Handball-WM im eigenen Land: Große Euphorie 100 Tage vor dem Start
100 Tage vor dem Beginn der Handball-WM in Deutschland wächst die Vorfreude spürbar. Zwei Jahrzehnte nach dem umjubelten WM-Sieg im eigenen Land hofft die deutsche Nationalmannschaft erneut auf ein Wintermärchen. Los geht es am 13. Januar mit dem Auftaktspiel gegen Tunesien.
Kapitän Johannes Golla sprach zuletzt von einem außergewöhnlichen Ereignis. Für den Handball in Deutschland sei das Turnier eines der bedeutendsten der vergangenen Jahre. Auch die Erinnerung an die Heim-WM vor 20 Jahren verleihe dem Wettbewerb zusätzliche emotionale Bedeutung. Schon jetzt sei zu spüren, dass etwas Besonderes bevorsteht.
Ticket-Nachfrage so hoch wie nie
Auch bei den Fans ist die Begeisterung groß. DHB-Vorstandschef Mark Schober erklärte, die Nachfrage übertreffe die aller bisherigen internationalen Turniere des Verbandes. Nach seinen Angaben sind bereits rund 80 Prozent der Plätze vergeben, was mehr als 850.000 verkauften Einzeltickets entspricht. Angestrebt wird eine Auslastung von 95 Prozent.
Wirtschaftlich sieht sich der Verband ebenfalls bestens aufgestellt. Während bei der Heim-EM 2024 die Kostendeckung erst nach dem Eröffnungsspiel erreicht worden sei, liege man diesmal schon 100 Tage vor Turnierbeginn über diesem Punkt. Schober sprach von einem Gesamtetat von etwa 35 Millionen Euro und betonte, er sei vor einem Großereignis noch nie so entspannt gewesen.
Kaum noch Karten für deutsche Spiele
Besonders gefragt sind die Begegnungen der deutschen Mannschaft. Das betrifft sowohl die Vorrundenspiele in München gegen Tunesien, Uruguay und Serbien als auch mögliche Partien in der Hauptrunde und K.-o.-Phase in Köln.

Nach Angaben Schobers wird es am 1. Dezember noch ein letztes sehr kleines Verkaufsfenster geben. Hintergrund ist, dass einige Bereiche für TV-Produktionen, Medienplätze und Spielerkontingente noch nicht endgültig verplant sind. Sollten dort Plätze frei werden, kommen diese noch einmal auf den Markt. Allerdings dürfte es sich nur um sehr wenige Tickets handeln, die wahrscheinlich innerhalb weniger Minuten vergriffen sein werden.
Sechs Städte sind Austragungsorte
Neben München sind auch Stuttgart, Magdeburg, Kiel, Köln und Hannover Gastgeber der WM. Für die Vorrundenspiele in München und Magdeburg sind derzeit keine Karten mehr verfügbar. In Kiel und Stuttgart rechnet der DHB spätestens bis Weihnachten mit ausverkauften Hallen.
Noch größere Auswahl gibt es dagegen bei einigen Hauptrundenspielen ohne die Gastgeber-Nationen: In Köln für Spieltage ohne Deutschland und in Hannover ohne Dänemark seien noch viele Karten erhältlich, sagte Schober. Die Arena in Köln ist mit knapp 20.000 Plätzen die größte Spielstätte des Turniers.
Gislason mahnt zur Vorsicht
Die Rahmenbedingungen für ein erfolgreiches Turnier sind also geschaffen. Ob die deutsche Mannschaft auch sportlich für ein neues Wintermärchen sorgen kann, muss sich allerdings erst noch zeigen. Nach dem Olympiasilber 2024 und Platz zwei bei der EM 2026 sind die Erwartungen hoch.
Bundestrainer Alfred Gislason warnte jedoch davor, ein mögliches Finale gegen Topfavorit Dänemark schon jetzt als selbstverständlich anzusehen. Die Dänen um Mathias Gidsel gelten erneut als Maßstab im Welthandball.
Nur noch wenige Spiele bis zum WM-Start
Viel Zeit zur Vorbereitung bleibt dem deutschen Team nicht mehr. Bis zum Beginn der Weltmeisterschaft stehen nur noch vier Partien an. Zunächst wartet in der EM-Qualifikation am 5. November in Berlin Belgien, drei Tage später folgt das Auswärtsspiel gegen die Slowakei.
Die letzte WM-Generalprobe steigt Anfang Januar mit zwei Testspielen gegen Portugal: am 8. Januar in Mannheim und zwei Tage später in Nürnberg. Danach beginnt das Turnier – mit dem klaren Wunsch, möglichst bis ins Endspiel zu kommen. Für Schober steht fest: Nach den Erfolgen der vergangenen Jahre muss mindestens eine Medaille das Ziel sein.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber