Baywa will Baywa r.e. zeitnah abgeben und den Rückzug aus dem Energiegeschäft ausweiten
Die hoch verschuldete Baywa AG steht offenbar kurz davor, ihr derzeit größtes Sorgenkind abzugeben. Die defizitäre Ökostromtochter Baywa r.e., einst als wichtiger Wachstumstreiber aufgebaut, soll nach Unternehmensangaben in Kürze an einen sogenannten Transformations-Gesellschafter verkauft oder übertragen werden. Details zur künftigen Eigentümerstruktur sollen laut einer Mitteilung von Baywa-r.e.-Chefsanierer Hans-Joachim Ziems an Führungskräfte „in wenigen Wochen“ bekanntgegeben werden. Bislang gehört Baywa r.e. der Baywa AG gemeinsam mit dem Schweizer Investor EIP. Ziems erklärte, damit werde der Umbau des Unternehmens schneller und in eigener Verantwortung vorangetrieben.
Schnelle Trennung soll der bessere Weg sein
Bei der Wortwahl gibt es zwischen Mutter und Tochter allerdings Unterschiede: Während die Baywa AG von einer Übertragung der Anteile spricht, ist in der internen Mitteilung von Ziems von einem Verkauf die Rede. Unabhängig davon deutet alles darauf hin, dass beide Seiten eine rasche Trennung für den sinnvolleren Weg halten.
Für die Muttergesellschaft hätte ein baldiger Schritt einen entscheidenden Vorteil: Die Verbindlichkeiten von Baywa r.e. müssten dann nicht mehr in der Konzernbilanz berücksichtigt werden. Nach monatelangen Verhandlungen hatten sich Vorstand, finanzierende Banken und die beiden Großaktionäre der Baywa AG am Dienstagabend grundsätzlich auf einen überarbeiteten Sanierungsplan verständigt. Das bisherige Konzept galt wegen der Schwierigkeiten bei Baywa r.e. seit dem Frühjahr als nicht mehr tragfähig.
Stefan Müller, Präsident des Genossenschaftsverbands Bayern, begrüßte die Einigung. Der Verband vertritt die bayerischen Volks- und Raiffeisenbanken, die über ihre Beteiligungsgesellschaft BRB größter Aktionär der Baywa sind. Die traditionsreiche Baywa, die aus der Genossenschaftsbewegung hervorgegangen ist, hat vor allem im Süden und Osten Deutschlands eine wichtige Funktion für Landwirtschaft und Lebensmittelversorgung. Auch Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger betonte, der Erhalt der Baywa mit ihrem Kerngeschäft sei für den Freistaat von zentraler Bedeutung.
Verkaufserlös deutlich unter früheren Erwartungen
Sowohl die Sanierung der Baywa AG als auch die Restrukturierung von Baywa r.e. dürften sich nun voraussichtlich um zwei Jahre verlängern und erst bis 2030 abgeschlossen sein. Ursprünglich war für den Verkauf von Baywa r.e. ein Erlös von rund 1,7 Milliarden Euro angepeilt worden. Nachdem das Management im Frühjahr seine Ergebnisziele jedoch massiv gesenkt und den Sanierungszeitraum verlängert hatte, rechnet der Baywa-Vorstand inzwischen nur noch mit etwa 900 Millionen Euro aus dem Verkauf des Anteils.
Hinzu kommt, dass nach Informationen aus dem Schreiben von Ziems sowohl die Baywa AG als auch EIP auf noch offene Forderungen gegenüber Baywa r.e. verzichten sollen.
Vom Hoffnungsträger zum Problemfall
Der Baywa-Konzern war 2009 unter dem damaligen Vorstandschef Klaus Josef Lutz mit großen Erwartungen in das Geschäft mit erneuerbaren Energien eingestiegen. Entwicklung und Betrieb von Solar- und Windparks sollten zu einem zweiten Standbein des zuvor stark auf den Agrarhandel ausgerichteten Münchner Konzerns werden.
In den Jahren 2023 und 2024 gerieten jedoch Muttergesellschaft und Tochter zugleich in schwere Turbulenzen. Die Baywa AG konnte die Zinslast ihrer Finanzschulden von mehr als fünf Milliarden Euro nicht mehr tragen, die im Zuge einer kreditfinanzierten Auslandsexpansion aufgebaut worden waren. Auch Baywa r.e. hatte ihr Wachstum stark über Darlehen finanziert. Zusätzlich belastete die US-Politik das Geschäft: Präsident Donald Trump kürzte Zuschüsse für den Ausbau erneuerbarer Energien in den USA, was die Perspektiven der Tochter deutlich verschlechterte. Immerhin geht deren Vorstand davon aus, dass Baywa r.e. bereits im kommenden Jahr operativ profitabel werden kann.
Baywa will sich auch von Heizöl und Pellets trennen
Neu am geänderten Sanierungsplan ist, dass sich die Baywa AG in den nächsten Jahren vollständig aus dem Energiegeschäft zurückziehen will. Neben dem Verkauf von Baywa r.e. soll 2029 auch der Bereich Wärme und Mobilität veräußert werden. Dazu zählen unter anderem Geschäfte mit Heizöl, Holzpellets sowie der Bau von Ladeparks.
Läuft die Sanierung wie geplant, würde die frühere internationale Expansion weitgehend rückabgewickelt. Die Baywa wäre am Ende wieder deutlich stärker auf Deutschland konzentriert. Künftig soll der Fokus nach den Worten von GVB-Präsident Müller klar auf Agrarhandel, Landtechnik und Baustoffen liegen. „Dieses Geschäftsmodell hat die Baywa über Jahrzehnte getragen und kann profitabel in die Zukunft geführt werden“, sagte er. Ende 2023 beschäftigte der Konzern weltweit mehr als 23.000 Menschen. Nach dem ursprünglichen Sanierungskonzept hätte die Belegschaft langfristig auf rund 8.000 Stellen sinken sollen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber