Die Wettervorhersage für den Grand Prix von Singapur sorgt in der Formel 1 nur bedingt für Entspannung. Zwar liegt die Regenwahrscheinlichkeit am Renntag bei lediglich 30 Prozent, doch am Abend könnten Gewitter aufziehen. Ausgerechnet dann, wenn das Nachtrennen um 20.00 Uhr Ortszeit (14.00 Uhr MESZ/Sky) startet. Damit steht die Frage im Raum, ob der Königsklasse nach dem Debakel von Malaysia erneut ein chaotischer Ablauf droht.
Autos schlichen nur noch über die Strecke
Nach den Vorfällen in Sepang kündigte FIA-Technikchef Nikolas Tombazis eine schnelle und gründliche Untersuchung an. Die dort gefundene Lösung sei nur eine kurzfristige Notmaßnahme gewesen, erklärte er. Nun müsse genau geklärt werden, welche Faktoren zu dem Problem geführt hätten. Eine vollständige Erklärung liege bislang noch nicht vor.
In der Formationsrunde hatten mehrere Fahrzeuge massiv an Leistung verloren. Manche rollten nur noch, andere kamen beinahe zum Stillstand. Ferrari-Pilot Charles Leclerc schilderte, dass sein Wagen beim Beschleunigen exakt dieselben Schwierigkeiten gezeigt habe wie die Konkurrenz. Teilweise seien kaum mehr als 20 km/h möglich gewesen. Das sei bei einem Formel-1-Auto erschreckend, sagte Leclerc. Gerade bei schlechter Sicht könne eine unkontrollierbare Leistungsabgabe schwere Unfälle begünstigen. Weltmeister Lando Norris kritisierte vor allem den hohen Elektronikanteil und meinte, genau solche Systeme sollten in der Formel 1 nicht nötig sein.
Zu komplexe Technik unter Beschuss
Die neue Antriebsgeneration steht schon seit Saisonbeginn in der Kritik. Sky-Experte Ralf Schumacher sprach davon, dass die Regeln für die Teams offenbar so kompliziert geworden seien, dass die Belastung in diesem Jahr schlicht zu groß sei.
Die Fahrzeuge beziehen ihre Leistung 2026 zur Hälfte aus dem Verbrennungsmotor und zur anderen Hälfte aus der elektrischen Einheit. Wird die Batterie nicht ausreichend geladen, fehlt plötzlich ein erheblicher Teil der Gesamtleistung. Das kann auf der Strecke zu extremen Tempounterschieden führen und erhöht damit auch das Unfallrisiko deutlich. Die Fahrer weisen schon seit geraumer Zeit auf diese Gefahr hin.
Softwarefehler als Auslöser
Für unterschiedliche Wetterlagen existieren spezielle Einstellungen, auch für Regenrennen. Genau diese kamen in Malaysia zum Einsatz. Laut Tombazis war das Problem jedoch, dass es in dieser Saison bislang kaum echte Nässebedingungen gegeben habe. Entsprechend sei die Software unter realistischen Regenbedingungen noch nicht ausreichend erprobt worden.
In Sepang führte dann eine unglückliche Kombination mehrerer Faktoren zum Image-Schaden für die Formel 1: niedrige Motordrehzahlen, wenig Grip, Regen-Set-ups beim Energiemanagement und die spezielle Streckenaufteilung sorgten offiziell für einen unbeabsichtigten Leistungsverlust. Verantwortlich war ein Software-Bug in einem System, das die FIA gemeinsam mit den Teams entwickelt hatte.
Die Reaktionen fielen entsprechend spöttisch aus. Italiens Corriere dello Sport schrieb von einem traurigen Bild für die Formel 1 und lästerte, der Start sei wegen eines Software-Updates verschoben worden. Rennsieger Max Verstappen verglich die Szene mit einem "Lego-Rennen". Der Red-Bull-Fahrer hatte selbst zu den Betroffenen gehört, ehe er später seinen ersten Saisonsieg feiern konnte.
Kaum Zeit bis Singapur
Für Techniker, Ingenieure und Software-Spezialisten bleibt nun kaum Spielraum. Schon am kommenden Wochenende geht die Formel-1-Saison 2026 in Singapur weiter. Die Bedingungen dort ähneln denen in Malaysia stark: heiß, feucht und potenziell gewittrig. Zudem liegt der Stadtkurs nur rund 350 Kilometer südöstlich von Sepang. Die Gefahr, dass ähnliche Probleme erneut auftreten, ist also alles andere als ausgeschlossen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber