Nvidia setzt dank KI-Boom seinen Wachstumskurs fort
Die ungebrochen hohe Nachfrage nach Rechenleistung für Anwendungen mit Künstlicher Intelligenz treibt Nvidia weiter rasant an. Der weltweit führende Anbieter von KI-Chips und Rechenzentrumstechnik hat im zweiten Geschäftsquartal, das am 26. Juli endete, Umsatz und Nettogewinn im Vergleich zum Vorjahreszeitraum jeweils mehr als verdoppelt.
Konkret setzte der Konzern 96,2 Milliarden US-Dollar um. Der Nettogewinn stieg auf 59,7 Milliarden Dollar. Nvidia profitiert dabei vor allem von der massiven Investitionswelle großer Technologiekonzerne in KI-Rechenzentren.
Unternehmensgründer und Chef Jensen Huang sieht den Boom noch längst nicht am Ende. Der Ausbau der weltweiten KI-Infrastruktur laufe mit hohem Tempo, erklärte er. Zudem habe Künstliche Intelligenz inzwischen einen entscheidenden Punkt erreicht und liefere zunehmend praktischen Nutzen. Zusätzliche Dynamik erwartet Nvidia auch durch sogenannte physische KI, also die Verbindung klassischer KI mit Robotik.
Eine wichtige Rolle für das weitere Wachstum soll die neue Plattform Vera Rubin spielen. Sie gilt als leistungsfähigere Nachfolgerin der Blackwell-Architektur und ist auch für agentische KI ausgelegt. Gemeint ist Software, die eigenständig handeln, planen und Aufgaben ausführen kann. Solche Anwendungen stellen andere und höhere Anforderungen an die Rechenleistung als das reine Training von KI-Modellen.
Nach Angaben des Unternehmens läuft die Produktion der neuen Prozessor-Architektur Vera Rubin inzwischen auf Hochtouren. Rückenwind kommt zudem von den enormen Ausgaben großer Cloud-Anbieter wie Amazon, Google, Microsoft und Meta, die zusammen hunderte Milliarden Dollar in den Ausbau ihrer KI-Infrastruktur stecken.
Auch für das laufende dritte Quartal rechnet Nvidia mit weiterem Wachstum. Der Umsatz soll bei rund 108 Milliarden Dollar liegen, mit einer möglichen Abweichung von zwei Prozent nach oben oder unten. Selbst das untere Ende dieser Spanne liegt noch leicht über den Erwartungen der Analysten. Die bereinigte operative Bruttomarge erwartet der Konzern bei 74 Prozent, plus/minus 0,5 Prozentpunkte. Im Vorquartal hatte sie noch 75 Prozent betragen.
An der Börse fiel die erste Reaktion zunächst uneinheitlich aus. Im nachbörslichen US-Handel geriet die Aktie anfangs unter Druck, drehte dann aber ins Plus. Zuletzt gewann das Papier fast vier Prozent auf 218,00 Dollar. Mitte Mai hatte der Kurs noch ein Rekordhoch von mehr als 236 Dollar erreicht, bevor Anleger im gesamten KI-Sektor vorerst Gewinne mitnahmen.
Nvidia spielt eine zentrale Rolle im weltweiten KI-Boom. Das Unternehmen, das früher vor allem für Grafikkarten bei Spielern bekannt war, liefert heute mit seinen Chips und kompletten Systemen die Schlüsseltechnologien für das Training großer KI-Sprachmodelle und deren Einsatz in Rechenzentren.
Für Anleger blieb die Aktie zuletzt äußerst lukrativ: Wer Ende 2019 noch 1.000 Euro in Nvidia investiert hatte, käme heute auf fast 36.000 Euro. Mit einem Börsenwert von 5,07 Billionen Dollar auf Basis des Schlusskurses vom Mittwoch ist Nvidia derzeit das wertvollste Unternehmen der Welt.
Milliarden-Zukauf von Hugging Face im Blick
Parallel zur Vorlage der Quartalszahlen wurde bekannt, dass Nvidia seine Position im KI-Markt mit einem großen Zukauf weiter ausbauen will. Nach einem Bericht von Business Insider verhandelt der Konzern über die Übernahme der KI-Plattform Hugging Face. Das dabei diskutierte Bewertungsvolumen soll bei mehr als 13 Milliarden Dollar liegen.
Eine endgültige Einigung gibt es demnach bislang nicht, und die Gespräche könnten noch scheitern. Weder Nvidia noch Hugging Face äußerten sich zunächst zu den Berichten. Schon die Größenordnung zeigt jedoch, wie offensiv Nvidia sein KI-Ökosystem ausbauen will.
Hugging Face gilt als zentrale Plattform für die weltweite Open-Source-KI-Entwicklung. Das 2016 von drei französischen Unternehmern gegründete Unternehmen hostet heute Millionen von KI-Modellen, Datensätzen und Code-Bibliotheken. Entwickler und Forscher nutzen die Plattform als wichtige Infrastruktur, um Anwendungen zu bauen, zu teilen und weiterzuentwickeln.
Für Nvidia wäre eine Übernahme strategisch bedeutsam: Wer eine führende Software- und Modellplattform kontrolliert, kann den Zugang zur Entwickler-Community stärken und Arbeitslasten enger an die eigene Hardware binden. Finanzieren könnte der Konzern einen solchen Deal problemlos, da er infolge des KI-Booms über enorme Barreserven verfügt.
Allerdings dürfte ein möglicher Kauf auch kritische Fragen aufwerfen. Hugging Face war bislang für seine weitgehende Neutralität bekannt und unterstützt ebenso Modelle und Beschleuniger-Hardware von Nvidia-Konkurrenten wie AMD und Intel. Sollte ausgerechnet der dominierende KI-Hardwareanbieter die Plattform übernehmen, könnten Interessenkonflikte und kartellrechtliche Bedenken zunehmen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber