Alexander Zverev steht vor einem historischen Schritt
Alexander Zverev wird in den kommenden Wochen erstmals in seiner Karriere die Nummer eins der Tennis-Weltrangliste. Die letzten rechnerischen Zweifel beseitigte Carlos Alcaraz mit seiner überraschenden 5:7, 6:7 (4:7)-Niederlage im Sechzehntelfinale von Shanghai gegen den Belgier Zizou Bergs. Zuvor war bereits Ben Shelton ausgeschieden. Damit kann keiner der beiden Zverev im ATP-Ranking noch abfangen.
Für den 29 Jahre alten Hamburger ist es die Krönung eines außergewöhnlichen Jahres. Nach seinen Triumphen bei den French Open und den US Open wird Zverev die Saison als Weltranglistenerster beenden. Er ist damit der erste deutsche Profi bei den Männern seit Boris Becker an der Spitze des Rankings. In den sozialen Medien reagierte Zverev kurz nach der Entscheidung mit den Worten: „Ein Traum wird wahr“.
Zwei große Ziele auf einmal erreicht
Jahrelang hatte Zverev zwei Meilensteine vor Augen: einen Grand-Slam-Titel und Platz eins der Welt. Innerhalb weniger Monate hat er nun beides geschafft. Der Olympiasieger von 2021 spielte die stärkste Saison seiner Karriere und erfüllte sich damit beide großen Träume.
„Es stecken so viel Arbeit und Mühe darin, dieses Ziel zu erreichen“, sagte Zverev laut ATP. Besonders verwies er dabei auf seinen Weg zurück nach der schweren Knöchelverletzung.
Im Halbfinale der French Open 2022 gegen Rafael Nadal hatte sich Zverev in Paris schwer verletzt und den Court im Rollstuhl verlassen. Danach fiel er monatelang aus, lange war offen, ob und wie stark er zurückkommen würde. In dieser Saison präsentierte er sich stärker und konstanter denn je.
Becker gratuliert und ordnet Zverevs Erfolg ein
Boris Becker hatte Zverev bereits vor einigen Tagen gratuliert. Nun würdigte der frühere Wimbledon-Champion den Aufstieg noch einmal ausführlich. In seinem Podcast mit Andrea Petkovic sagte Becker, Zverev sei in einen „sehr illustren Kreis“ eingetreten. Als insgesamt 30. Profi überhaupt schaffe er den Sprung an die Weltspitze. „Das wird einem nicht geschenkt“, sagte Becker.
Zverev habe sich diese Position „im wahrsten Sinne des Wortes erarbeitet“ und „über den Kampf zum Spiel gefunden“. Nach Beckers Einschätzung zeigte der Deutsche in dieser Saison eine deutlich höhere Konstanz als noch im Vorjahr. Auch in Wimbledon stand Zverev im Finale.
Becker selbst führte die Weltrangliste 1991 zweimal an und kam insgesamt auf zwölf Wochen an der Spitze. Diesen Wert könnte Zverev bereits Anfang 2027 übertreffen.
Sinner fällt zurück, Zeitpunkt des Wechsels noch offen
Aktuell steht noch Jannik Sinner auf Platz eins. Der Südtiroler hat seine Saison wegen anhaltender Knieprobleme jedoch vorzeitig beendet und kann seine Punkte aus dem Vorjahr nicht mehr verteidigen.
Offen ist nur noch, wann Zverev Sinner auch offiziell an der Spitze ablöst. Frühestens möglich ist das mit der Weltrangliste vom 2. November. Dafür müsste Zverev das Masters in Shanghai gewinnen und anschließend in Wien das Halbfinale erreichen. Auch ein Finaleinzug in Shanghai und der Turniersieg in Wien würden ausreichen.
Danach plant Zverev noch Starts beim Masters in Paris sowie bei den ATP Finals in Turin. Beim Six Kings Slam in Saudi-Arabien, seinem nächsten Turnier nach Shanghai, werden keine Weltranglistenpunkte vergeben.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber