Nordrhein-Westfalen

Weihnachts-Schoko läuft jetzt auf Hochtouren

Schoko-Schock zu Weihnachten? Was Nikoläuse jetzt kosten könnten – und wie in Bochum süße Handarbeit entsteht.

25.09.2026, 06:00 Uhr

Weihnachtsgeschäft startet für Schokohersteller lange vor dem Fest

Schon Monate vor Heiligabend läuft in der Bochumer Schokoladenfabrik Ruth die Produktion auf Hochtouren. Dort entstehen Nikoläuse, Adventskalender, Schoko-Tannenbäume, Weihnachtsbären und viele weitere saisonale Süßwaren. Ein großer Teil davon wird in Handarbeit gefertigt – mit Formen, Pinseln und viel Fingerspitzengefühl. Entsprechend riecht es in der Halle bereits seit dem Sommer nach Schokolade und süßen Füllungen, die später in Stiefeln oder unter dem Weihnachtsbaum landen.

Saisonbeginn oft schon im Frühjahr oder Frühsommer

Für die Süßwarenbranche ist das Weihnachtsgeschäft traditionell von großer Bedeutung. Nach Angaben des Bundesverbands der Süßwarenindustrie beginnt die Planung deshalb sehr früh. Auch der Lebensmittelhandel stellt sich Monate im Voraus auf die Saison ein. Wie Alina Thieme vom Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels erklärt, werden saisonale Produkte häufig schon im Frühjahr oder Frühsommer bestellt. Spätestens ab September wachse bei vielen Verbraucherinnen und Verbrauchern die Lust auf winterliche und weihnachtliche Naschereien deutlich.

Viel Handarbeit in der Produktion

In Bochum läuft die Weihnachtsfertigung bereits seit einigen Wochen. Geschäftsführer Max Ruth sagt, dass etwa 70 Prozent der Arbeit per Hand erledigt werden, nur rund 30 Prozent maschinell. Ein Beispiel ist der Weihnachtsteddy „Chris“: Zunächst bemalt eine Mitarbeiterin die Form von Hand, etwa mit roter Schokolade für die Mütze und weißer für den Bommel. In der Fachsprache heißt das „ausschminken“.

Schoko-Manufaktur Ruth - Weihnachtsgeschäft
Das Weihnachtsgeschäft ist für die Hersteller besonders wichtig. Quelle: Christoph Reichwein/dpa

Danach wird flüssige Schokolade eingefüllt und die Form verschlossen. Anschließend hängen die Figuren so lange in einer Vorrichtung, bis sie fest geworden sind. Ähnlich werden auch Schneemänner hergestellt. An anderen Arbeitsplätzen werden Tannenbäume mit Puder veredelt und mit einer glänzenden Schicht überzogen. Auch Nikolausköpfe gehören zu den besonders gefragten Artikeln.

Unsichere Entwicklung bei den Preisen

Weniger festlich ist für viele Kundinnen und Kunden der Blick auf die Preise. Schokolade ist in den vergangenen Jahren deutlich teurer geworden, vor allem wegen stark gestiegener Kakaokosten. Eine verlässliche Prognose für die Verbraucherpreise in der Vorweihnachtszeit 2026 gibt es laut Branche noch nicht.

Allerdings gibt es erste Signale für mögliche Entlastungen. Laut Handelsverband haben einzelne Markenhersteller Preissenkungen angekündigt. So will Lindt bei verschiedenen Produkten günstiger werden; bei manchen Weihnachtsmännern sollen die Preise Medienberichten zufolge um mehr als 20 Prozent sinken.

Gleichzeitig zeigte sich bereits im Ostergeschäft, dass hohe Preise die Nachfrage nach Markenprodukten bremsen können. Thieme berichtet von einer eher schwachen Entwicklung und vermehrten Rabattaktionen. Auch der Absatz von Weihnachtsschokolade war 2025 rückläufig: Nach Daten des Marktforschungsunternehmens NIQ sank er insgesamt um zwölf Prozent.

Zurückhaltung beim Einkauf – aber Feiertage bleiben besonders

Im Handel ist laut Thieme generell eine spürbare Kaufzurückhaltung zu beobachten. Viele Menschen achten stärker auf ihr Geld. Dennoch seien Feiertage für viele weiterhin ein Anlass, sich etwas zu gönnen. Der Einzelhandel wolle deshalb auch in diesem Jahr mit einem breiten und preislich attraktiven Angebot punkten.

Die Süßwarenindustrie verweist darauf, dass die Belastung durch hohe Rohstoffpreise weiter anhält. Eine vorübergehende Entspannung im Frühjahr habe sich nicht fortgesetzt. Hinzu kommen Kosten für Energie und andere Zutaten. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts war Schokolade im April 2026 fast zehn Prozent teurer als ein Jahr zuvor. Im Januar 2026 hatte der Anstieg im Jahresvergleich sogar bei 21 Prozent gelegen.

Mehr als 600 Produkte aus Bochum

Bei Ruth läuft das Geschäft dennoch gut. Das Unternehmen sieht sich preislich im mittleren Segment und setzt bewusst auf Vielfalt. Mehr als 600 verschiedene Produkte werden dort hergestellt. Aktuell werden auch Adventskalender fertiggestellt, darunter ein Sonderauftrag für ein Versicherungsunternehmen.

Zudem erhalten zahlreiche Pralinensorten ihr individuelles Aussehen in Handarbeit. Farben und Muster werden mit dem Pinsel direkt in die Formen aufgetragen. Geschäftsführer Ruth zufolge produziert die Firma 60 bis 70 Prozent ihrer Ware für andere Unternehmen, die diese dann unter eigenem Markennamen verkaufen. Der kleinere Teil wird unter dem Namen Ruth angeboten.

Zu den Kunden zählen Fachhandelsketten, ausgewählte Supermärkte, Feinkostgeschäfte und einzelne Firmen. Außerdem betreibt das Unternehmen ein eigenes Geschäft mit Café und baut sein Online-Geschäft stark aus. Auch Lebensmittelfarben gehören zum Sortiment – eine Tradition, die laut Ruth schon sein Großvater gepflegt habe.

Hitze wird für Hersteller zum Problem

Mitten in der Weihnachtsproduktion kann es allerdings auch zu hitzebedingten Unterbrechungen kommen. Im vergangenen heißen Sommer gab es in Bochum für die 35 bis 40 Beschäftigten in der Produktion zeitweise sogar hitzefrei. Bei Außentemperaturen von bis zu 40 Grad sei die Verarbeitung schwierig geworden, berichtet Ruth. Schon ab 23 Grad in der Halle leide die Qualität: Der typische Glanz der Schokolade gehe verloren, ebenso der gewünschte Bruch. Deshalb werden nun zwei neue Klimaanlagen eingebaut.

Der Bundesverband der Süßwarenindustrie betont, dass Schutz vor Hitze bei einem so temperaturempfindlichen Produkt grundsätzlich nichts Ungewöhnliches sei. Längere Hitzephasen könnten jedoch den Aufwand für Kühlung, Lagerung und Transport erhöhen und auch die Arbeitsbedingungen verschlechtern. Welche Maßnahmen nötig seien, hänge vom jeweiligen Standort, den Anlagen und dem Sortiment ab.

Ruth denkt deshalb auch über Sommerprodukte nach, die weniger anfällig für hohe Temperaturen sind. An seiner Leidenschaft ändert das aber nichts: Sein Herz, sagt er, gehöre weiterhin der Schokolade.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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