Wolfgang Petry wird 75 – und singt jetzt auch über Rücken, Treppen und das Älterwerden
Wolfgang Petry hat vor wenigen Tagen seinen 75. Geburtstag gefeiert. Ein Alter, in dem man offenbar auch ganz entspannt über Aufzüge, Rückenschmerzen und die kleinen Tücken des Alltags singen darf. Genau damit eröffnet der Altmeister des deutschen Rockschlagers sein neues Album: Früher seien 100 Stufen im Treppenhaus kein Thema gewesen, heute freue er sich, wenn ein Aufzug in Sicht ist.
Spätestens bei Zeilen über zwischendurch schmerzende Rücken und das wechselhafte Wetter wird klar: Petry widmet sich inzwischen nicht nur dem Rockschlager, sondern mit viel Humor auch den Begleiterscheinungen des Älterwerdens.
Sein neues Album „Ein Leben lang“, das am Freitag (25.9.) erschienen ist, zeigt schnell, was den Sänger mit der einst legendären Zottelmähne heute bewegt. Dabei ist keine vertonte Seniorenlektüre entstanden, sondern ein lebendiges, selbstironisches Spätwerk, in dem Petry persönliche Einblicke gibt – in sein Leben, in die Liebe und in die Veränderungen, die das Alter mit sich bringt.
Einem weiteren großen Hit jagt er nach eigenem Bekunden nicht mehr hinterher. Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur sagte er, er schreibe einfach über das, was ihm gefalle und was ihn beschäftige.
Keine neue Tour – Petry bleibt im Hintergrund
Gerade deshalb ist das Album besonders interessant, weil sich Wolfgang Petry seit Jahren weitgehend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hat. Zwar veröffentlicht er weiterhin Musik, doch große Konzerte oder private Einblicke sucht man vergeblich. Auch jetzt macht er deutlich: Eine neue Tour werde es nicht mehr geben. Das bleibe Erinnerung.

Wer also etwas über Petrys Gedankenwelt erfahren will, muss vor allem seine Lieder hören. Das ist allerdings gar nicht so einfach, denn seine bekannten Ohrwürmer wie „Wahnsinn“ oder „Verlieben, verloren, vergessen, verzeih’n“ verführen noch immer sofort zum Mitsingen.
Das neue Album ist bewusst als Rückblick und persönlicher Einblick angelegt. Am 22. September wurde Petry 75 Jahre alt, außerdem feiert er sein 50-jähriges Bühnenjubiläum. Diese beiden Anlässe bilden den Rahmen der Platte. So hat er etwa seine Debütsingle „Sommer in der Stadt“ aus dem Jahr 1976 für das Album in einer Jubiläumsversion neu aufgenommen.
Besonders spannend sind jedoch die ganz neuen Titel. Dazu gehören das Liebeslied „Wegen dir“ und das Klavierstück „Ich hab ein Leben lang gewartet“, in dem Petry über Liebe, Vertrauen und Freundschaft über die Jahrzehnte hinweg singt.
Zwischen Rückblick und Zuversicht
Mit „Morgen Gold“ richtet Petry den Blick auch auf sich selbst. Wenn er dort singt, gestern sei Bronze gewesen, heute Silber und morgen Gold, klingt das wie ein optimistisches Signal: Trotz Rückenweh und kleiner Alltagsprobleme sieht er für sich noch immer eine glänzende Zukunft. Fans dürften darin zugleich eine Fortsetzung seines früheren Erfolgs „Bronze, Silber und Gold“ erkennen.
Besonders persönlich wird es in „Weiter immer weiter“. In dem Lied sind neben Petry auch sein Sohn Achim, ebenfalls Schlagersänger, und sein Enkel Giorgio zu hören, der laut Begleitmaterial noch studiert.
Die Familie macht mit
Vor allem von seinem Enkel zeigt sich Petry beeindruckt. Giorgio habe zuvor noch nie vor einem Mikrofon gestanden. Nach kurzer Anleitung habe er völlig ohne Nervosität seine Strophen und den Refrain eingesungen. Petry beschreibt den Moment mit Gänsehaut und nennt ihn ein Naturtalent.
Auffällig ist auch, wie offen Petry seine Skepsis gegenüber der modernen Welt verarbeitet. Im Song „Zehn Mark“ besingt er die Sehnsucht nach einer vermeintlich einfacheren, überschaubareren Zeit. Darin wirkt selbst der Supermarkt wie ein komplizierter Ort: Die Kasse streikt, der Code funktioniert nicht, und statt Butter findet man vor allem „vegan“. Inhaltlich bewegt sich das nah an den oft belächelten Klagen älterer Generationen.
Petry betont allerdings, das alles sei mit Augenzwinkern gemeint – auch wenn, wie er selbst sagt, viel Wahrheit darin stecke. Als Beispiel erzählt er, dass er weder Kreditkarte noch Handy habe und deshalb einmal kaum aus einem Parkhaus herausgekommen sei. Inzwischen müsse seine Frau mitfahren, damit er wieder hinauskomme.
Unterm Strich heißt das: Für den Weg aus dem Parkhaus braucht Wolfgang Petry heute mitunter Unterstützung. Den Weg zu einem eingängigen Refrain findet er dagegen offenbar weiterhin ganz allein. Auf dem Album bringt er das selbst auf den Punkt: Alles, was man brauche, sei ein guter Reim.
Vielleicht sagt genau das am Ende alles über Wolfgang Petry.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber