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Bodensee schrumpft: So tief stand das Wasser seit Jahren nicht

Historisch niedriger Pegel am Bodensee: Schiffe stoppen, Brutplätze trocknen aus. Was hinter dem Wasser-Rätsel steckt.

28.05.2026, 04:00 Uhr

Wer derzeit im Strandbad Horn in Konstanz baden gehen will, braucht Geduld – und gute Beine. Bis zum Wasser ist der Weg deutlich länger als sonst, und selbst nach vielen Metern reicht der See mancherorts nur bis zu den Knien. Der Bodensee führt für diese Jahreszeit außergewöhnlich wenig Wasser.

Das hat bereits Folgen: Badegäste müssen durch breite Flachwasserzonen laufen, einzelne Schiffsverbindungen sind eingeschränkt, Bootsverleiher warten auf mehr Wasser – und Ornithologen blicken mit Sorge auf die Brutbedingungen mehrerer Vogelarten.

Pegel nur knapp über historischem Tiefstwert

Am Pegel Konstanz wird aktuell ein Wasserstand von rund 310 Zentimetern gemessen. Das sind zwar drei Zentimeter mehr als am Vortag, aber weiterhin 77 Zentimeter weniger als im langjährigen Mittel für diesen Tag. Damit liegt der Pegel nur noch wenige Zentimeter über dem historischen Minimalwert von 301 Zentimetern für dieses Datum. Darauf weist die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) hin.

Warum der See so wenig Wasser führt

Normalerweise steigen die Wasserstände im Frühjahr und Sommer an, weil Regen fällt und in den Alpen Schnee schmilzt. In diesem Jahr fällt dieser Effekt bislang deutlich schwächer aus. Ursache ist vor allem, dass im Einzugsgebiet des Alpenrheins im Winter weniger Schnee gefallen ist als üblich. Gleichzeitig blieb auch der Regen in den vergangenen Monaten unter dem Durchschnitt.

Nach Angaben der LUBW führt der Alpenrhein, der wichtigste Zufluss des Bodensees, deshalb derzeit unterdurchschnittlich viel Wasser.

Was das für Badegäste und Strandbäder bedeutet

In den Strandbädern rund um Konstanz ist Baden grundsätzlich weiterhin möglich. Der niedrige Pegel ist dort aber deutlich sichtbar – vor allem in den flachen Uferbereichen. Badegäste müssen längere Wege bis zum Wasser und noch längere bis zum eigentlichen Schwimmbereich in Kauf nehmen.

Die Stadtwerke Konstanz erklären, der niedrigere Wasserstand sei inzwischen in allen Strandbädern spürbar. Für den Sommer komme es nun vor allem auf die weitere Wetterentwicklung an. Sollte das Niedrigwasser über längere Zeit anhalten, könnten einzelne Angebote oder Attraktionen nur noch eingeschränkt nutzbar sein.

Bootsverleiher warten, Schifffahrt mit kleineren Einschränkungen

Auch die Schifffahrt muss sich bereits anpassen. Nach Angaben der Stadtwerke läuft der Schiffsbetrieb zwar weitgehend normal, ganz ohne Folgen bleibt das Niedrigwasser aber nicht.

So müssen einige Schiffe mehr Abstand zum Ufer halten, Landestellen langsamer anfahren und Fahrgäste mit teils steileren Zugangsbrücken rechnen. Die Bodensee-Schiffsbetriebe können zudem den Steg in Mannenbach derzeit nicht bedienen. Am Untersee ist außerdem die Strecke zwischen Stein am Rhein und Diessenhofen nicht befahrbar.

Ein Bootsverleih in Meersburg wartet unterdessen darauf, dass der Pegel wieder steigt: Dort liegt der Verleih noch trocken in der Werft.

Nach Einschätzung der Stadtwerke sind vorerst keine weitergehenden Einschränkungen für den Schiffsbetrieb zu erwarten.

Folgen für Tiere und Pflanzen

Die LUBW betont, dass der niedrige Wasserstand grundsätzlich keine akute Gefahr für Wasserqualität sowie Tiere und Pflanzen darstellt. Die Lebensgemeinschaften am Bodensee seien schwankende Pegel gewohnt. Flächen, die jetzt trockenfallen, liegen auch im Winter häufig trocken und werden regelmäßig neu besiedelt.

Allerdings hat das Niedrigwasser in sehr flachen Uferzonen durchaus Folgen: Dort gehen Wasserlebensräume verloren. Besonders problematisch ist das für einige Wasservogelarten.

Die Ornithologische Arbeitsgemeinschaft Bodensee warnt, dass etwa Blesshuhn und Haubentaucher Probleme bei der Brut bekommen. Wenn flache Bereiche trockenfallen, können sie dort nicht wie üblich brüten. Manche Tiere warten dann auf dem Wasser, andere bauen ihre Nester im Schlick – wo Eier und Jungvögel leichter zur Beute von Füchsen werden. Ein einzelnes schlechtes Brutjahr sei zwar verkraftbar, doch nach Beobachtung der Fachleute häufen sich solche Situationen inzwischen.

Trinkwasserversorgung nicht gefährdet

Für die Trinkwasserversorgung gibt es nach Angaben des Zweckverbands Bodensee-Wasserversorgung derzeit keinen Grund zur Sorge. Das Niedrigwasser habe aktuell keinen Einfluss auf die Entnahme.

Zur Einordnung verweist der Verband darauf, dass jedes Jahr rund 11,5 Milliarden Kubikmeter Wasser in den Bodensee fließen. Die Bodensee-Wasserversorgung entnimmt davon nur etwa ein Prozent. Zulässig sind bis zu 670 Millionen Liter pro Tag.

Wie es in den nächsten Wochen weitergehen könnte

Die LUBW rechnet kurzfristig zwar mit einem leichten Anstieg des Pegels, weil die hohen Temperaturen die Schneeschmelze vorübergehend verstärken könnten. Fachleute erwarten aber, dass dieser Effekt schwächer ausfällt als in normalen Jahren.

Für den Sommer seien keine verlässlichen Vorhersagen möglich. Klar ist laut LUBW jedoch: Damit der Bodensee wieder ein gewohntes Niveau erreicht, reicht die Schneeschmelze allein nicht aus. Nötig wäre zusätzlich länger anhaltender und großflächiger Regen im gesamten Einzugsgebiet.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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