Iris Berben fordert klaren Widerspruch gegen Antisemitismus
Schauspielerin Iris Berben hat dazu aufgerufen, antisemitischen Haltungen im eigenen Umfeld entschieden entgegenzutreten. Am Rande der Verleihung des Deutschen Kulturpolitikpreises sagte sie, sie versuche in ihrem Leben, möglichst viele Menschen zu überzeugen. Dabei gehe es nicht darum, Recht zu behalten, sondern um Menschenwürde, unterschiedliche Lebensweisen, die historische Verantwortung und darum, keinem gesellschaftlichen Rückschritt nachzugeben.
Der Deutsche Kulturrat ehrte Berben mit dem Deutschen Kulturpolitikpreis 2026 für ihren Einsatz gegen Antisemitismus, Rassismus und Rechtsextremismus. Die Auszeichnung wurde am Donnerstagabend in der Staatsbibliothek verliehen. Unter den Gästen war auch Israels Botschafter Ron Prosor. Die Laudatio hielt der jüdische Pianist Igor Levit, der zudem am Klavier spielte.
Igor Levit dankt Berben persönlich
Levit würdigte Berben in einer sehr persönlichen und emotionalen Rede. Er sagte, es brauche Menschen wie sie — Menschen, die begriffen, dass jüdisches Leben in Deutschland keineswegs selbstverständlich sei. Es müsse täglich neu verteidigt und ermöglicht werden. Gerade deshalb seien Stimmen wichtig, die sich auch dann klar positionierten, wenn sie selbst nicht unmittelbar betroffen seien.
Mit Blick auf den Hamas-Angriff auf Israel hob Levit hervor, dass Berben nicht geschwiegen, sondern ihre Solidarität mit jüdischen Menschen gezeigt habe. Das werde er ihr niemals vergessen, sagte er, und fügte hinzu, dass es vielen Jüdinnen und Juden in Deutschland ähnlich gehe.

Berben zeigte sich von der Rede sichtlich bewegt, umarmte Levit und nahm danach den Preis entgegen. Die 76-Jährige erklärte, die Ehrung habe sie überrascht und sie freue sich sehr darüber. Im Anschluss las sie einen Auszug aus Sebastian Haffners Buch Geschichte eines Deutschen.
Sorge über Debatten in Berlin
Kurz vor der Preisverleihung sagte Berben, eigentlich sollte niemand für etwas ausgezeichnet werden müssen, das hoffentlich irgendwann selbstverständlich werde: dass jüdisches Leben in Deutschland möglich sei, gelebt werde und als Bereicherung wahrgenommen werde.
Besorgt äußerte sie sich auch zur aktuellen Antisemitismus-Debatte im Zusammenhang mit dem Wahlerfolg der Linken in Berlin. Obwohl sie sich selbst als linksliberal verstehe und es viele Schnittmengen mit der Partei gebe, empfinde sie die Haltung weiter Teile der linken Szene zu Israel als schmerzhaft. Die Entwicklung bereite ihr große Sorgen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber