Fußball

FC Bayern vor Kunstrasen-Krimi: Jetzt zählt Manu

Neuer oder Urbig? Bayern hält die Torwart-Frage vor dem Königsklassen-Kracher geheim – bei der Hierarchie gibt’s aber Klartext.

12.10.2026, 10:59 Uhr

Bayern hält an Neuer fest – Kunstrasen in Stavanger als besondere Herausforderung

Der jüngste Patzer von Manuel Neuer in der Bundesliga hat die grundsätzliche Torwartplanung beim FC Bayern München nicht verändert. Vor dem Abflug zum Champions-League-Auswärtsspiel in Norwegen stellte Sportvorstand Max Eberl klar, dass es im Verein keinerlei Zweifel an Neuer gebe. An der Hierarchie im Tor halten die Münchner fest: Neuer ist die Nummer eins, Jonas Urbig sein Vertreter und möglicher Nachfolger, Sven Ulreich bleibt die zusätzliche Absicherung.

Eberl: Neuer bleibt die Nummer eins

Ob Trainer Vincent Kompany am Dienstagabend in Stavanger auf den erfahrenen Neuer setzt oder Urbig den Vorzug erhält, ließen die Verantwortlichen zunächst offen. Eberl verwies darauf, dass Kompany die Entscheidung gemeinsam mit seinem Trainerstab vorbereitet habe und er dem nicht vorgreifen wolle. Auch Neuer deutete bereits an, eine Vorahnung zu haben, wer auflaufen wird.

Nach dem 2:2 gegen Augsburg war Neuer in die Kritik geraten, nachdem ihm vor dem schnellsten Gegentor der Bundesliga-Geschichte ein Fehler unterlaufen war. Spekulationen über einen baldigen Wechsel im Bayern-Tor wies Eberl jedoch erneut deutlich zurück. Neuer sei und bleibe die klare Nummer eins in München. Wie es langfristig weitergehe, werde die Zukunft zeigen.

Erst das zweite Pflichtspiel auf Kunstrasen

Vor dem Duell in Stavanger richten sich die Blicke nicht nur auf die Torwartfrage, sondern auch auf den ungewohnten Untergrund. Nach Club-Angaben ist es für den FC Bayern erst das zweite Pflichtspiel auf Kunstrasen überhaupt. Das bisher einzige liegt fast zwei Jahrzehnte zurück: Am 22. November 2006 trennten sich die Münchner bei Spartak Moskau 2:2.

Wegen dieser besonderen Bedingungen änderte Kompany den gewohnten Reiseablauf. Anders als sonst absolvierte Bayern das Abschlusstraining nicht in München auf Naturrasen, sondern bereits vor Ort in Norwegen. So sollen die Spieler ein Gefühl für den Belag, das Ballverhalten und die passende Schuhwahl bekommen.

Kompany fordert Bayern-Mentalität unter allen Bedingungen

Kompany machte deutlich, dass er den Kunstrasen zwar als Besonderheit betrachtet, aber nicht als Ausrede gelten lassen will. Nach eigenen Worten habe er in 20 Jahren Karriere nie auf Kunstrasen gespielt. Umso wichtiger sei es, dass sich seine Mannschaft schnell an Boden und Bedingungen anpasse.

Seine Botschaft an die Spieler fiel klar aus: Ob Wind, Regen oder Sonne, große Hitze oder Kälte – Bayern müsse überall Bayern sein. Daran ändere auch die Frage nichts, wer letztlich im Tor stehe.

Kimmich und Kane sehen lösbare Aufgabe

Auch Joshua Kimmich blickt gelassen auf die ungewohnten Bedingungen. Der DFB-Kapitän geht davon aus, dass man auch auf Kunstrasen guten Fußball spielen kann. Moderne Plätze seien längst nicht mehr mit früheren, deutlich härteren Belägen zu vergleichen.

Harry Kane verwies ebenfalls darauf, dass eine kurze Umstellung nötig sei. Der Untergrund belaste Knie und Knöchel etwas stärker, mit dem richtigen Schuhwerk sei das aber beherrschbar. Aus seiner Sicht ist es zudem ein Vorteil, dass die Partie im Herbst und nicht erst im Winter stattfindet.

Gerade in Regionen mit langen Wintern, viel Regen und wenig natürlichem Licht bietet Kunstrasen praktische Vorteile. Für die Spieler verändert sich allerdings das Spielgefühl: Der Ball läuft oft schneller und springt anders ab, auch die Abstimmung zwischen Schuh und Belag ist eine andere.

Früher nach Norwegen – und gewarnt vor heimstarker Kulisse

Nach dem deutlichen 5:0 zum Start in die neue Champions-League-Saison gegen FK Bodø/Glimt wollen die Münchner auch in Stavanger den nächsten Sieg einfahren. Eberl sprach von anhaltender Vorfreude auf die weiteren „Norwegen-Wochen“ und machte den Anspruch klar: Bayern müsse und wolle die Partie gewinnen, um stark in die Ligaphase zu starten.

Unterschätzen wollen die Münchner den Gegner dennoch nicht. Das Team von Bjarte Lunde Aarsheim und Morten Jensen ist zu Hause nur schwer zu bezwingen und hat in der heimischen Lyse Arena seit August des vergangenen Jahres lediglich ein Pflichtspiel nicht gewonnen. Rund um Stavanger sorgt zudem die markante Landschaft mit dem nahegelegenen Preikestolen für ein besonderes Umfeld – sportlich soll der Abend für Bayern aber keine unlösbare Mission werden.

Neuer vor zwei Champions-League-Rekorden

Sollte Neuer in Stavanger tatsächlich zwischen den Pfosten stehen, könnte der Bayern-Kapitän gleich zwei weitere Bestmarken erreichen. Mit einem Einsatz würde er Iker Casillas überholen und dann gegen 54 verschiedene Gegner in der Champions League gespielt haben. Zudem würde Neuer mit seinem 163. Einsatz in der Königsklasse mit Thomas Müller als deutschem Rekordspieler gleichziehen.

Für den FC Bayern bleibt die Ausgangslage damit klar: Vertrauen in Neuer, besondere Vorsicht wegen des Kunstrasens – und der Anspruch, auch unter ungewohnten Bedingungen den nächsten Champions-League-Sieg zu holen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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