Wirtschaft

Studie: Deutschlands Luftdrehkreuze stürzen ab

Abflug über Dubai statt Deutschland? Warum Fernost- und Afrika-Flüge immer öfter über ausländische Drehkreuze laufen.

05.10.2026, 11:00 Uhr

Der internationale Flugverkehr ab Deutschland wird einer aktuellen Untersuchung zufolge zunehmend über Umsteigeflughäfen außerhalb Europas abgewickelt. Hintergrund sind demnach steigende Kosten für Airlines in der EU, die vor allem mit Klimavorgaben und Umweltauflagen zusammenhängen. Zu diesem Ergebnis kommen der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR).

Besonders deutlich zeigt sich der Trend bei Verbindungen nach Fernost und Südostasien: Im Jahr 2024 liefen rund 54 Prozent dieser Reisen von Deutschland aus über Drehkreuze außerhalb der Europäischen Union, vor allem über Flughäfen in der Golfregion und in der Türkei. Zum Vergleich: 2019 lag dieser Anteil noch bei knapp 44 Prozent, 2010 sogar nur bei etwa 34 Prozent.

Frankfurt und München verlieren an Bedeutung

Die deutschen Luftverkehrsdrehkreuze Frankfurt und München haben laut Studie spürbar an Gewicht verloren. Während sie 2010 noch rund 56 Prozent der Flüge von Deutschland nach Fernost und Südostasien bündelten, waren es 2024 nur noch etwa 36 Prozent. Auch bei Flugverbindungen nach Afrika werde immer häufiger außerhalb Europas umgestiegen.

Als einen wichtigen Auslöser nennen die Studienautoren das europäische Emissionshandelssystem. Europäische Fluggesellschaften müssten für Zubringerflüge zu ihren eigenen Drehkreuzen Emissionszertifikate kaufen. Für Flüge zu außereuropäischen Umsteigeflughäfen wie etwa Dubai gelte das dagegen nicht. Dadurch entstehe für Airlines aus Europa ein Wettbewerbsnachteil.

Zudem habe sich der Luftverkehr in Deutschland nach der Corona-Pandemie deutlich langsamer erholt als in vielen anderen Teilen der Welt. BDL-Hauptgeschäftsführer Joachim Lang sprach von einer allmählichen Abkopplung Deutschlands vom internationalen Luftverkehr. Aus seiner Sicht seien niedrigere Standortkosten und einheitliche Wettbewerbsbedingungen beim Klimaschutz nötig, damit für alle Anbieter dieselben Regeln gelten.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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