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Arianas Pause: Gehen Kommentare über Star-Körper zu weit?

Ariana Grande löst eine heikle Debatte aus: Wie kritisiert man gefährliche Schönheitsideale, ohne Menschen bloßzustellen?

05.08.2026, 11:21 Uhr

Gerade erst wurde bekannt, dass sich Popstar Ariana Grande nach Abschluss ihrer Tour vorerst aus der Öffentlichkeit zurückziehen möchte. Ihr Management erklärte dem US-Magazin People, die Sängerin brauche nach Monaten „ununterbrochener öffentlicher Kritik“ eine Pause. Damit ist auch die seit Jahren geführte Diskussion über Grandes Körper erneut aufgeflammt.

Derzeit wird in sozialen Netzwerken besonders häufig über ihr sehr schlankes Erscheinungsbild gesprochen – meist, ohne dass Außenstehende wissen, was tatsächlich dahintersteckt. Als am vergangenen Freitag ihr neues Musikvideo zu „petal“ auf YouTube erschien, häuften sich schnell besorgte Reaktionen. In den Kommentaren war etwa zu lesen, es gehe nicht darum, sich „die alte Ariana“ zurückzuwünschen, sondern um ihre Gesundheit. Andere fragten direkt, ob es ihr gut gehe.

Schon 2023 hatte sich Ariana Grande gegen solche Äußerungen gewehrt. In einem TikTok-Video machte sie deutlich, dass der Körper, den viele im Nachhinein als gesünder bezeichneten, mit einer schwierigen Lebensphase verbunden gewesen sei. Niemand könne von außen wissen, womit ein Mensch gerade kämpfe. Beendet hat dieser Appell die Debatte jedoch nicht. Vielmehr stellt sich erneut die Frage, ob und auf welche Weise über die Körper von Prominenten – und besonders von Frauen – öffentlich gesprochen werden sollte.

Ein bekanntes Schönheitsideal kehrt stärker zurück

Auffällig ist, dass sehr dünne Körper derzeit in sozialen Medien, auf Laufstegen und in der Promiwelt wieder präsenter sind. Neu ist dieses Ideal allerdings keineswegs. Bereits in den 1990er-Jahren wurde extreme Schlankheit unter dem Begriff „Heroin Chic“ populär.

Model Kate Moss
Für einen Kommentar über das Dünnsein erntete das britische Model Kritik. (Archivbild) Quelle: Evan Agostini/Invision/dpa

In den 2010er-Jahren schien sich dieses Ideal zunächst etwas abzuschwächen. Konzepte wie Body Positivity und mehr Diversität sorgten dafür, dass unterschiedliche Körper sichtbarer wurden. Dennoch war das keine vollständige Abkehr von alten Schönheitsnormen.

Die Literatur- und Kulturwissenschaftlerin Elisabeth „Elli“ Lechner erklärte bei Deutschlandfunk Nova, dass zwar mehr Plus-Size-Models in Kampagnen und auf Laufstegen auftauchten. Akzeptanz hätten aber oft vor allem jene Körper gefunden, die weiterhin klassischen Vorstellungen entsprachen – etwa mit Sanduhrfigur, makelloser Haut und perfekt inszeniertem Styling.

Auch das Ideal extremer Schlankheit verschwand nie ganz aus dem öffentlichen Diskurs. Oft zitiert wird bis heute ein Satz des britischen Models Kate Moss aus dem Jahr 2009: „Nothing tastes as good as skinny feels.“ Der Spruch steht bis heute sinnbildlich für ein problematisches Körperideal.

Wie soziale Medien Essstörungen verstärken können

Heute verbreiten sich solche Ideale vor allem über soziale Netzwerke. Dabei hat sich auch die Art verändert, wie Schlankheit inszeniert wird. Früher galten vor allem Models oder Popstars als Vorbilder, heute sind es oft Influencerinnen und Influencer auf TikTok oder Instagram, die scheinbar alltägliche Lebenswelten zeigen. Genau dadurch entsteht leichter der Eindruck, ein bestimmter Körper sei für alle erreichbar.

Besonders deutlich wurde das am Schlagwort „SkinnyTok“. Unter diesem Hashtag sammelten sich bis zum Sommer 2025 tausende TikTok-Videos über Kalorienzählen, extrem kleine Mahlzeiten und schnellen Gewichtsverlust. Häufig wurden dabei sehr dünne Körper als Ideal präsentiert. Inzwischen hat TikTok den Hashtag gesperrt. Verschwunden sind die entsprechenden Inhalte damit aber nicht – sie tauchen nun unter anderen Begriffen und in ähnlichen Formaten wieder auf.

Psychologinnen warnen vor den Folgen. Die Wissenschaftlerin Beate Herpertz-Dahlmann sagt, dass Essstörungen bei Mädchen, weiblichen Jugendlichen und jungen Frauen deutlich zunehmen. Die frühere Direktorin der Kinder- und Jugendpsychiatrie an der Uniklinik Aachen verweist darauf, dass zahlreiche Studien einen Zusammenhang zwischen Social-Media-Konsum und Essstörungen belegen.

Gleichzeitig bedeutet der Kontakt mit solchen Inhalten nicht automatisch, dass jemand eine Essstörung entwickelt. Die Psychologin Katrin Giel betonte bei Deutschlandfunk Nova, dass Essstörungen komplexe psychische Erkrankungen seien. Beiträge, die extreme Schlankheit verherrlichen, seien nicht die einzige Ursache, könnten bereits vorhandene Risikofaktoren aber verstärken.

Wann werden Körperkommentare übergriffig?

Damit bleibt die Frage, wie sich über problematische Schönheitsideale sprechen lässt, ohne einzelne Menschen und ihre Körper zum Objekt öffentlicher Bewertung zu machen. Genau dieses Spannungsfeld beschreibt auch die Journalistin Salwa Houmsi in ihrem Podcast „House of Houmsi“.

Sie plädiert dafür, Menschen nicht anhand ihres Körpers zu beurteilen. Gleichzeitig müsse es möglich sein, darüber zu sprechen, wenn bestimmte Körperbilder in sozialen Medien oder in der Popkultur wieder verstärkt als wünschenswert dargestellt werden. Fehle diese Sprache, lasse sich auch der gesellschaftliche Druck hinter solchen Entwicklungen kaum noch benennen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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