Olympia

Olympia-Coup? Kiel erhält starken Rückenwind

Olympia-Überraschung vor der Entscheidung: Sechs Segelverbände drängen auf Kiel – sogar aus Bewerber-Regionen. Warum?

18.09.2026, 10:44 Uhr

Gut eine Woche vor der Entscheidung über den deutschen Olympia-Kandidaten erhält Kiel Rückenwind von sechs Segelverbänden, die sich für die schleswig-holsteinische Landeshauptstadt als Austragungsort der Segelwettbewerbe aussprechen. Neben Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen und Bremen stellen sich auch die Verbände aus Bayern und Nordrhein-Westfalen hinter die Bewerbung. Nach Angaben von Schleswig-Holsteins Sportministerin Magdalena Finke (CDU) vertreten diese Landesverbände zusammen rund 75 Prozent der deutschen Seglerinnen und Segler.

Der Präsident des Bayerischen Seglerverbands, Bernd Hassenjürgen, sagte, Kiel sei der passende Standort und verfüge über große Kompetenz im Segelsport. Gemeinsam hätten München und Kiel bereits 1972 bewiesen, wie leistungsfähige olympische Infrastruktur aussehen könne. Zudem gebe es nur wenige Olympia-Orte, an denen Anlagen auch nach einem halben Jahrhundert noch so intensiv genutzt würden.

Auch Christoph Zander, Vorsitzender des Seglerverbands Nordrhein-Westfalen, sprach sich klar für Kiel aus. Sollte die Olympia-Bewerbung aus Nordrhein-Westfalen erfolgreich sein, müssten die olympischen und paralympischen Segelwettbewerbe aus fachlicher Sicht in Kiel stattfinden. Die Stadt biete ein anspruchsvolles und abwechslungsreiches Revier, kurze Wege zu den Regattabahnen, bewährte olympische Infrastruktur und jahrzehntelange Erfahrung mit internationalen Wettbewerben.

Größte Verbände bevorzugen Kiel

Damit positionieren sich die beiden größten Regionalverbände im Deutschen Segler-Verband eindeutig für Kiel und gegen den Konkurrenten Rostock-Warnemünde. Sowohl München als auch die Region Rhein-Ruhr, die neben Berlin um die deutsche Olympia-Bewerbung konkurrieren, haben bislang noch nicht festgelegt, welche der beiden Ostseestädte sie als Segelstandort bevorzugen.

Sechs Segelverbände für Kiel als Olympia-Segelrevier
Sechs Seglerverbände unterstützen die Bewerbung. Quelle: André Klohn/dpa

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) betonte, bei der Entscheidung komme es vor allem auf internationale Ausstrahlung an. Kiel müsse man nicht lange erklären, sagte er, denn die Stadt sei nicht nur in Deutschland und Europa, sondern weltweit als Segelstandort bekannt.

Yilmaz sieht Kiel bereit für Olympia

Über die Unterstützung freuten sich auch Landtagspräsidentin Kristina Herbst (CDU) und Kiels Oberbürgermeister Samet Yilmaz (Grüne). Herbst bemerkte mit Blick auf die neue Rückendeckung, ein Segler könne zusätzlichen Rückenwind immer gut gebrauchen. Yilmaz verwies auf die Zustimmung in der Bevölkerung: 63,9 Prozent der Kielerinnen und Kieler hätten sich für die Bewerbung ausgesprochen. Sein Fazit: Kiel wolle Olympia nicht nur, sondern könne die Spiele auch ausrichten.

Am 26. September will der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) festlegen, welcher deutsche Kandidat sich um Olympische und Paralympische Spiele in den Jahren 2036, 2040 oder 2044 bewerben soll. Bisher hat sich lediglich Berlin wegen der geografischen Nähe zu Rostock-Warnemünde als Segelpartner bekannt.

Kiel ist als Austragungsort im Segelsport bestens erprobt: Bereits 1936 und 1972 wurden dort olympische Segelwettbewerbe ausgetragen. Die Regatten der Kieler Woche Ende Juni zählen zudem zu den wichtigsten Veranstaltungen im olympischen Segelsport. Außerdem befindet sich in der Stadt ein Bundesstützpunkt des Deutschen Segler-Verbands.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen