Bayern

Erdbeben bei Bad Reichenhall: Wie oft bebt die Erde hier?

Beben am Hochstaufen: Warum ausgerechnet Sommerregen nahe Bad Reichenhall die Erde häufiger zittern lässt

27.08.2026, 04:00 Uhr

Am späten Sonntagabend ist im Raum Bad Reichenhall ein leichtes Erdbeben registriert worden. Gegen 22.30 Uhr maßen die Instrumente eine Stärke von etwa 1,7 bis 1,8. Für schwere Schäden reicht das nicht aus, dennoch können solche Erschütterungen wahrnehmbar sein – etwa durch vibrierende Böden oder klirrende Fensterscheiben.

Nach dem Beben meldeten sich rund ein Dutzend Menschen beim Erdbebendienst Bayern, der an der Ludwig-Maximilians-Universität München angesiedelt ist und seismische Aktivitäten im Freistaat überwacht.

Erdbeben in der Region keine Seltenheit

Nach Angaben von Joachim Wassermann, Leiter der Seismologie am Geophysikalischen Observatorium, treten im Gebiet um Bad Reichenhall vergleichsweise oft Beben auf. Dort werden pro Jahr ungefähr 100 Erschütterungen gemessen – deutlich mehr, als Menschen tatsächlich spüren.

Dass es immer wieder bebt, hängt mit den ständigen Bewegungen der Erdplatten zusammen. Afrika schiebt sich langfristig gegen die eurasische Platte. Dabei bauen sich Spannungen auf, die sich gelegentlich ruckartig lösen – ein Erdbeben entsteht.

Sehr kleine Beben werden laufend registriert. Im Jahr 2025 wurden in Bayern bislang rund 1.800 Lokalbeben einschließlich Vor- und Nachbeben gezählt, im aktuellen Jahr sind es bisher etwa 700.

Damit ein Beben von Menschen wahrgenommen wird, braucht es besondere Bedingungen: entweder eine höhere Stärke oder einen sehr oberflächennahen Herd. Beim aktuellen Ereignis lag dieser weniger als drei Kilometer tief. Das Epizentrum verorten Forscher am südlichen Rand von Bad Reichenhall. Spürbar sei so ein Beben eher als dumpfer, kräftiger Knall als als grollender Donner.

Stärkere Beben in Bayern

Als eine der heftigsten bekannten Erdbebenserien in Bayern gilt laut Wassermann die Phase zwischen 1914 und 1920 bei Eichstätt im Altmühltal. Damals traten mehrere Beben mit einer Stärke um 5 auf, die erhebliche Gebäudeschäden verursachten.

Zu den stärkeren Ereignissen der jüngeren Vergangenheit zählt auch ein Beben vom April 2008. Damals wurde am Thumsee nahe Bad Reichenhall eine Stärke von 3,4 gemessen.

Zum Vergleich: In Japan erreichen starke Erdbeben regelmäßig Werte über 5. Da die Magnitudenskala logarithmisch ist, setzt ein Beben der Stärke 5 ungefähr 2.000-mal mehr Energie frei als das nun gemessene Ereignis bei Bad Reichenhall.

Warum die Gegend um Bad Reichenhall besonders aktiv ist

Vor allem rund um den Hochstaufen kommt es häufig zu Erschütterungen. Der Grund: Der Berg bewegt sich langsam talwärts. Die Schwerkraft zieht ihn nach unten, während tektonische Kräfte ihn zugleich anheben und verformen.

Dort befindet sich auch ein dichtes Netz an Messstationen, das Teil eines bayernweiten Systems mit 35 Sensoren ist. Zusätzlich beobachten Forscher mithilfe von Satellitendaten und Radaraufnahmen kleinste Lageveränderungen des Hochstaufen.

In der Region treten oft sogenannte Schwarmbeben auf, also viele kleinere Beben in Serie. Besonders häufig sind sie nach Beobachtungen der Wissenschaftler zwischen Mai und Juli, also in den niederschlagsreichen Monaten. Dann sättigt Regen den Untergrund mit Wasser, was Bewegungen im Gestein begünstigen kann.

In den vergangenen 20 Jahren wurden im Umfeld des Hochstaufen rund 7.000 Beben erfasst. Ein weiteres bekanntes Gebiet für Schwarmbeben ist das Vogtland, das auch bis nach Franken reicht. Starkregen infolge des Klimawandels dürfte die Aktivität am Hochstaufen nach Einschätzung Wassermanns allerdings eher nicht verstärken, da das Wasser dort meist schnell abfließt, statt tief in den Boden einzudringen.

Gibt es heute mehr Erdbeben?

Einen klaren Trend zu häufigeren oder stärkeren Erdbeben in Bayern sieht Wassermann nicht. Ein Teil der heutigen seismischen Aktivität hängt noch mit den Folgen der letzten Eiszeit zusammen: Damals lasteten gewaltige Eismassen auf der Erdkruste. Seit dem Abschmelzen hebt sich der Untergrund langsam wieder an – auch das kann Erdbeben auslösen.

Zugleich deuten Forschungsergebnisse darauf hin, dass der aktuelle Klimawandel indirekt Einfluss auf Erdbeben haben könnte. Laut einer Veröffentlichung des Helmholtz-Zentrums für Geoforschung verändert das Abschmelzen der Polkappen die Druckverhältnisse, weil dadurch mehr Wasser auf den Meeresboden wirkt. Besonders küstennahe Regionen könnten dadurch künftig stärker betroffen sein.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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