Wirtschaft

Krisengipfel bei VW – jetzt geht es um die Zukunft

VW spart härter – und plötzlich wackeln Werke und Jobs. Doch Kritiker fragen: Hat der Konzern überhaupt einen Plan für die Zukunft?

27.08.2026, 03:30 Uhr

Während die Spitze von Volkswagen ihre Tour durch die Werke und zur Belegschaft fortsetzt, wächst die Kritik an einer aus Sicht vieler fehlenden Zukunftsstrategie. Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies forderte den Vorstand gegenüber der Deutschen Presse-Agentur auf, ein belastbares Konzept für die kommenden Jahre vorzulegen. Der SPD-Politiker machte deutlich, dass Werksschließungen und umfangreicher Stellenabbau keine tragfähige Antwort auf die aktuellen Probleme sein könnten.

Auslöser der Debatte ist die Ankündigung von Konzernchef Oliver Blume, den Sparkurs weiter zu verschärfen. Beim größten Autobauer Europas steht damit die Zukunft von zehntausenden weiteren Arbeitsplätzen sowie vier kompletten Standorten zur Diskussion. Der Betriebsrat reagierte scharf und setzte an neun Standorten außerordentliche Betriebsversammlungen an.

Nach dem Start der Standortbesuche in Wolfsburg sowie Terminen in den als besonders gefährdet geltenden Werken Emden und Zwickau sollen Vertreter des Vorstands am Donnerstag im Motorenwerk Chemnitz und in der Gläsernen Manufaktur Dresden auftreten. In Dresden läuft bereits keine Fahrzeugproduktion mehr. Auch für Emden und Zwickau sowie für das Nutzfahrzeugwerk Hannover und den Audi-Standort Neckarsulm fehlt bislang eine wettbewerbsfähige Perspektive für die 2030er-Jahre.

Blume betonte zuletzt mehrfach, dass die Schwierigkeiten nicht allein hausgemacht seien. Nach seiner Darstellung leidet die gesamte Automobilindustrie unter massivem Druck. Als Gründe nannte er unter anderem US-Zölle, die Entwicklung des chinesischen Marktes sowie mehrere geopolitische Krisen, die Hersteller und Zulieferer gleichermaßen belasteten.

Auch der Autoexperte Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management sieht Volkswagen vor einem tiefgreifenden Umbruch. Aus seiner Sicht braucht der Konzern einen regelrechten "Quantensprung": mehr Effizienz, schnellere Abläufe und eine flexiblere Organisation. Gleichzeitig müsse VW neue Wachstumsfelder erschließen, um die derzeitige disruptive Phase der Branche langfristig zu überstehen. Bratzel erwartet, dass dieser Wandel kaum ohne erhebliche Konflikte verlaufen wird.

Lies erinnerte daran, dass Volkswagen seine Stärke in der Vergangenheit oft daraus gezogen habe, selbst in schwierigen Zeiten gemeinsam tragfähige Lösungen zu entwickeln. Der Konzern verfüge weiterhin über starke Produkte und hohe technologische Kompetenz. Nun müsse wieder mehr Ruhe in die Diskussion einkehren, damit sich Volkswagen auf seine eigentliche Kernkompetenz konzentrieren könne: innovative und erstklassige Fahrzeuge zu bauen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen