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Toronto staunt: Spanisches Drama siegt

Beim TIFF entschied das Publikum – und kürte ein brisantes Drama. Auch Stallones harter Weg zu «Rocky» begeistert.

20.09.2026, 19:02 Uhr

„La Bola Negra“ gewinnt den Publikumspreis in Toronto

Beim 51. Toronto International Film Festival (TIFF) ist „La Bola Negra“ von Javier Calvo und Javier Ambrossi mit dem wichtigsten Publikumspreis ausgezeichnet worden. Festivalleiter Cameron Bailey gab die Entscheidung am Sonntag bekannt.

Das spanische Drama erzählt drei miteinander verflochtene Lebensgeschichten über Liebe, Begehren und Unterdrückung. Im Mittelpunkt stehen drei homosexuelle Männer aus unterschiedlichen Epochen Spaniens – vom Umfeld des Bürgerkriegs bis in die Gegenwart –, die gesellschaftliche Ausgrenzung erleben. Ihre Schicksale sind mit dem Vermächtnis des Dichters Federico García Lorca und einem seiner unvollendeten Werke verknüpft. Lorca, dessen Texte oft von unterdrückter Identität und Sexualität handelten, wurde 1936 von Faschisten getötet.

Für Calvo und Ambrossi ist es bereits der zweite große Festivalerfolg in diesem Jahr: Bei den Filmfestspielen in Cannes wurden sie im Mai schon mit dem Regiepreis geehrt.

Bei der Preisverleihung in Toronto waren die beiden Filmemacher nicht anwesend, ließen aber eine persönliche Botschaft verlesen. Darin beschrieben sie „La Bola Negra“ als einen zutiefst persönlichen Film und betonten, wie wichtig es sei, ausdrücken zu können, wer man ist. Dass sich das Publikum mit dem Werk identifiziert habe, sei für sie das größte Geschenk.

„I Play Rocky“ auf Platz zwei

Den zweiten Platz beim People’s Choice Award belegte Peter Farrellys „I Play Rocky“. Der Film zeichnet nach, wie der damals noch weitgehend unbekannte Sylvester Stallone darum kämpfte, sein Drehbuch über den Boxer Rocky Balboa nur unter der Bedingung zu verkaufen, die Hauptrolle selbst spielen zu dürfen.

Rang drei ging an „Being Heumann“ von Oscar-Preisträgerin Siân Heder („CODA“). Das Biopic mit Ruth Madeley und Mark Ruffalo über die US-Behindertenrechtsaktivistin Judy Heumann hatte das Festival eröffnet.

Weitere Publikumspreise vergeben

Den International People’s Choice Award erhielt Simon Stones „Elsinore“. Andrew Scott spielt darin den schottischen Schauspieler Ian Charleson, der Ende der 1980er-Jahre trotz seiner Aids-Erkrankung als Hamlet auf einer Londoner Bühne stand. Auf den weiteren Plätzen landeten Lee Chang-dongs „Possible Love“ und Hur Jin-hos „The Assassin(s)“.

Als bester Dokumentarfilm wurde „Darlene Love: I Know Where I’ve Been“ von Barry Avrich geehrt. Die Doku zeichnet die wechselvolle Karriere der lange unterschätzten Sängerin nach, die zunächst im Kirchenchor sang und später oft ohne Namensnennung an einigen der größten Hits der 1960er-Jahre beteiligt war.

Der Publikumspreis der Reihe Midnight Madness ging an Matthew Rankins „Ladies and Gentlemen, Brian Mulroney“.

Auch Jury-Preise beim TIFF

Neben den Publikumspreisen wurden in Toronto auch Jury-Auszeichnungen vergeben. Den Platform Prize gewann Theja Rio für die indische Produktion „Angh“. Der Preis hat diesmal zusätzliches Gewicht, weil sich erstmals ein nicht englischsprachiger Siegerfilm darüber direkt für das Auswahlverfahren zum Oscar als bester internationaler Film qualifizieren kann.

Auch das kanadische Kino wurde ausgezeichnet: Cody Lightnings „Smudge the Blades“ über ein indigentes Eishockeyteam im Norden Albertas gewann als beste heimische Nachwuchsproduktion. Der Preis für den besten kanadischen Spielfilm ging an die Coming-of-Age-Komödie „Sunburn“.

In den vergangenen elf Tagen zeigte das TIFF insgesamt 294 Filme aus 72 Ländern. Anders als bei Festivals wie Cannes, Berlin oder Venedig entscheiden in Toronto bei den Publikumspreisen keine Jurys über die Gewinner – stattdessen stimmen die Zuschauer über ihre Favoriten ab.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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