Fußball

Klopp «super-happy» – jetzt schrumpft der Kader

Nur ein Sieg in vier Klopp-Spielen – doch der Bundestrainer überrascht mit Lob. Was er trotz der DFB-Flaute Positives sieht

05.10.2026, 04:24 Uhr

Jürgen Klopp will beim nächsten Lehrgang der Nationalmannschaft mit deutlich weniger Spielern arbeiten. Nach dem 0:0 in Thessaloniki gegen Griechenland kündigte der Bundestrainer an, im November nicht noch einmal mit einem XXL-Aufgebot anzutreten.

„Mit 44 Spielern werden wir sicher nicht noch einmal antreten. Der Kader wird kleiner sein, das steht fest“, sagte Klopp mit Blick auf die dann anstehenden zwei Spiele innerhalb einer Woche. Für die letzten Begegnungen der Nations-League-Gruppenphase am 13. November in Belgrad gegen Serbien und drei Tage später in Berlin gegen die Niederlande rechnet er mit 23 oder 24 Spielern.

Klopp sieht nun einen größeren Auswahlkreis

Zum Start seiner Amtszeit hatte der 59-Jährige ein großes Aufgebot mit zahlreichen Neulingen nominiert und dieses in zwei Gruppen für jeweils eine Woche und zwei Spiele aufgeteilt. Nach dieser Sichtung verfüge er nun über einen breiten Spielerpool, der möglicherweise noch durch Akteure aus der U21 ergänzt werden könne. Auch Profis, die sich in den kommenden Wochen bei ihren Vereinen mit starken Leistungen empfehlen, hätten weiterhin Chancen.

Klopp betonte, dass Deutschland inzwischen auf vielen Positionen deutlich mehr Alternativen habe. Als Beispiel gilt für ihn Philipp Treu, den er sofort als mögliche Lösung auf der lange problematischen Position des rechten Verteidigers präsentierte.

Trotz 0:0: Klopp zieht ein sehr positives Fazit

Der Bundestrainer bewertete die ersten beiden Wochen insgesamt klar positiv – trotz nur eines Sieges aus vier Partien und des erneut torlosen Auftritts gegen Griechenland nach dem 0:1 im Hinspiel. Mit fünf Punkten liegt die DFB-Auswahl in Gruppe 2 aktuell hinter den Niederlanden und Griechenland (je 8 Punkte) auf Rang drei. Um noch das Viertelfinale zu erreichen, muss das Team im November mindestens auf Platz zwei klettern.

„Den ersten Schritt haben wir gemacht“, sagte Klopp dennoch und sprach von einem Fazit, mit dem er „super-happy“ sei. Im Teamhotel soll es in der Nacht zudem noch zwei bewusst positive Ansprachen von Klopp und Sportdirektor Rudi Völler gegeben haben.

Besonders angetan zeigte sich Klopp vom Auftreten der zweiten, jüngeren und frischen Gruppe – vor allem beim 2:0 gegen Serbien und von der ersten Halbzeit in Thessaloniki. Er habe nicht erwartet, dass nach nur einer Woche gemeinsamer Arbeit bereits ein solches Niveau möglich sei. Vor allem die Elf um Florian Wirtz und den auffälligen Debütanten Derry Scherhant habe phasenweise „in allen Bereichen“ überzeugt.

Einziger Makel blieb aus Klopps Sicht die Chancenverwertung. Deutschland belohnte sich nicht, obwohl die Mannschaft laut Trainer ein „unglaubliches Fußballspiel“ gezeigt habe. Das schön herausgespielte Tor von Jonathan Burkardt wurde zudem nach VAR-Eingriff aberkannt.

Nicht mehr bei null anfangen

Klopp verwies außerdem auf die Qualität der Spieler, mit denen er in den vergangenen zwei Wochen gearbeitet hat. Noch vor kurzer Zeit sei oft behauptet worden, dem deutschen Fußball fehle es an Talent. Seine Erfahrung mit den 44 Nationalspielern habe jedoch ein anderes Bild gezeigt: An Begabung mangele es ganz sicher nicht, und auch die Bereitschaft, hart zu arbeiten, sei überall vorhanden.

Nach dem enttäuschenden WM-Aus im Sommer habe die Nationalmannschaft aus seiner Sicht wieder neues Leben, neue Energie und neue Freude bekommen. Es werde wieder viel gelacht und zugleich intensiv gearbeitet. Gerade die vielen Neulinge hätten mit ihrer Begeisterung gezeigt, wie groß die Aufbruchsstimmung derzeit ist.

Sein Fazit fiel entsprechend zufrieden aus: Beim nächsten Lehrgang müsse die Mannschaft nicht wieder bei null beginnen. Die gemeinsame Basis sei gelegt, die „Festplatte“ der Nationalmannschaft also nicht mehr leer. Zudem kündigte Klopp an, mit jedem Spieler noch ein Feedback-Gespräch führen zu wollen.

Spannende Personalfragen vor dem November

Vor dem nächsten Lehrgang dürfte nun allerdings auch die Streichliste für Diskussionen sorgen. Denn Klopp hat seinen Auswahlkreis erweitert, zugleich aber neue Konkurrenzsituationen geschaffen.

So stellt sich unter anderem die Frage, wie sich die Hierarchie im Tor entwickelt – etwa mit Blick auf den jungen Jonas Urbig und Marc-André ter Stegen. Auch im Mittelfeld bleibt es spannend: In Klopps System ist nur ein klarer Sechser vorgesehen, während sich Aleksandar Pavlovic zuletzt stark präsentierte. Ebenso wird interessant, wie ein wieder fitter Jamal Musiala künftig gemeinsam mit Florian Wirtz eingebunden werden könnte.

Klar ist für Klopp jedoch vor allem eines: Im November geht es nicht mehr nur um Erkenntnisse, sondern um Resultate. Zwei Siege gegen Serbien und die Niederlande dürften nötig sein, damit Deutschland das Jahr doch noch mit dem Einzug in die K.-o.-Phase beenden kann.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen