Philippe Jaenada erhält den Prix Goncourt 2026
Der französische Autor Philippe Jaenada ist mit dem Prix Goncourt 2026 ausgezeichnet worden. Die Jury in Paris ehrte den 62-Jährigen für seinen Roman L’Inconnue du quai de Javel (deutsch etwa: Die Unbekannte vom Quai de Javel). Jaenada widmet sich seit vielen Jahren vor allem historischen Kriminalfällen.
In seinem rund 530 Seiten langen Buch greift er einen bis heute nicht aufgeklärten Mord aus dem Paris des Jahres 1949 auf. Im Zentrum der Geschichte steht Louise Cansot, einst ein vielgebuchtes Künstlermodell im Montparnasse-Viertel.
Auf dem deutschen Buchmarkt ist Jaenada bislang kaum bekannt. Größere Übersetzungen seiner Werke liegen hier bisher nur in begrenztem Umfang vor.
Gründliche Recherche trifft erzählerischen Witz
Für die Rekonstruktion des Falls arbeitete Jaenada mit Gerichtsunterlagen, historischen Beständen und eigenen Nachforschungen an den Originalschauplätzen. Seine Bücher zeichnen sich durch präzise Recherche, humorvolle Einschübe, Abschweifungen und einen feinen Blick für seine Figuren aus.
Der Prix Goncourt gilt als wichtigste literarische Ehrung Frankreichs. Auch wenn das Preisgeld mit zehn Euro rein symbolisch ist, führt die Auszeichnung traditionell zu deutlich höheren Verkaufszahlen und großer internationaler Beachtung.
Die diesjährige Vergabe wurde allerdings von einer Debatte über künstliche Intelligenz in der Literatur begleitet. Wegen des Verdachts auf KI-Nutzung strich die Jury den kanadisch-haitianischen Schriftsteller Thélyson Orélien mit seinem Roman C’était ça ou mourir aus der Auswahl. Das Buch über Exil und Migration soll im Juni 2027 in Deutschland unter dem Titel Es war das oder sterben erscheinen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber