Weniger Ertrag, viel Aroma: Zehn Fakten zur Apfelernte am Bodensee
Der Apfel landet in Deutschland in Brotdosen, Obstschalen und Kuchenformen wie kaum ein anderes Obst. Rund um den Bodensee startet in Kürze die Haupternte. Für die Obstbaubetriebe fällt die Saison diesmal aber kleiner aus als im Vorjahr: Nach Einschätzung von Hubert Bernhard, Präsident des Landesverbands Erwerbsobstbau (LVEO), werden in der Region rund 20 Prozent weniger Äpfel erwartet als 2023.
Hauptgrund ist die anhaltende Trockenheit. Dort, wo nicht bewässert werden konnte, litten die Bäume deutlich. Vor allem frühe Sorten wie Elstar und Gala dürften daher etwas kleiner ausfallen als in den vergangenen Jahren. Bei späteren Sorten wie Jonagold hoffen die Betriebe nach dem jüngsten Regen noch auf zusätzlichen Wachstumsschub. Trotz der kleineren Ernte ist die Stimmung bei der Qualität positiv: Die Früchte gelten in diesem Jahr als außergewöhnlich süß und aromatisch.
1. Warum der Bodensee ein Apfelparadies ist
Der Bodensee zählt zu den wichtigsten Apfelanbaugebieten Deutschlands. Nach Angaben des Statistischen Landesamts Baden-Württemberg werden dort auf rund 9.000 Hektar Obst angebaut, davon etwa 6.500 Hektar Tafeläpfel für den Frischmarkt.
Ein großer Standortvorteil ist das Klima. Der See speichert im Sommer Wärme und gibt sie in der kalten Jahreszeit wieder ab. Das schützt die Obstbäume besonders im Frühjahr besser vor starken Frösten während der Blüte.
2. Elstar bleibt die wichtigste Sorte
Zu den prägenden Sorten am Bodensee gehören Elstar und Gala. Bundesweit ist Elstar laut Bundeszentrum für Landwirtschaft die am stärksten angebaute Apfelsorte. Danach folgen Gala und Jonagold.
Daneben wachsen in Deutschland unter anderem auch Braeburn, Pinova, Topaz und Jonaprince. Einige Sorten haben in den vergangenen Jahren an Fläche gewonnen, andere verloren.
3. So groß ist der Appetit auf Äpfel
In Deutschland werden pro Kopf im Schnitt mehr als 20 Kilogramm Äpfel im Jahr verzehrt. Das entspricht bei einem durchschnittlichen Fruchtgewicht von 150 Gramm ungefähr 133 Äpfeln jährlich oder rund 2,5 Äpfeln pro Woche.
Etwa die Hälfte der hier gegessenen Äpfel stammt aus heimischem Anbau. 2025 wurden dafür auf knapp 33.000 Hektar Äpfel angebaut. Der restliche Bedarf wird importiert, vor allem aus europäischen Erzeugerländern wie Polen und Italien.
4. Nicht jeder Apfel landet im Supermarkt
Ein Großteil der Ernte wird als Tafelobst verkauft, also für den direkten Verzehr. Im Jahr 2025 gingen knapp 75 Prozent der Apfelernte in diesen Bereich. Knapp 25 Prozent wurden als Industrie- oder Verwertungsobst genutzt, etwa für Saft oder andere Verarbeitung. Ein kleiner Teil wurde nicht vermarktet.
5. Der Apfel dominiert den Baumobstanbau
Äpfel sind mit großem Abstand die wichtigste Baumobstart in Deutschland. Auf rund 70 Prozent der gesamten Baumobstanbaufläche wachsen Apfelbäume.
6. Die Haupternte beginnt bald – mit weniger Menge, aber guter Qualität
Nach Einschätzung des LVEO fällt die Ernte am Bodensee in diesem Jahr kleiner aus. Erwartet werden rund 20 Prozent weniger Äpfel als im Vorjahr. Besonders zugesetzt hat den Anlagen die Trockenheit. Wo Beregnung fehlte, waren die Belastungen für die Bäume deutlich spürbar.
Frühe Sorten wie Elstar und Gala dürften deshalb eher kleiner ausfallen. Bei späteren Sorten wie Jonagold setzen die Obstbauern nach dem jüngsten Regen noch auf einen Wachstumsschub. Insgesamt wird jedoch mit einer sehr guten Qualität gerechnet: Die Äpfel gelten in dieser Saison als besonders süß und aromatisch.
7. Regional ist nicht automatisch am klimafreundlichsten
Ein Apfel aus heimischem Anbau kann beim Klimaschutz Vorteile haben – vor allem dann, wenn er regional und zur Saison gekauft und gegessen wird. Für die Klimabilanz zählt aber nicht nur die Herkunft. Auch Produktion, Transport, Lagerung und Saison spielen eine wichtige Rolle.
Ein regionaler Apfel aus energieintensiver Lagerung kann deshalb bei der Bilanz anders abschneiden als frisch geerntete Ware.
8. Was Äpfel gesund macht
Äpfel liefern Ballaststoffe, Vitamine, Mineralstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe. Besonders wichtig ist dabei Pektin, ein Ballaststoff, der die Verdauung unterstützt und lange satt hält.
Viele wertvolle Inhaltsstoffe sitzen in oder direkt unter der Schale. Deshalb ist es sinnvoll, gut gewaschene Äpfel möglichst mit Schale zu essen.
9. So bleiben Äpfel länger frisch
Wer Äpfel nicht sofort verbraucht, sollte sie möglichst kühl lagern – etwa im Kühlschrank oder in einem kalten Vorratsraum. Im Keller empfiehlt sich eine Lagerung einzeln und mit etwas Abstand, damit Druckstellen und Fäulnis vermieden werden.
Außerdem sollten Äpfel nicht direkt neben anderem Obst oder Gemüse liegen. Sie geben das Reifegas Ethen ab, das andere Produkte schneller altern lässt.
10. Über die Preise entscheidet auch Europa
Wie teuer Äpfel im Laden werden, hängt nach Einschätzung von Bernhard nicht allein von der Erntemenge am Bodensee oder in Baden-Württemberg ab. Entscheidend ist vor allem die Lage auf dem europäischen Markt. Vor allem Polen und Italien spielen dabei eine wichtige Rolle.
Für die Erzeuger bleibt die wirtschaftliche Lage angespannt. Im vergangenen Jahr lagen die Erzeugerpreise nach Branchenangaben nur bei etwa 21 bis 25 Cent pro Kilogramm. In dieser Saison müssten die Obstbaubetriebe bessere Erlöse erzielen. Ob das am Ende auch höhere Ladenpreise bedeutet, ist noch offen. Falls Verbraucher mehr zahlen müssen, dürfte der Anstieg nach Einschätzung der Branche eher moderat bleiben.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber