Es gibt Filme, die weit mehr hinterlassen als volle Kinokassen: Sie prägen eine Generation und machen ihre Hauptfiguren zu Popkultur-Ikonen. Genau das gelang „Natürlich blond“ Anfang der 2000er Jahre, besonders bei weiblichen Teenagern und jungen Erwachsenen. Nun startet mit „Elle“ bei Prime Video die Vorgeschichte der bekannten Hauptfigur als Serie. Die große Frage lautet: Trägt das Konzept auch heute noch?
Wer Elle Woods ist
Elle Woods ist bis heute eine der bekanntesten Blondinen der Filmgeschichte – irgendwo zwischen Kultfigur und lebendig gewordener Barbie. In den drei Filmen der Reihe, die zwischen 2001 und 2009 erschienen, steht sie für makellose Weiblichkeit, perfekte Styling-Routinen und jede Menge Klischees. Im letzten Film rückten allerdings ihre Cousinen stärker in den Mittelpunkt.
Gerade daraus entsteht der Reiz der Figur: Elle wird wegen ihres Aussehens und Auftretens oft unterschätzt, muss sich in einer männlich geprägten Welt behaupten und arbeitet hart für Anerkennung. Die Botschaft der Reihe war klar: Weiblichkeit und Intelligenz schließen sich nicht aus. Mit Fleiß, Ehrgeiz und Selbstvertrauen kann Elle – wie jede andere Frau – ihren Weg gehen.
Zu Beginn ist die beliebte Kalifornierin jedoch immer wieder die Außenseiterin. Über sie wird gelästert, sie wird belächelt und schikaniert. Trotzdem kämpft sie sich bis nach Harvard, schließt dort ihr Jurastudium mit Auszeichnung ab, wird Anwältin, geht in die Politik und gewinnt am Ende vor allem eines: echten Respekt.
Untrennbar verbunden ist die Rolle mit Reese Witherspoon, die durch Elle Woods weltweit berühmt wurde. Bei einer Premierenveranstaltung zur neuen Serie sagte die 50-jährige Oscar-Preisträgerin, die Rolle zu spielen sei „die größte Ehre meines Lebens“ gewesen. Witherspoon ist bei „Elle“ nun als Produzentin an Bord. Die jüngere Version der Figur übernimmt Lexi Minetree, 25 Jahre alt.
Prime Video erzählt die Vorgeschichte zunächst in acht Folgen. Noch vor dem Start wurde bereits eine zweite Staffel bestellt.
Worum es in „Elle“ geht
Die Serie setzt 1995 ein. Elle ist noch Highschool-Schülerin und lebt zunächst in ihrer vertrauten, quietschrosa Glitzerwelt in Los Angeles. Minikleider, Föhnfrisuren, perfektes Make-up und überbordende Dekoration holen das Publikum sofort zurück in das bekannte Universum.
Auch erzählerisch bleibt die Serie nah an der Vorlage: Elle gerät wieder in ein Umfeld, in das sie scheinbar nicht passt. Mit ihrer Familie zieht sie ins verregnete Seattle. Dort trifft ihr geschniegelt-bunter Stil auf Grunge, Flanellhemden und zerrissene Jeans.
Im neuen Schulalltag versucht Elle, ihren Platz zu finden und sich sogar modisch anzupassen. Doch ihre Mitschüler machen ihr deutlich, dass sie nicht dazugehört. Sätze wie „Seattle ist kein Kostüm“ und „Pink ist keine Persönlichkeit“ bringen sie ins Grübeln. Zum ersten Mal fragt sie sich ernsthaft, ob die anderen recht haben könnten und sie tatsächlich nur für „ein Dummchen“ halten.
Für wen die Serie interessant sein dürfte
Wer die Filme mochte, bekommt im Grunde genau das, was zu erwarten war: ein folgerichtiges Spin-off mit klarer feministischer Botschaft. „Elle“ knüpft an das Erfolgsrezept der Kinoreihe an und erzählt erneut von Selbstbehauptung in einer Welt voller Vorurteile.
Für Zuschauerinnen und Zuschauer ohne Vorkenntnisse drängt sich ein Vergleich mit Greta Gerwigs „Barbie“ von 2023 auf. Beide Geschichten spielen bewusst mit weiblichen Klischees, feiern das Frausein und brechen mit Erwartungen an Frauen. Während „Barbie“ gesellschaftliche Strukturen stärker von außen hinterfragt, erzählen „Natürlich blond“ und „Elle“ eher eine persönliche Emanzipationsgeschichte. Die Kernbotschaft bleibt: Bleib, wie du bist, und glaube an dich selbst.
Ob die Serie auch all jene voll erreicht, die Anfang der 2000er mit „Natürlich blond“ aufgewachsen sind, bleibt offen. Dieses Publikum ist inzwischen rund 25 Jahre älter – und womöglich aus dem klassischen Teenie-Drama längst herausgewachsen. Trotzdem dürfte „Elle“ mit Nostalgie, vertrauter Ästhetik und musikalischer Begleitung viele zumindest gut unterhalten.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber