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Drogenkrieg in Marseille: Clan-Boss jetzt vor Gericht

Schüsse in Schulen, Tote auf der Straße, Polizei im Zwielicht: Im Prozess gegen «die Katze» zeigt sich Marseilles Abgrund.

18.05.2026, 04:30 Uhr

Prozess gegen mutmaßlichen Chef des Yoda-Clans in Marseille beginnt

In Frankreichs Problemvierteln mit großen Hochhaussiedlungen fallen immer wieder Schüsse. Häufig werden junge Menschen Opfer der Gewalt rivalisierender Drogennetzwerke, während Politiker in Paris den betroffenen Bewohnern regelmäßig ein hartes Vorgehen versprechen. Besonders dramatisch ist die Lage in Marseille: Dort startet an diesem Montag der Prozess gegen den mutmaßlichen Anführer des sogenannten Yoda-Clans, Félix Bingui, bekannt als „die Katze“, sowie gegen 19 weitere Beschuldigte. Ihnen wird vorgeworfen, 2023 in einen brutalen Machtkampf mit der DZ Mafia um die Kontrolle des Drogenhandels in der Hafenstadt verwickelt gewesen zu sein.

Die Angeklagten müssen sich unter anderem wegen Drogenhandels, Beteiligung an einer kriminellen Vereinigung und Geldwäsche verantworten. Im Fall einer Verurteilung drohen ihnen Haftstrafen von bis zu 20 Jahren. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft handelt es sich beim Yoda-Clan um ein besonders straff organisiertes Netzwerk, das vor allem durch die Auseinandersetzungen mit der konkurrierenden DZ Mafia in Erscheinung getreten sei.

Clanchef saß vor Prozess in Hochsicherheitsgefängnis

Félix Bingui, den die Ermittler eindeutig als Kopf des Clans identifizieren, bewegte sich laut Behörden zwischen Frankreich, Marokko und Dubai. Im März 2024 wurde der 36-jährige Franko-Kameruner in Marokko festgenommen und 2025 an Frankreich ausgeliefert. Bis zum Prozess wartete er in einem eigens für besonders gefährliche Drogenkriminelle eingerichteten Hochsicherheitsgefängnis.

Drogenkrieg in Marseille - Prozess gegen Clan-Chef startet
Der Drogenkrieg in Marseille fordert jedes Jahr etliche Opfer. (Archivbild) Quelle: Claude Paris/AP/dpa

Seit Jahren liefern sich Drogenbanden in Marseille einen erbitterten Krieg, der immer wieder in tödlichen Abrechnungen endet. Allein im Jahr 2023 kamen dabei 49 Menschen ums Leben, 118 weitere wurden verletzt, darunter auch 18 Minderjährige. Trotz wiederholter Ankündigungen der Politik und großer Polizeieinsätze gegen Dealer ist eine nachhaltige Beruhigung der Lage bislang nicht gelungen.

Außergewöhnliche Sicherheitsmaßnahmen zum Prozessauftakt

Der Auftakt des Verfahrens in Marseille erfolgt unter außergewöhnlich strengen Sicherheitsvorkehrungen. Diese sollen nicht nur die Beteiligten schützen, sondern auch ein Signal setzen, dass der Staat die eskalierende Drogengewalt stärker bekämpfen will. Bewohner der Hochhausviertel in Marseille, aber auch in Städten wie Nizza, Nîmes oder zuletzt Nantes, beklagen seit Langem, mit ihren Problemen allein gelassen zu werden. Immer wieder treffen Kugeln auch Schulen oder töten Menschen, die keinerlei Verbindung zur Unterwelt haben – etwa eine Studentin beim Lernen in ihrem Zimmer oder ein kleiner Junge im Auto seines Onkels.

Bundesweit sorgte im November des vergangenen Jahres ein weiterer Vorfall für Empörung: Der Bruder eines bekannten Kritikers der Drogenkriminalität in Marseille wurde mutmaßlich zur Einschüchterung erschossen. Nach Informationen der Zeitung Le Parisien prüfen die Ermittler, ob der Chef der mächtigen DZ Mafia hinter dem Mordauftrag stecken könnte.

Auch die Polizei gerät in den Fokus

Nicht nur die Banden, auch die Polizei selbst machte zuletzt Schlagzeilen. Im Zusammenhang mit der sogenannten „Opération Trident“ – einer zunächst überwachten und später verschwundenen Lieferung von 400 Kilogramm Kokain – wurde im vergangenen Jahr ein Ermittlungsverfahren gegen die Leiterin der Drogenfahndung in Marseille sowie ihren Stellvertreter eröffnet.

Zudem wurden zwei weitere Drogenfahnder aus der Hafenstadt festgenommen. Nach einem anonymen Hinweis hatten sie versucht, eine aus Kolumbien stammende Kokainlieferung von 400 Kilogramm im Großraum Paris zu überwachen, um die Hintermänner zu identifizieren. Doch der erwartete Großabnehmer erschien nicht. Medienberichten zufolge soll die Drogenladung schließlich unter Beteiligung von Informanten der Polizei verkauft worden sein.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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