Wirtschaft

Mercedes spart radikal: Jetzt droht Protest

Mercedes dreht weiter an der Sparschraube: Geld später, mehr Arbeit fürs gleiche Gehalt? Jetzt wächst der Widerstand.

01.07.2026, 14:36 Uhr

IG Metall kündigt bundesweite Proteste bei Mercedes-Benz an

Die IG Metall mobilisiert Beschäftigte von Mercedes-Benz in ganz Deutschland gegen den verschärften Sparkurs des Autobauers. Für Freitag sind unter anderem Kundgebungen in Sindelfingen sowie in Untertürkheim in Stuttgart vorgesehen. Nach Angaben der Gewerkschaft sind außerdem Aktionen in Rastatt, Kuppenheim, Bremen, Berlin, Hamburg, Düsseldorf, Ludwigsfelde und Germersheim geplant.

Aus Sicht der IG Metall treffen die neuen Sparmaßnahmen vor allem die Belegschaft und rütteln an wichtigen tariflichen Standards.

Ein Sprecher von Mercedes-Benz erklärte, mögliche Unsicherheiten und Sorgen der Beschäftigten würden ernst genommen. Das Unternehmen lege Wert darauf, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter frühzeitig und transparent zu informieren, auch bei schwierigen Entscheidungen. Zudem respektiere man, dass sich der Betriebsrat zur angekündigten Produktivitätsoffensive äußere. Nach Unternehmensangaben hatte die Arbeitnehmervertretung Mercedes vorab über die Protestpläne informiert.

Vorstand informiert Belegschaft über weitere Einschnitte

In einem Schreiben an die Beschäftigten in Deutschland hatte der Vorstand Ende der vergangenen Woche erklärt, dass die Kosten weiterhin mit hoher Intensität gesenkt werden müssten, um bei den Produktpreisen wettbewerbsfähig zu bleiben. Die Lage in Deutschland wurde darin als dramatisch beschrieben.

Als erste Maßnahme wird bei rund 90.000 der etwa 108.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Deutschland eine tarifliche Sonderzahlung nicht wie erwartet im Juli ausgezahlt. Stattdessen soll sie erst im kommenden Jahr fließen. Gemeint ist der jährliche Transformationsbaustein, der 18,4 Prozent des jeweiligen regelmäßigen Monatsentgelts ausmacht. Nach Angaben der IG Metall kann diese Zahlung in wirtschaftlich angeschlagenen Betrieben verschoben oder ausgesetzt werden.

Mehr Arbeit zum gleichen Lohn im Gespräch

Der Vorstand kündigte zudem an, Abläufe deutlich zu beschleunigen und gewachsene Strukturen zu verschlanken. Ziel sei es, die Kosten pro Arbeitsstunde zu senken. Als aus Unternehmenssicht direktesten und fairsten Weg bezeichnete die Führung die Idee, in allen Bereichen für das gleiche Entgelt mehr zu arbeiten.

Über konkrete Schritte wolle man in den kommenden Wochen und Monaten mit der Arbeitnehmervertretung beraten, um die Zukunft des Standorts Deutschland zu sichern.

Ergebnisrückgänge setzen Mercedes unter Druck

Mercedes-Benz kämpft bereits seit geraumer Zeit mit Belastungen. Im ersten Quartal dieses Jahres ging das Konzernergebnis um 17,2 Prozent zurück. Bereits 2025 war der Gewinn im Vergleich zum Vorjahr von 10,4 Milliarden auf 5,3 Milliarden Euro abgesackt, nachdem sich schon 2024 eine schwächere Entwicklung abgezeichnet hatte. Als Gründe nannte der Konzern Zölle, negative Wechselkurseffekte und den harten Wettbewerb in China. Auch Absatz und Umsatz waren zuletzt rückläufig.

Der Autobauer hatte darauf bereits vor gut einem Jahr mit einem Sparprogramm reagiert, das unter dem Titel „Next Level Performance“ als Leistungssteigerungsprogramm vorgestellt wurde.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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