legte Bulgarien wegen finanzieller Probleme und politischer Instabilität mit mehreren Neuwahlen sogar eine Pause ein.

Regierungschef Rumen Radew wertete den Sieg von Dara mit „Bangaranga“ auf Facebook als Beleg dafür, dass Bulgarien den Wettbewerb gewinnen kann. Zugleich kündigte er an, Europa und die Welt 2027 in Bulgarien empfangen zu wollen. Auch Dara selbst stellte laut bulgarischen Medien klar, dass man sich nun auf einen ESC in Sofia vorbereiten müsse.

Als wahrscheinlicher Austragungsort gilt die Arena 8888 in Sofia, benannt nach einer Gaming-Plattform und die größte Halle der bulgarischen Hauptstadt. Die 2011 eröffnete Mehrzweckarena wird für Sportveranstaltungen und große Konzerte genutzt. Dort fand bereits der Junior-ESC statt, außerdem traten Stars wie Lady Gaga, Jennifer Lopez, Eros Ramazzotti und die Red Hot Chili Peppers auf.

Die Halle liegt im Osten Sofias auf dem Weg zum internationalen Flughafen und bietet je nach Aufbau etwa 13.000 bis 15.000 Plätze. Damit bewegt sie sich in einer ähnlichen Größenordnung wie die Wiener Stadthalle mit ihren rund 16.000 Plätzen, die für den ESC allerdings so umgebaut worden war, dass rund 10.000 Menschen Shows und Proben verfolgen konnten.

Wie ist die Stimmung gegenüber dem ESC in Bulgarien?

In Bulgarien ist der Wettbewerb umstritten. Das südosteuropäische EU-Land, das seit 2026 zur Euro-Zone gehört, erlebt den ESC teils als Symbol europäischer Zugehörigkeit. Vor allem proeuropäische Fans sehen die Teilnahme nicht nur als Musikshow, sondern auch als Zeichen dafür, dass Bulgarien fest zu Europa gehört.

Kritiker betrachten den ESC dagegen eher als kommerzielle, exzentrische Inszenierung, mit der aus ihrer Sicht auch queere und LGBT-Themen transportiert werden. Entsprechend wird der Wettbewerb von manchen als politisch aufgeladener Contest wahrgenommen.

Hinzu kommt die wirtschaftliche Debatte: Bulgarien zählt weiterhin zu den ärmeren EU-Staaten. Deshalb wird auch diskutiert, was es bedeutet, wenn ein teures und glamouröses Großereignis wie der ESC in einem vergleichsweise finanzschwachen Land ausgerichtet werden soll.

Wie dürfte der nun innerhalb der ARD zuständige SWR vorgehen?

Nach dem aus deutscher Sicht enttäuschenden 70. ESC-Finale dankte ARD-Programmdirektorin Christine Strobl dem SWR für die Umsetzung des Jubiläumsjahres. Der Sender habe das Ereignis mit großem Engagement, Kreativität und einer eindrucksvollen Inszenierung über verschiedene Kanäle hinweg zu einem echten „Lagerfeuermoment“ gemacht. Der ESC bleibe kulturell wie gesellschaftlich relevant und zeige die verbindende Kraft öffentlich-rechtlicher Unterhaltung.

SWR-Programmdirektor Clemens Bratzler erklärte, man habe sowohl eingeschworene ESC-Fans als auch ein breites Publikum erreicht. Daran wolle man weiterarbeiten, damit der Wettbewerb in Deutschland viele Millionen Menschen verbinde und erneut große Fernsehmomente schaffe.

Was könnte der SWR für den ESC 2027 anders versuchen?

Bratzler hatte bereits betont, dass der überraschende bulgarische Sieg zeige, wie wenig sich Erfolg beim ESC planen lasse. An der deutschen Linie, den Act per TV-Publikumsentscheidung auszuwählen, sehe man zunächst keinen zwingenden Änderungsbedarf. Eine interne Auswahl durch den Sender sei aber weiterhin nicht ausgeschlossen.

Tatsächlich gibt es unter Fans und Beobachtern Befürworter eines solchen Modells. Der ESC-Experte Lukas Heinser verwies darauf, dass Siege wie die von JJ und Nemo gezeigt hätten, dass eine Entscheidung ohne nationales Publikumsvoting mindestens ebenso gut funktionieren könne wie ein öffentlicher Vorentscheid. Entscheidend sei schließlich nicht in erster Linie, das heimische Publikum zu überzeugen, sondern die Zuschauer im übrigen Europa.

Auch Hape Kerkeling formulierte in der Doku „70 Jahre ESC – More than Music“ seine Theorie für einen möglichen deutschen Sieg. Da Deutschland nur selten auf sichere Nachbarschaftspunkte zählen könne und humorvolle Beiträge aus Deutschland oft nicht zündeten, müsse das Land vor allem eines schaffen: ehrlich zu berühren. Deutschland könne, so Kerkeling sinngemäß, am ehesten mit unschuldiger Emotionalität punkten.

Bei Nicole und Lena habe genau das funktioniert. Ein ähnlicher Ansatz könnte aus seiner Sicht erneut erfolgreich sein — vorausgesetzt, die Auswahl erfolgt mit Kenntnis der ESC-Geschichte und einem guten Gespür für die Mechanismen des Wettbewerbs.

Wie entwickelt sich die Debatte um Israels Teilnahme?

Auch die Auseinandersetzung um Israel dürfte den ESC weiter begleiten. Spanien, die Niederlande, Irland, Slowenien und Island boykottierten den Wettbewerb in diesem Jahr, weil sie Israels Vorgehen im Gazastreifen verurteilten. Ob diese Länder 2027 zurückkehren, ist derzeit offen.

Damit bleibt die Lage im Kern ähnlich wie im Vorjahr: Israel wurde erneut Zweiter, und eine Lösung des Nahostkonflikts ist weiterhin nicht in Sicht.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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