Wirtschaft

Briefporto droht Rekord-Anstieg

Briefporto-Schock 2027? Die Post könnte Preise um über 20 Prozent erhöhen – so teuer war Versenden noch nie.

12.10.2026, 10:00 Uhr

Der Versand von Briefen in Deutschland dürfte zum Januar 2027 so stark teurer werden wie noch nie. Die Bundesnetzagentur hat einen Entwurf vorgelegt, nach dem die Deutsche Post ihre Preise für Briefe und Postkarten in den Jahren 2027 und 2028 durchschnittlich um 20,35 Prozent anheben darf.

Gemeint ist der sogenannte Preis-Erhöhungsspielraum. In diesem Umfang dürfte die Post die prognostizierte Gesamtmenge aller Briefe und Postkarten verteuern. Beobachter gehen davon aus, dass der Konzern den Spielraum erneut vollständig ausschöpfen wird. Auch bei Paketen sind deutliche Aufschläge vorgesehen.

Standardbrief könnte 1,10 bis 1,15 Euro kosten

Wie stark einzelne Briefarten teurer werden, ist noch offen. Diese Entscheidung trifft die Deutsche Post erst später. Würde sie den Erhöhungsspielraum gleichmäßig auf alle Produkte verteilen, läge das Porto für einen Standardbrief im Inland ab Januar 2027 bei rund 1,14 Euro statt bisher 95 Cent.

Da die Post ihre Preise häufig in 5-Cent-Schritten anpasst, gelten auch 1,10 oder 1,15 Euro als realistisch. Seit 2012 hätte sich das Porto für den Standardbrief damit in etwa verdoppelt – damals kostete er noch 55 Cent. Weitere Briefarten sind etwa Großbrief, Maxibrief und Postkarten.

Höher als alle bisherigen Erhöhungen

Zum Vergleich: 2022 hatte der durchschnittliche Preisaufschlag bei Briefen 4,6 Prozent betragen. 2025 wurde mit 10,48 Prozent der bisherige Höchstwert erreicht. Der nun vorgesehene Spielraum würde diesen Rekord fast verdoppeln.

Auch in anderen Bereichen sind höhere Preise geplant. Für Pakete ist ein Erhöhungsspielraum von 10,72 Prozent vorgesehen, nachdem es vor zwei Jahren 7,21 Prozent gewesen waren. Bei Geschäftskunden-Sendungen schlägt die Bundesnetzagentur ebenfalls 20,35 Prozent vor. Die neuen Porti sollen jeweils für 2027 und 2028 gelten.

Warum Briefe teurer werden

Hintergrund ist der anhaltende Rückgang der Briefmengen. Im digitalen Alltag werden immer mehr Nachrichten per E-Mail oder Messenger verschickt. Während 2005 in Deutschland noch 16,9 Milliarden Briefsendungen befördert wurden, waren es 2025 nur noch knapp 9,4 Milliarden. Die Tendenz ist weiter fallend.

Die Kosten für Zustellung und Infrastruktur sinken jedoch nicht im gleichen Maße. Die Post muss weiterhin ein dichtes Netz aus Briefkästen, Filialen und Zustellern vorhalten. Bundesnetzagentur-Präsident Klaus Müller begründete den Schritt damit, dass steigende Kosten auf immer weniger Sendungen verteilt werden müssten.

Nach seinen Angaben wollte die Deutsche Post ursprünglich noch stärkere Preisanhebungen durchsetzen. Die Behörde blieb mit ihrem Vorschlag unter den Forderungen des Unternehmens, weil nicht alle geltend gemachten Kostenpositionen anerkannt wurden.

In anderen EU-Staaten ist der Strukturwandel teils noch deutlicher. So berichtet die niederländische Post von einem Rückgang der Briefmenge um 70 Prozent binnen 20 Jahren. In Deutschland verlief diese Entwicklung lange moderater, beschleunigt sich inzwischen aber ebenfalls, weil immer mehr Sendungen von Firmen und Behörden auf digitale Kanäle verlagert werden.

Post verweist auf höhere Kosten

Die Deutsche Post nannte in einer ersten Reaktion vor allem deutlich gestiegene Kosten für Löhne, Energie und Materialien. Zugleich erklärte das Unternehmen, man wisse, dass zu starke Portoerhöhungen Kundinnen und Kunden belasteten und die Briefmengen zusätzlich unter Druck setzen könnten.

Der Konzern kündigte an, mit dem eingeräumten Spielraum verantwortungsvoll umgehen zu wollen. Ziel sei eine ausgewogene Preisgestaltung, die sowohl die wirtschaftliche Tragfähigkeit des Systems als auch die Interessen der Kundschaft und die regulatorischen Vorgaben berücksichtige.

Sozialverband warnt vor Nachteilen für Betroffene

Kritik kommt vom Sozialverband Deutschland. Dessen Vorstandsvorsitzende Michaela Engelmeier warnte, dass vor allem ältere, kranke und mobilitätseingeschränkte Menschen durch höhere Portokosten zusätzlich benachteiligt werden könnten, weil sie häufig nicht ohne Weiteres auf digitale Angebote ausweichen können.

Besonders Senioren, chronisch Kranke und Menschen mit Behinderung seien bei Behördenangelegenheiten oder auch beim Bezug von Medikamenten oft weiterhin auf den klassischen Postweg angewiesen.

Briefversand im europäischen Vergleich noch günstig

Trotz der geplanten Erhöhung liegt Deutschland im europäischen Vergleich weiterhin eher im unteren Bereich. In Österreich kostet ein Standardbrief derzeit 1,00 Euro, in den Niederlanden 1,40 Euro und in Frankreich 1,52 Euro. Dort steigt das Porto zum Jahreswechsel bereits auf 1,67 Euro.

So läuft das Verfahren

Die Deutsche Post kann das Porto nicht eigenständig festlegen. Zunächst veröffentlicht die Bundesnetzagentur den Rahmen im sogenannten Price-Cap-Maßgrößenverfahren. Danach wird die Branche angehört. Erst anschließend legt die Behörde die endgültige Vorgabe fest.

Im nächsten Schritt entscheidet die Post, welche Briefarten innerhalb dieses Rahmens wie stark verteuert werden. Diese konkrete Aufteilung prüft wiederum die Bundesnetzagentur, bevor die neuen Porti für 2027 freigegeben werden.

Marktführer mit Sonderrolle

Die Deutsche Post ist in Deutschland sowohl bei Briefen als auch bei Paketen klarer Marktführer. Kleinere Briefanbieter wie Citipost, Pin Mail oder BWPost sind regional aktiv und bei der bundesweiten Zustellung teils auf die Infrastruktur der Post angewiesen. Im Paketmarkt konkurriert DHL unter anderem mit Hermes, DPD, GLS und UPS.

Anders als die Deutsche Post sind diese Wettbewerber nicht an die Preisvorgaben der Bundesnetzagentur gebunden, weil sie nicht als Universaldienstleister verpflichtet sind, flächendeckend in ganz Deutschland zuzustellen.

Rund 85 Prozent des Briefgeschäfts der Post entfallen auf Firmen und Behörden, etwa 15 Prozent auf Privatkunden. Zu Letzteren zählen auch kleinere Unternehmen, Kanzleien oder Vereine, die ihre Sendungen selbst frankieren und in Briefkästen oder Filialen einliefern.

Für die Zustellung gelten seit Anfang 2025 zudem gelockerte Laufzeitvorgaben: 95 Prozent der eingeworfenen Briefe müssen innerhalb von drei Werktagen ankommen, 99 Prozent innerhalb von vier Werktagen. Zuvor waren die Vorgaben strenger.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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