Tumulte bei Verlegung von Migranten in neues Aufnahmezentrum in Ceuta
In der spanischen Exklave Ceuta in Nordafrika ist es bei der Verlegung von Hunderten Migranten in ein neues Aufnahmezentrum im Hafengebiet zu Unruhen gekommen. Wie der staatliche Sender RTVE und weitere spanische Medien berichteten, wurden die Menschen am frühen Morgen von der Polizei zu Fuß über eine etwa zwei Kilometer lange Strecke dorthin begleitet.
Die Aktion begann noch vor Sonnenaufgang. Einsatzkräfte führten eine große Gruppe aus den provisorischen Lagern an den Stränden Trampolín und Benítez zum Hafen. Das dort eingerichtete neue Zentrum kann rund 1.800 Menschen aufnehmen. In den Behelfsunterkünften an den Stränden hielten sich zuletzt Schätzungen zufolge allerdings zwischen 3.000 und 4.000 Migranten auf.
Während des Transfers setzte sich ein Teil der Gruppe Medienberichten zufolge zunächst schneller in Bewegung und begann später zu rennen. Laut RTVE wollten viele offenbar möglichst rasch einen Platz in der neuen Unterkunft sichern. Die Polizei zog zusätzliche Kräfte hinzu, um die Lage unter Kontrolle zu halten.
Die Verlegung ist Teil der Maßnahmen der spanischen Zentralregierung, mit denen die Folgen der jüngsten Migrationskrise in Ceuta bewältigt werden sollen. Nach Regierungsangaben erreichten am 30. und 31. Juli bis zu 80.000 Migranten aus Marokko die Exklave. Ein Großteil von ihnen kehrte später wieder zurück, doch mehrere Tausend Menschen befinden sich weiterhin in Ceuta.
Gericht erlaubt Nutzung des Zentrums im Hafen
Das Aufnahmezentrum im Hafen ist das fünfte provisorische Lager in Ceuta. Es soll die Stadt entlasten und eine bessere Registrierung sowie Versorgung der Migranten ermöglichen. Nach dem massenhaften Grenzübertritt hatten viele Betroffene etwa anderthalb Monate lang unter schwierigen Bedingungen auf Straßen und an Stränden ausharren müssen.

Erst am Donnerstag hatte die Justiz den Betrieb der neuen Einrichtung erlaubt. Der Nationale Gerichtshof in Madrid lehnte einen Antrag der Polizeigewerkschaft SUP ab, die eine vorläufige Aussetzung erreichen wollte. Die Gewerkschaft hatte Bedenken geäußert, weil die Zelte in einem Bereich aufgebaut wurden, der als kritische Infrastruktur gilt.
Das spanische Verkehrsministerium hatte bereits Anfang September einen Teil des Hafens übernommen, um dort die vorübergehenden Unterkünfte für Migranten errichten zu lassen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber