Wirtschaft

Bruch beim Autopilot: VW und Bosch stoppen Allianz

Hände weg vom Lenkrad? VW und Bosch ziehen bei autonomen Fahrfunktionen überraschend den Stecker – was jetzt dahintersteckt.

01.07.2026, 16:47 Uhr

Volkswagen und Bosch beenden Zusammenarbeit beim automatisierten Fahren

Volkswagen und der Zulieferer Bosch stellen ihre Kooperation bei automatisierten Fahrfunktionen ein. Wie beide Unternehmen mitteilten, ist die gemeinsame Entwicklung von assistierten und automatisierten Systemen innerhalb der „Automated Driving Alliance“ beendet. Auf Seiten von VW war die Konzerntochter Cariad beteiligt.

Zuvor hatte die Bild über das bevorstehende Ende des Projekts berichtet. Dem Bericht zufolge zog Volkswagen die Konsequenzen aus zu langsamen Fortschritten. Obwohl bereits rund 1,5 Milliarden Euro investiert worden seien, habe die Technologie nicht das gewünschte Wettbewerbsniveau erreicht. Künftig will VW Hard- und Software für automatisiertes Fahren demnach stärker von externen Partnern beziehen, statt alles selbst zu entwickeln.

Schluss nach viereinhalb Jahren

Die Partnerschaft war 2022 unter dem damaligen Volkswagen-Chef Herbert Diess gestartet. Mehr als 1.000 Fachleute sollten gemeinsam an einer Software-Plattform für Fahrerassistenzsysteme arbeiten, die später auch anderen Herstellern angeboten werden könnte. Zunächst lag der Fokus auf Level 2-Systemen, bei denen der Mensch weiterhin die volle Verantwortung trägt. Später war ein Ausbau des Projekts geplant.

Dazu kommt es nun nicht mehr. Nach Angaben von VW wird die Zusammenarbeit bei Technologien für hochautomatisiertes Fahren auf Level 3 nicht fortgesetzt. In diesem Bereich könne der Fahrer zeitweise die Verantwortung abgeben. Cariad hatte bereits erklärt, dass sich vor allem in Europa Markt- und Technologiebedingungen anders entwickelt hätten als zu Beginn der Kooperation erwartet.

Cariad
Bei Cariad gab es in der Vergangenheit öfter Probleme. (Archivbild) Quelle: Sven Hoppe/Deutsche Presse-Agentur GmbH/dpa

Volkswagen halte jedoch an seinem Ziel fest, hochautomatisierte Fahrfunktionen nach Europa und Nordamerika zu bringen, erklärte Konzernchef Oliver Blume. Die Zusammenarbeit mit Bosch habe eine solide technologische Basis geschaffen. Nun wolle man darauf aufbauen und sich stärker auf Tempo, Skalierung und eine schnelle Umsetzung konzentrieren.

Der Schritt passt zum Strategiewechsel bei Cariad. Anders als früher setzt Blume nicht mehr darauf, sämtliche Software intern zu entwickeln, sondern arbeitet verstärkt mit Partnern und Zulieferern zusammen. Bei Cariad hatte es in den vergangenen Jahren wiederholt Verzögerungen gegeben, wodurch sich auch mehrere Fahrzeuganläufe verschoben.

Bereits entwickelte Technik soll genutzt werden

Ganz ohne Folgen für die Produkte bleibt das Projektende nicht, die bisher erarbeitete Technik soll aber dennoch eingesetzt werden. Sie lässt sich laut den Unternehmen in unterschiedliche Fahrzeugsegmente integrieren – vom Kleinwagen bis zum Premiumauto – und sowohl in Elektrofahrzeuge als auch in Verbrennermodelle.

Der erste Einsatz bei Volkswagen ist demnach für den ID.Every1 vorgesehen, dessen Serienstart für 2027 geplant ist. Das elektrische Einstiegsmodell, das rund 20.000 Euro kosten soll, wird in Portugal gebaut. Auch Bosch erklärte, bereits Bestellungen mehrerer Autohersteller für die entwickelten Systeme erhalten zu haben.

Kritik vom Betriebsrat

Bei der Cariad-Belegschaft stößt das Aus der Partnerschaft auf deutliche Kritik. Der Gesamtbetriebsrat bezeichnete moderne Fahrerassistenzsysteme als Schlüsseltechnologie für die Zukunft des Autos. Wer diese Entwicklung aus der Hand gebe, verliere zugleich Know-how, Wertschöpfung und langfristige Wettbewerbsfähigkeit.

Betriebsratschef Gerhard Retzer und seine Stellvertreterin Claudia Richter betonten, Zukunftstechnologien müssten bei Cariad und im Volkswagen-Konzern bleiben – und dürften nicht nach China, in die USA oder an externe Anbieter abgegeben werden. Ihr Argument: Know-how entsteht durch eigene Entwicklung, nicht durch Zukauf.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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