Mödlareuth als „Ort der Demokratie“ geehrt
Bayerns Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) hat das frühere Grenzdorf Mödlareuth als „Ort der Demokratie“ ausgezeichnet. Bei der Würdigung bezeichnete sie den Ort als ein prägnantes Zeichen der deutschen Teilung. Zugleich erinnerte sie daran, dass der Grenzübergang dort am 9. Dezember 1989 von den DDR-Grenztruppen offiziell freigegeben wurde.
Aigner hob hervor, wie beeindruckend es sei, dass aus einem über Jahrzehnte getrennten Ort wieder eine Gemeinschaft geworden sei. Darin liege ein starkes Zeichen für Menschlichkeit, Zusammenhalt und letztlich auch für die deutsche Einheit.
Nach ihren Worten reicht die Bedeutung Mödlareuths weit über das Dorf selbst hinaus. Gerade in Zeiten, in denen Diktaturen verharmlost oder Unterdrückung gleichgültig hingenommen werde, sei der Ort ein wichtiges Mahnmal für Freiheit. Der frühere DDR-Wachturm sei heute sinnbildlich durch einen „Leuchtturm der Demokratie“ ersetzt worden.
Vom Grenzort zum Symbol der Einheit
Mödlareuth blickt auf eine außergewöhnliche Geschichte zurück. Schon lange war das Dorf in einen bayerischen und einen thüringischen Teil gegliedert, was im Alltag jedoch zunächst kaum eine Rolle spielte. Erst nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs änderte sich das grundlegend: Mit der Teilung Deutschlands wurde der Tannbach zur Grenze zwischen der Bundesrepublik und der DDR.
Wie in Berlin entstand auch in Mödlareuth eine Mauer. Der Ort wurde streng vom DDR-Grenzschutz überwacht und war über Jahre nahezu vollständig abgeriegelt.
Wegen dieser besonderen Situation wurde Mödlareuth international unter dem Namen „Little Berlin“ bekannt. Einen Monat nach dem Fall der Berliner Mauer öffnete sich am 9. Dezember 1989 auch hier die bis dahin kaum überwindbare Grenze.
Heute leben in Mödlareuth rund 50 Menschen. Ein Teil des Dorfes liegt in Thüringen, der andere in Bayern.
Auszeichnung für besondere demokratische Bedeutung
Der Bayerische Landtag ehrt seit mehr als sechs Jahren Orte, die für die Demokratiegeschichte des Freistaats eine besondere Rolle spielen. In der Begründung zur Auszeichnung heißt es, Mödlareuth erinnere an die Erfahrungen der deutschen Teilung und stehe zugleich für die friedliche Überwindung von Grenzen sowie für Freiheit, Einheit und Demokratie.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber