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Sensation! Bulgarien holt den Eurovision-Sieg 2026

Überraschung in Wien: Mit «Bangaranga» holt Dara den ESC-Sieg für Bulgarien – warum ihr Triumph alle reden lässt.

17.05.2026, 01:01 Uhr

Bulgarien holt mit Dara den ESC-Sieg

Bulgarien hat den 70. Eurovision Song Contest gewonnen. In der Liveshow in Wien setzte sich Sängerin Dara mit dem Titel „Bangaranga“ durch und erhielt die meisten Punkte. Auf den weiteren Plätzen folgten Israel mit „Michelle“, danach Rumänien, Australien, Italien und Finnland.

Für Bulgarien ist es der erste ESC-Sieg überhaupt. Das südosteuropäische Land nimmt seit 2005 am Wettbewerb teil, verpasste aber oft das Finale. Diesmal lag der Beitrag sowohl bei den Jurys als auch beim Publikum vorne. „Bangaranga“ verbindet Balkan-Beats, K-Pop und Club-Sounds und entfaltete mit einem markanten Tanz nach Einschätzung vieler eine besondere Sogwirkung.

Die 27-jährige Sängerin Darina Nikolaewa Jotowa, die unter dem Künstlernamen Dara auftritt, zeigte sich nach ihrem Triumph überwältigt. Dem bulgarischen öffentlich-rechtlichen Fernsehen sagte sie, ihr Ehemann habe noch am Vortag mit ihr auf den Sieg gewettet. Sie fühle sich wundervoll und könne kaum begreifen, was gerade geschehen sei. Ihre Aufgabe sei es, auf der Bühne zu stehen, ihr Herz zu öffnen und Licht und Liebe auszustrahlen.

Deutschland erneut nur im Hinterfeld

Für Deutschland verlief das Finale wieder enttäuschend: Sarah Engels kam mit ihrem Song „Fire“ nur auf Platz 23 von 25 Finalisten. Besonders bitter: Alle deutschen Punkte kamen von den Jurys einiger weniger Länder. Vom Fernsehpublikum gab es keinen einzigen Punkt.

ESC-Kommentator Thorsten Schorn versuchte, das Ergebnis einzuordnen. Null Publikumspunkte bedeuteten nicht, dass niemand für Deutschland abgestimmt habe. Es habe lediglich nicht für einen Platz in den Punkterängen gereicht. Schorn betonte zudem, natürlich hätten Menschen für Sarah Engels angerufen und sie habe durchaus für Begeisterung gesorgt.

Schlechte Ausgangslage für Sarah Engels

Engels war mit der Startnummer 2 angetreten. Das galt vielen schon vor der Show als schlechtes Omen, weil aus dieser Position noch nie ein Beitrag den Wettbewerb gewonnen hatte. Auch bei den Wettbüros wurde der 33-Jährigen seit Wochen kaum eine vordere Platzierung zugetraut.

Auf der Bühne setzte sie auf viel Energie: Nach einem ruhigen, reduzierten Intro folgte eine aufwendige Choreografie mit reichlich Pyrotechnik. ESC-Kommentator Thorsten Schorn witzelte dazu: „Was haben wir alles abgebrannt. Jetzt geht der Spritpreis wieder hoch.“ Am Ergebnis änderte das jedoch nichts.

Trotz der klaren Niederlage wollte Engels die Stimmung nicht kippen lassen. Sie sagte nach der Show, ihr Team habe alles getan, was in seiner Macht gestanden habe, alles andere entschieden dann die Sterne. Während der ernüchternden Punktevergabe habe sie nach eigener Aussage ordentlich Süßigkeiten gegessen: „Ich habe richtig reingehauen.“

ESC-Verantwortung liegt wieder beim SWR

In diesem Jahr hatte innerhalb der ARD erstmals wieder der Südwestrundfunk (SWR) die Federführung für den ESC übernommen. Zuvor war fast 30 Jahre lang der NDR verantwortlich.

Der deutsche Beitrag war in einem vom SWR organisierten Vorentscheid ausgewählt worden. SWR-Programmdirektor Clemens Bratzler lobte Engels‘ Auftritt als leidenschaftlich, professionell und bühnenstark. Sie habe einen „überzeugenden Auftritt“ hingelegt. Zugleich räumte er ein: „Trotzdem sind wir natürlich enttäuscht“ über die Platzierung, auch wenn für den Sender nicht nur diese eine Zahl im Mittelpunkt gestanden habe.

In die NDR-Zeit fielen sehr unterschiedliche Ergebnisse für Deutschland: der Sieg von Lena Meyer-Landrut mit „Satellite“ im Jahr 2010 – auch unter aktiver Beteiligung von Stefan Raab – ebenso wie viele schwache Resultate. In den vergangenen elf Jahren landete Deutschland siebenmal auf dem letzten oder vorletzten Platz. Diesmal wurde es immerhin der drittletzte Rang. Das bislang letzte wirklich starke deutsche Ergebnis bleibt damit weiter Platz 4 von Michael Schulte im Jahr 2018.

Boykotte wegen Israel

Wie schon in den Vorjahren war die Teilnahme Israels von politischen Spannungen begleitet. Spanien, die Niederlande, Irland, Slowenien und Island boykottierten den Wettbewerb und verwiesen auf Israels Vorgehen im Gazastreifen. Auslöser des Gaza-Kriegs war das Massaker der islamistischen Hamas und anderer Terroristen in Israel am 7. Oktober 2023.

Bereits im Halbfinale hatte es beim Auftritt des israelischen Sängers Noam Bettan vereinzelt Zwischenrufe gegeben. Im Finale blieben größere Störaktionen während seines Auftritts zunächst aus.

Bettan trug seinen Song „Michelle“ souverän vor. Das Lied war dreisprachig angelegt – mit Teilen auf Hebräisch und Englisch, überwiegend aber auf Französisch. Als Israel viele Publikumspunkte bekam, waren in der Halle allerdings Rufe zu hören.

Auch bei einem großen Public Viewing vor dem Wiener Burgtheater gab es bei der Schnelldurchlauf-Präsentation der Songs deutliche Buh-Rufe, als der israelische Beitrag eingeblendet wurde. In der Nähe der Halle nahm die Polizei zudem 14 propalästinensische Aktivisten fest. Nach Angaben der Behörden hatten sie eine nicht angemeldete Versammlung abgehalten und gegen das Vermummungsverbot verstoßen.

Österreichische Show wirkte etwas behäbig

In der Halle präsentierte sich Wien betont nostalgisch. Der sogenannte Green Room war wie ein plüschiges rotes Wiener Kaffeehaus gestaltet.

Durch den Abend führten Victoria Swarovski und Michael Ostrowski. Das Duo bemühte sich um einen lockeren Ton, wurde aber von vielen Beobachtern als deutlich weniger humorvoll wahrgenommen als die Moderation im Vorjahr in Basel mit Sandra Studer und Hazel Brugger. Swarovski trat in Einspielern zudem als „Professor Eurovision“ mit eher zahlenlastigen Erklärungen auf.

Vorjahressieger JJ trat mit seinem Siegertitel von 2025 auf und präsentierte außerdem ein neues Lied. Conchita Wurst blieb der Show dagegen fern, nachdem Tom Neuwirth bereits im Januar erklärt hatte, sich aus der ESC-Welt zurückziehen und nicht mehr an entsprechenden Veranstaltungen teilnehmen zu wollen.

Zum 70. Jubiläum gab es dafür ein Wiedersehen mit mehreren früheren Teilnehmern, darunter Lordi, Max Mutzke und Cesár Sampson. Schon im ersten Halbfinale war zudem Vicky Leandros aufgetreten.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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