Wirtschaft

Azubi-Schock: Metallindustrie verliert Nachwuchs

Jetzt trifft die Branchenkrise sogar Azubis – doch warum setzen Arbeitgeber plötzlich auf ein Ende der Talfahrt?

05.08.2026, 11:06 Uhr

Die Zahl neuer Ausbildungsverträge in der bayerischen Metall- und Elektroindustrie geht spürbar zurück. Die Arbeitgeberverbände bayme und vbm rechnen im laufenden Jahr mit einem Minus von gut zehn Prozent auf rund 12.000 Neuabschlüsse. Bereits im vergangenen Jahr war die Zahl um etwa elf Prozent gesunken.

Als Hauptgründe nennt bayme/vbm-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt zum einen die anhaltende Krise, die die Branche in Bayern besonders stark belastet und inzwischen auch den sonst vergleichsweise stabilen Ausbildungsmarkt erfasst. Zum anderen fehle es weiterhin an geeigneten Bewerberinnen und Bewerbern.

Bodenbildung erkennbar

Für das kommende Jahr zeigt sich Brossardt vorsichtig optimistisch. Er erwartet keinen weiteren Rückgang, sondern eher eine Stabilisierung. Trotz der weiterhin angespannten Lage seien erste Anzeichen einer Bodenbildung zu erkennen.

Relativ konstant bleibt die Übernahmequote nach der Ausbildung: Aktuell erhalten knapp 90 Prozent der Absolventinnen und Absolventen einen unbefristeten Vertrag. Im nächsten Jahr rechnen die Arbeitgeber hier sogar mit einem Anstieg auf 96 Prozent.

Kritik von der IG Metall

Kritik kommt von der IG Metall Bayern. Bezirksjugendsekretär Marco Reinders sprach von einer alarmierenden Nachricht für junge Menschen und für die Zukunft des Industriestandorts Bayern. Wer nicht auf junge Menschen setze, investiere auch nicht in die Zukunft der eigenen Betriebe. Ausbildung bleibe die wichtigste Investition in die Fachkräfte von morgen.

Aus Sicht der Gewerkschaft braucht die Industrie gerade in Zeiten von Transformation, Digitalisierung und demografischem Wandel mehr Ausbildung statt weniger. Die Auszubildenden von heute seien die Fachkräfte, die künftig den Wandel gestalten, Innovationen vorantreiben und die Wettbewerbsfähigkeit sichern. Jeder unbesetzte Ausbildungsplatz sei deshalb eine vertane Chance.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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