Bayern

Klimawandel: Warum Staatsforsten jetzt aufrüsten

Rekordjahr für Bayerns Staatsforsten – doch Bayerns Wälder schlagen Alarm. Warum der Klimawandel jetzt zur ernsten Gefahr wird.

12.10.2026, 14:58 Uhr

Trockenheit setzt Bayerns Wäldern stark zu

Bayerns Wälder stehen nach monatelanger Trockenheit und mehreren Hitzephasen im Sommer massiv unter Stress. Die Folgen reichen von einer höheren Anfälligkeit für Schädlinge und Parasiten bis hin zu möglichen Schäden in den Baumkronen. Vor diesem Hintergrund wollen die Bayerischen Staatsforsten ihre Rücklagen trotz eines sehr erfolgreichen Geschäftsjahres deutlich ausbauen und den sogenannten Klimawaldfonds von bisher 200 auf 300 Millionen Euro erhöhen.

Mit einer Fläche von rund 8.000 Quadratkilometern sind die Bayerischen Staatsforsten der größte Forstbetrieb Deutschlands. Nach Angaben von Waldbauexperte Rudolf Plochmann ist aktuell nicht mehr der Borkenkäfer das Hauptproblem, sondern vor allem die ausgeprägte Trockenheit. Welche langfristigen Schäden der Hitzesommer tatsächlich verursacht hat, werde sich allerdings erst in den kommenden Jahren klar zeigen.

Rücklagen für schlechtere Jahre sollen wachsen

Die Rücklage war ursprünglich auf 200 Millionen Euro ausgelegt. Finanzvorstand Manfred Kröninger hatte jedoch bereits vor einem Jahr darauf hingewiesen, dass diese Summe angesichts der Risiken des Klimawandels womöglich nicht ausreicht. Gute Geschäftsjahre müssten genutzt werden, um für schwierige Zeiten vorzusorgen, betonte er.

Zu den größten Gefahren für die Wälder im Freistaat zählen neben Trockenheit auch Borkenkäfer, Stürme und Waldbrände. Vor allem Fichten können durch Käferbefall innerhalb kurzer Zeit großflächig absterben. Hitze begünstigt nach Einschätzung Plochmanns zudem die Ausbreitung von Insekten und anderen Parasiten. Hinzu komme, dass mit steigenden Temperaturen auch Sturmrisiken zunehmen.

Mehr Waldbrände und häufigere Extremwetterlagen

Versicherungsdaten, unter anderem von der Münchner Rück, zeigen seit Jahren, dass extreme Wetterereignisse in Mitteleuropa sowohl häufiger als auch heftiger auftreten. Auch die Waldbrandgefahr wächst. Vorstandschef Olaf Hermes verwies darauf, dass in diesem Sommer sowohl die Zahl der Brände als auch die betroffene Fläche deutlich über dem üblichen Niveau gelegen habe.

Damit befinden sich die Staatsforsten in einer widersprüchlich wirkenden Lage: Wirtschaftlich läuft es derzeit sehr gut, während sich der Zustand der Wälder verschlechtert. Im Geschäftsjahr 2025/26 erzielte das Unternehmen einen Nettogewinn von 71,7 Millionen Euro – so viel wie seit zehn Jahren nicht mehr. Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger sprach deshalb von einem Rekordjahr. Maßgeblich dafür waren hohe Holzpreise und vergleichsweise geringe Schäden durch Borkenkäfer, Stürme und Schneelasten. Der Umsatz stieg um sieben Prozent auf 536 Millionen Euro.

Allerdings ist damit nicht garantiert, dass auch die kommenden Jahre ähnlich positiv verlaufen. Die Holzpreise unterliegen Schwankungen, und die zuletzt geringen Schäden waren auch eine Folge der regenreichen Witterung im Vorjahr, die die Ausbreitung der Käfer gebremst hatte.

Waldumbau als Antwort auf den Klimawandel

Seit Jahren arbeiten die Staatsforsten daran, ihre Bestände widerstandsfähiger gegen die Folgen des Klimawandels zu machen. Besonders im Fokus steht dabei die Fichte. Sie ist in Bayern nicht nur wirtschaftlich wichtig und weit verbreitet, sondern reagiert auch empfindlich auf Trockenheit und ist stark durch den Borkenkäfer gefährdet.

Deshalb setzen die Staatsforsten bei Neupflanzungen verstärkt auf Laubbäume. Zwar bestehen nach wie vor 62 Prozent der Flächen aus Nadelbäumen, bei neuen Pflanzungen liegt der Laubbaumanteil jedoch bereits bei 55 Prozent. Buchen, Eichen und andere Laubbaumarten gelten als robuster. Zudem haben sie noch einen weiteren Vorteil: Sie geraten nicht so schnell in Brand wie Nadelbäume.

Der Umbau braucht Jahrzehnte

Trotzdem kommt der Waldumbau nur langsam voran. Selbst in Wirtschaftswäldern vergehen oft viele Jahrzehnte, bis ein Baum geerntet wird. Plochmann verweist auf Umtriebszeiten von rund 100 Jahren. Deshalb testen Förster zusätzlich Baumarten aus südlicheren Regionen, die besser mit Wärme zurechtkommen könnten.

Diskutiert werden etwa Libanon-Zeder, Atlas-Zeder oder Baumhasel. Doch auch diese Arten sind keine einfache Lösung. Denn das bayerische Klima ist einerseits schon wärmer geworden, andererseits treten weiterhin Spätfröste und strenge Winter auf. Gerade damit kommen manche Arten aus mediterran geprägten Regionen schlecht zurecht.

Zustand der Bäume hat sich deutlich verschlechtert

Die seit mehr als vier Jahrzehnten erhobenen Daten aus den bayerischen Waldzustandsberichten zeigen insgesamt eine klare Entwicklung: Dem heimischen Baumbestand setzt der Klimawandel sichtbar zu. Zwar schwankt der Anteil geschädigter Bäume je nach Witterung von Jahr zu Jahr. Doch während 1983 noch mehr als die Hälfte der Bäume als gesund und ohne Schäden eingestuft wurde, waren es laut Waldzustandsbericht 2025 nur noch etwas mehr als 13 Prozent.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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