Florian Wellbrock hat bei den Europameisterschaften in Paris seine zweite Goldmedaille im Freiwasserschwimmen gewonnen. Nach dem Titel über die olympischen zehn Kilometer setzte sich der 28-Jährige in der Seine nun auch über fünf Kilometer durch.
Wie bereits am Vortag verwies der Olympiasieger von 2021 den Ungarn David Betlehem auf Rang zwei. Platz drei ging an den Italiener Gregorio Paltrinieri. Oliver Klemet, der über zehn Kilometer noch Bronze geholt hatte, belegte diesmal den zehnten Platz.
Für Wellbrock ist es bereits die fünfte Medaille seiner Karriere bei Freiwasser-Europameisterschaften. Der gebürtige Bremer trainiert in Magdeburg bei Bundestrainer Bernd Berkhahn und zählt mit vier WM-Titeln zu den erfolgreichsten Athleten der Disziplin.
Mit dem zweiten Titel in Paris richtete Wellbrock den Blick sogar schon auf einen möglichen Vierfach-Erfolg. Nach seinem Triumph sagte er, ihm gehe durch den Kopf, dass sich vielleicht ein ähnlicher Goldlauf wie einst in Singapur wiederholen ließe. Zugleich bremste er die Erwartungen selbst und mahnte zur Vorsicht.
Wellbrock schwimmt früh nach vorne
Weil Wellbrock im Saisonverlauf mehrfach krankheitsbedingt ausgefallen war, ließ sich seine Form im Vorfeld nur schwer einschätzen – auch für ihn selbst. Vor der Abreise nach Paris hatte er deshalb nicht vom Podium gesprochen, sondern einen Platz unter den besten Zehn als Ziel ausgegeben.
Umso überraschender kam für ihn selbst der Leistungssprung. Wellbrock berichtete, dass die Saison wegen gesundheitlicher Probleme überhaupt nicht nach Wunsch verlaufen sei. Zeitweise habe er sogar mit der Frauengruppe trainieren müssen, weil ihm im Männertraining das Tempo gefehlt habe. Eine richtige Erklärung dafür, warum es nun so gut laufe, habe er nach eigener Aussage nicht.
In Paris zeigte er jedoch, dass er selbst ohne optimale Vorbereitung mehr als konkurrenzfähig ist. Wie schon im Rennen am Vortag setzte sich Wellbrock im Fluss durch die französische Hauptstadt früh an die Spitze. Mit seinem hohen Tempo zermürbte er das Feld und machte seinen Konkurrenten das Rennen schwer. Auch Betlehems erneuten Angriff auf der Schlussrunde wehrte er souverän ab.
Wellbrock betonte nach dem Rennen, angesichts seiner schwierigen Saison sei der doppelte Goldgewinn besonders spektakulär. Die Gewissheit, trotz der durchwachsenen Vorbereitung weiterhin zur Extraklasse im europäisch geprägten Freiwasserschwimmen zu gehören, dürfte ihm zusätzlichen Rückenwind geben.
Verändertes Mindset hilft Wellbrock
Schon vor den Erfolgen in Paris hatte Wellbrock nach eigenen Worten eine Entwicklung durchlebt. Der 28-Jährige geht lockerer an Wettkämpfe heran und setzt sich nicht mehr so stark unter Druck wie noch vor einigen Jahren. Sport, sagte er, solle im Leben nicht überhöht werden.
Dabei habe ihm auch die Zusammenarbeit mit einer Psychologin geholfen. Wellbrock erklärte, intensive Mentalarbeit habe sein Mindset verändert – und daran habe seine Betreuerin einen großen Anteil.
Bundestrainer fiebert emotional mit
Auch Bundestrainer Bernd Berkhahn erlebte das Rennen emotional. Er lobte, dass Wellbrock von Beginn an ein so hohes Tempo angeschlagen habe, dass niemand mehr herankam. Am Ufer habe er voller Anspannung mitgefiebert und seinem Schützling lautstark Anweisungen zugerufen, sagte Berkhahn nach dem Rennen mit einem Lachen. Nach dem nächsten Sieg überwog dann die Erleichterung.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber