Politik

Moskau-Alarm: CIA-Chef warnte vor Nato-Angriff

CIA-Chef in Russland: Erst war der Grund geheim – jetzt enthüllen US-Medien, was wirklich hinter dem Besuch steckte.

27.08.2026, 04:33 Uhr

Berichte über Warnung aus Washington bei Moskau-Besuch

Nach dem unangekündigten Besuch von CIA-Direktor John Ratcliffe in Moskau wird weiter über Zweck und Inhalt der Reise spekuliert. Nach Angaben des Wall Street Journal und von Politico soll Ratcliffe Russland bei seinem Aufenthalt am Dienstag vor einem möglichen Angriff auf Nato-Verbündete gewarnt haben. Beide Medien beriefen sich auf anonyme Quellen.

Laut Politico bezog sich die Warnung besonders auf die östlichen Nato-Staaten im Baltikum. Zudem habe Ratcliffe den Kreml aufgefordert, seine militärische und finanzielle Unterstützung für den Iran zurückzufahren. Offiziell wurde über die Inhalte der Gespräche bislang nur wenig bekannt.

Kreml weist westliche „Schauergeschichten“ zurück

Der Kreml wies Berichte über mögliche russische Vorbereitungen für einen Angriff auf Nato-Staaten scharf zurück. Kremlsprecher Dmitri Peskow sprach von „Schauergeschichten“ und erklärte, solche Darstellungen hätten „nichts mit der Realität gemein“.

Zugleich warf Peskow dem Westen aggressives Verhalten vor. Die Aggression gehe von den europäischen Staaten aus, sagte er. Entsprechende Warnungen und Berichte seien nichts anderes als „gewöhnliche Zeitungsenten“.

Peskow betonte außerdem, Moskau wolle seine Ziele zwar bevorzugt mit friedlichen Mitteln erreichen. Die „Spezialoperation“ – so nennt der Kreml den Krieg gegen die Ukraine – werde jedoch fortgesetzt, um russische Interessen durchzusetzen und Sicherheit zu erreichen.

Baltische Staaten sehen derzeit nur geringes Angriffsrisiko

In den an Russland grenzenden baltischen Staaten fand Ratcliffes Moskau-Reise besondere Beachtung. Medienberichten zufolge soll der CIA-Chef mutmaßlich über die lettische Hauptstadt Riga nach Russland geflogen sein. Eine US-Militärtransportmaschine auf dieser Route konnte demnach über Flugverfolgungsportale nachvollzogen werden, kommentiert wurde das in Riga aber nicht.

Mit Blick auf die Berichte über mögliche Gesprächsinhalte erklärten Vertreter aus Estland, Lettland und Litauen, dass sich ihre Einschätzung der militärischen Bedrohung nicht verändert habe. Lettlands Staatspräsident Edgars Rinkevics schrieb auf Facebook, das Risiko eines direkten russischen Angriffs sei derzeit gering. Möglich blieben jedoch Sabotageakte, Cyberangriffe und andere hybride Operationen. Ähnliche Einschätzungen kamen auch aus Estland und Litauen.

Moskaus Geheimdienstchef spricht von „Arbeitsformat“

Der Chef des russischen Auslandsgeheimdienstes, Sergej Naryschkin, bestätigte am Donnerstag ein Treffen mit Ratcliffe, nannte jedoch keine Details zum Inhalt. Nach Angaben russischer Nachrichtenagenturen sagte Naryschkin, man habe Themen besprochen, die in den Zuständigkeitsbereich der Geheimdienste fallen.

Zugleich bezeichnete er das Treffen als „Arbeitsformat“ und als nichts Ungewöhnliches. Solche Gespräche mit Geheimdienstchefs anderer Länder fänden nach seinen Worten regelmäßig statt – entweder persönlich oder online.

US-Präsident Donald Trump bestätigte am Mittwochabend US-Ortszeit in einer Radiosendung mit dem rechtskonservativen Moderator Glenn Beck, dass Ratcliffe in Russland war. Er wies jedoch zurück, dass die Reise mit einem möglichen russischen Vorgehen gegen die Nato oder dem Konflikt um den Iran zusammengehangen habe. Trump bezeichnete den Besuch stattdessen als „eine Art Semi-Routine“ und sagte zugleich: „Wir würden gern sehen, dass der Krieg mit der Ukraine endet.“

Kreml: Kein Treffen mit Putin

Wie russische Nachrichtenagenturen berichteten, bestätigte Kremlsprecher Dmitri Peskow, dass Ratcliffe zu Gesprächen „zwischen den Geheimdiensten“ nach Moskau gereist war. Zugleich stellte Peskow klar, dass es kein Treffen zwischen Ratcliffe und Präsident Wladimir Putin gegeben habe.

Für Ratcliffe dürfte es der erste Besuch in Moskau seit seinem Amtsantritt als CIA-Chef gewesen sein. Der letzte öffentlich bekannte Russland-Besuch eines CIA-Direktors liegt im Jahr 2021, als William Burns nach Moskau reiste und dort auch Putin traf. Burns war damals im Auftrag des damaligen US-Präsidenten Joe Biden unterwegs, um eine weitere Zuspitzung im Ukraine-Konflikt zu verhindern. Dennoch begann Putin am 24. Februar 2022 den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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