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Schock für die Musikwelt: Herbert Blomstedt ist tot

Musikwelt in Trauer: Star-Dirigent Herbert Blomstedt ist mit 99 Jahren gestorben – die Details bewegen.

04.11.2026, 18:20 Uhr

Die Musikwelt trauert um Herbert Blomstedt: Der schwedische Star-Dirigent ist am Mittwoch im Alter von 99 Jahren gestorben. Das teilte das Gewandhaus Leipzig mit. Nach Angaben seiner Agentur starb Blomstedt zu Hause in Göteborg im Kreis seiner Familie.

Prägende Figur großer Orchester

Blomstedt gehörte über Jahrzehnte zu den herausragenden Dirigenten der internationalen Klassikszene. Als Chefdirigent leitete er unter anderem die Staatskapelle Dresden, das Gewandhausorchester Leipzig, das NDR-Sinfonieorchester sowie zehn Jahre lang die San Francisco Symphony. Auch als Gastdirigent war er bei Spitzenorchestern etwa in Boston, Chicago und Los Angeles gefragt.

Bis ins hohe Alter blieb er für seine geistige Frische und seine stets neuen Deutungen großer Werke bekannt. Musiker bewunderten an ihm vor allem seine Disziplin, sein außergewöhnliches Gedächtnis und seine menschliche Wärme.

Enge Verbindung zu Leipzig

Von 1998 bis 2005 stand Blomstedt als Gewandhauskapellmeister an der Spitze des Leipziger Orchesters. Er trat die Nachfolge von Kurt Masur an und blieb dem Haus später als Ehrendirigent verbunden. In seiner Leipziger Zeit führte er die traditionelle deutsche Sitzordnung wieder ein, setzte auf historisch informierte Aufführungspraxis und erweiterte das Repertoire um Werke skandinavischer Komponisten wie Jean Sibelius und Carl Nielsen.

2017 leitete er zum 275. Geburtstag des Gewandhausorchesters eine vierwöchige Jubiläumstournee durch Europa und Asien.

Gewandhausdirektor Andreas Schulz würdigte Blomstedt nach dessen Tod als einen der größten Musiker seiner Zeit. Er habe dem Orchester auch gezeigt, dass „Größe aus Bescheidenheit erwächst“. Bernhard Krug, Vorsitzender des Orchestervorstands, erinnerte an Blomstedts Antwort auf die Frage, was er hinterlassen wolle: „Freunde.“

Karriere zwischen Dresden, Hamburg und San Francisco

Nach ersten Chefpositionen in Skandinavien debütierte Blomstedt 1969 bei der Staatskapelle Dresden, die er von 1975 bis 1985 als Chefdirigent führte. Anschließend formte er die San Francisco Symphony zu einem Spitzenorchester. 1996 kehrte er nach Deutschland zurück und übernahm das NDR-Sinfonieorchester, zwei Jahre später folgte der Wechsel nach Leipzig.

Der Cellist Bernward Gruner von der Staatskapelle Dresden bezeichnete Blomstedt schon zu dessen 90. Geburtstag als einen Dirigenten, der sich ein Leben lang weiterentwickelt habe und Werke immer wieder neu befrage. Gruner erinnerte sich zudem an eine USA-Tournee 1979, auf der Blomstedt keinerlei Sonderrechte für sich beanspruchte, mit dem Orchester im Bus reiste, dolmetschte und älteren Musikern sogar das Gepäck trug.

Vom Predigersohn zum Maestro

Blomstedt wurde 1927 als Sohn schwedischer Eltern in den USA geboren. Sein Vater war Prediger, seine Mutter Pianistin und seine erste Musiklehrerin. Später studierte er in Stockholm Violine und Dirigieren, unter anderem auch bei Leonard Bernstein. 1954 gab er sein Debüt als Dirigent bei den Stockholmer Philharmonikern.

Blomstedt war bekennender Sieben-Tage-Adventist. In Interviews schilderte er sich als einen Menschen, der sich trotz seiner Weltkarriere immer wieder selbst hinterfragt habe. Nie habe er sich aktiv um Chefposten bemüht, sagte er rückblickend – die Angebote seien zu ihm gekommen. Dennoch habe ihn bis ins hohe Alter die Frage begleitet, ob er gut genug sei, ein Orchester anzuführen.

Sein eigenes Verständnis von Musik fasste er einmal so zusammen, dass die Musik möglichst viel sagen solle und er selbst möglichst wenig. Routine lehnte er ab; auch in oft dirigierten Werken entdeckte er nach eigenen Worten immer wieder Neues.

Zahlreiche Ehrungen

Für sein künstlerisches Wirken erhielt Blomstedt viele Auszeichnungen. Die Stadt Leipzig verlieh ihm 2017 ihre Ehrenmedaille. 2022 wurde er mit dem Großen Verdienstkreuz mit Stern des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland geehrt. Im September 2026 erhielt er zudem den japanischen Kunstpreis Praemium Imperiale.

Auch privat sprach Blomstedt oft mit Dankbarkeit über sein Leben. Besonders hob er seine 2003 gestorbene Frau Traute hervor, die ihn über viele Jahre zu seinen Konzerten begleitete. Mit ihr hatte er vier Töchter.

Mit Herbert Blomstedt verliert die klassische Musikwelt einen Dirigenten, der künstlerische Autorität, Bescheidenheit und ungebrochene Neugier auf seltene Weise vereinte.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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