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Trauer um Janosch: Der Künstler ist tot

Traurige Nachricht: Janosch ist tot. Der Schöpfer von «Oh wie schön ist Panama» starb mit 95 Jahren auf Teneriffa.

04.11.2026, 10:12 Uhr

Der Schriftsteller, Maler und Illustrator Janosch ist tot. Er starb am Dienstag im Alter von 95 Jahren auf Teneriffa, wie sein Tübinger Verleger Bernhard Feil im Auftrag der Ehefrau des Künstlers der Deutschen Presse-Agentur mitteilte.

Mit einfühlsam, humorvoll und liebevoll gestalteten Kinderbüchern wie „Oh, wie schön ist Panama“ prägte Janosch seit den 1970er Jahren Generationen junger Leserinnen und Leser weit über Deutschland hinaus. Seine Werke wurden in rund 40 Sprachen übersetzt, die Gesamtauflage geht in die Millionen. Er schrieb mehr als 150 Bücher; teils ist sogar von rund 300 Werken die Rede.

Besonders bekannt wurde Janosch durch seine Figuren Tiger, Bär und Tigerente. Sie machten den Künstler weit über die Literatur hinaus berühmt und wurden zu erfolgreichen Lizenzfiguren – etwa auf Schnullern, Socken, Brotzeitboxen, Tassen oder Fahrrädern. Die Vermarktungsrechte lagen bei der Janosch Film & Medien AG. Janosch selbst hielt sich zu dem Markenrummel auf Distanz und sagte einmal, das sei für ihn „eine andere Baustelle“.

Mühsamer Weg zum Erfolg

Janosch wurde 1931 als Horst Eckert im oberschlesischen Zabrze geboren, im heutigen Polen. Später lebte er auch einige Jahre am Ammersee südlich von München. Der Weg zum Ruhm war für ihn zunächst steinig: Die Kunstakademie in München lehnte ihn ab, und auch sein erstes Werk, „Die Geschichte vom Pferd Valek“, wurde kein Erfolg.

Trotzdem machte er weiter und veröffentlichte Bücher wie „Hannes Strohkopp und der unsichtbare Indianer“ oder „Lari Fari Mogelzahn“. Der große Durchbruch gelang ihm 1978 mit „Oh wie schön ist Panama“. Die Geschichte von Tiger und Bär wurde zum Klassiker.

Das Glück im Kleinen

Der Erfolg von Janosch erklärt sich nicht allein durch geschickte Vermarktung. Seine Sprache war direkt, warm und kraftvoll, seine Zeichnungen skurril und zugleich zärtlich. Die Welt von Tiger und Bär ist freundlich und friedlich, aber oft auch von leiser Wehmut durchzogen.

In „Oh wie schön ist Panama“ suchen die Freunde das vermeintliche Paradies in der Ferne – und entdecken am Ende, dass das Glück längst in ihrem kleinen Haus am Fluss lag. Dieser Gedanke prägte viele seiner Geschichten: dass das Gute oft näher ist, als man glaubt.

Kindheit als Gegenbild in seinen Geschichten

Viele seiner Kinderbücher lassen sich als Gegenentwurf zu seiner eigenen Kindheit lesen. Diese war von Armut, Gewalt und Angst geprägt. Sein Vater war alkoholkrank, jähzornig und setzte den Sohn unter Druck; auch die Mutter ließ ihren Frust an ihm aus. Hinzu kamen eine strenge katholische Erziehung mit Furcht vor Sünde und Fegefeuer sowie später die als quälend empfundene Zeit in der Hitlerjugend.

Janosch sprach später selbst davon, die ersten Jahre seines Lebens seien die „totale Zerstörung“ seiner Person gewesen. 1946 zog die Familie nach Oldenburg. Den Neuanfang in der Nachkriegszeit empfand er rückblickend als Befreiung aus den Zwängen seiner frühen Jahre.

Seine Kinderbuchwelt wirkte deshalb umso heller: bunt, anarchisch, verspielt und bevölkert von Figuren, die sich gegen Unterdrückung und Ungerechtigkeit stellen – mutig, verschmitzt und mit großem Herzen.

Auch Werke für Erwachsene

Nicht nur Kinder, auch Erwachsene fanden in seinem Werk prägende Texte. In dem Roman „Cholonek oder der liebe Gott aus Lehm“ schrieb Janosch über das harte Leben in einer oberschlesischen Bergarbeitersiedlung – schonungslos, aber auch melancholisch. Zudem verfasste er Theaterstücke und illustrierte die pikanten Geschichten des französischen Adligen Marquis de Sade.

Ein spätes Projekt war sein Alter Ego Wondrak, mit dem Janosch seit 2013 im Zeit-Magazin das Zeitgeschehen kommentierte. Über ihn hieß es einmal, bei Janosch würden gerade jene zu Helden, die sonst kaum jemand beachte.

Einfaches Leben auf Teneriffa

Nach seinem großen Erfolg zog sich Janosch in den 1980er Jahren auf die Kanareninsel Teneriffa zurück, wo er mit seiner Frau Ines lebte. Dort führte er ein eher schlichtes, ruhiges Leben. Zu seinem 85. Geburtstag erzählte er der dpa, er genieße gutes Essen, Wein und pflanze im Garten sogar Kartoffeln. Sein Lieblingsplatz sei die Hängematte.

Sein Wunsch damals: dass die Sintflut erst komme, wenn er selbst nicht mehr da sei – „also nach meiner Himmelfahrt“. Mit Janosch verliert die deutschsprachige Literatur einen Künstler, dessen Figuren Trost, Witz und Menschlichkeit spendeten – Kindern wie Erwachsenen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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