Tarifabschluss im NRW-Einzelhandel: Beschäftigte erhalten mehr Geld
Im nordrhein-westfälischen Einzelhandel steigen die Löhne. Arbeitgeber und Gewerkschaft Verdi einigten sich in der fünften Verhandlungsrunde auf einen neuen Tarifvertrag, wie der Handelsverband Nordrhein-Westfalen und der Verdi-Landesbezirk mitteilten.
Damit liegt erstmals seit dem Start der bundesweiten Tarifverhandlungen im Frühjahr in einem Tarifgebiet ein Abschluss vor. Nach Einschätzung von Verdi könnte die Vereinbarung auch für andere Regionen als Orientierung dienen. Auch der Handelsverband Deutschland geht davon aus, dass das Ergebnis Signalwirkung entfalten wird.
Konkret ist vorgesehen, dass die Beschäftigten in NRW ab August 2026 drei Prozent mehr Lohn erhalten. Ab Mai 2027 folgt eine weitere Erhöhung um zwei Prozent. Der Tarifvertrag hat eine Laufzeit von 25 Monaten. Für die unteren Lohngruppen soll nach Angaben von Verdi ab August 2026 ein Mindeststundenlohn von 14,20 Euro gelten, der ab Mai 2027 auf 14,90 Euro steigt. Im Einzelhandel in Nordrhein-Westfalen arbeiten laut Gewerkschaft rund 700.000 Menschen.
Arbeitgeber sprechen von belastendem Kompromiss
Verdi-Verhandlungsführerin Henrike Eickholt wertete das Ergebnis als deutlichen Fortschritt für die Beschäftigten und sprach von spürbaren Einkommenssteigerungen nach schwierigen Gesprächen. Die Gewerkschaft war ursprünglich mit der Forderung nach sieben Prozent mehr Lohn, mindestens jedoch 225 Euro, bei einer Laufzeit von zwölf Monaten in die Verhandlungen gegangen.
Auf Arbeitgeberseite bezeichnete Verhandlungsführer Christopher Ranft den Abschluss als anspruchsvollen und für viele Unternehmen schmerzhaften Kompromiss.
Deutschlandweit sind rund 3,4 Millionen Menschen im Einzelhandel beschäftigt. Die Tarifbindung in der Branche nimmt seit Jahren ab und liegt auf vergleichsweise niedrigem Niveau. Nach Zahlen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung arbeiteten 2024 lediglich 23 Prozent der Beschäftigten im Einzelhandel bei tarifgebundenen Arbeitgebern. In der Gesamtwirtschaft lag dieser Anteil bei 49 Prozent.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber